Lernen und Gehirn

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Das Strohfeuer Syndrom: Motivation, die nur drei Tage anhält für lange Zeit aufrechterhalten

Von am 13.06.12 17:53, Aktualisiert am 18.02.16 14:32 | 1 Kommentar |

Kommt das Euch bekannt vor? Motivation sehr stark ist aber nur kurz, meistens drei Tage anhält? Man entdeckt etwas neues, ist dafür Feuer und Flamme. Hingebungsvoll wird die neue Tätigkeit oder Beschäftigung ausgeführt. Aber nach einer Weile stellt sich komischerweise heraus, dass die Beschäftigung, die einen noch vor wenigen Tagen erfüllt hat, mittlerweile keine Bedeutung mehr hat. Die Motivation ist damit Einfach weg. Manche nennen das „das Strohfeuer Syndrom".

Fazit: In diesem Blogbeitrag wird das Phänomen untersucht: wieso erleiden wir dem Strohfeuer Syndrom? Wir beschäftigen uns enthusiastisch und obsessiv mit einer neuen Sprache, einem neuen Thema, oder einer Tätigkeit wie Sport, Lesen und Kochen, um diese nach ca. 3 Tagen einfach zu vergessen. Was ist denn mit der Beständigkeit, Ausdauer und Kontinuität? Wieso leidet unser Durchhaltevermögen?

Strohfeuer Syndrom und der Drei-Tage-Mönch

Die Japaner nennen das „Der Drei-Tage-Mönch". Dieses Syndrom ist weit verbreitet. Jeder Mensch hatte schon mal das Vergnügen es zu begegnen. Manche haben mit dem Strohfeuer Syndrom sogar eine langzeitige Freundschaft geschlossen. Man entdeckt etwas und beschäftigt sich damit obsessiv nur um wenige Tage später festzustellen, dass das eigentlich nichts interessantes war. Aber wieso tun wir das? und wieso passiert das dermaßen oft?

In den meisten Fällen hat man mit dem Strohfeuer Syndrom in Bezug auf das Erlernen oder Beherrschen einer neuen Tätigkeit. Das kann eine neue Sprache sein, ein neues Fach in der Schule oder an der Universität. Durchaus kann es sich dabei auch um Personen handeln. Es kann aber auch einfach nur ein neues Hobby sein, wie: man fängt an ein Tagebuch zu führen oder ein Blog zu schreiben. Oder aber man bastelt ein Gegenstand, entwickelt etwas neues. Etwas was man bis Dato noch nie gemacht hat.

Die Japaner nennen dieses Phänomen Drei-Tage-Mönch nicht ohne Grund. Denn ist ein Mönch in der Lage zu schaffen, wenn er nur drei Tage lang ein Mönch bleibt. Nicht viel. Genau das ist charakteristische Eigenschaft von Strohfeuer. Es brennt sehr leidenschaftlich und intensiv, aber nur für sehr kurze Zeit. Das Problem liegt darin, dass in der Kürze der Zeit keine Bedeutungsvolle Dinge geschaffen werden können. Egal wie intensiv, begeistert und leidenschaftlich eine Tätigkeit ausgeübt wird, wenn es nur wenige Tage dauert, können kaum brauchbare Ergebnisse erzielt werden.

Als ein gutes Beispiel kann ich hier folgendes nennen: Wie willst Du eine tolle Figur haben, wenn du nur eine Woche lang ins Fitnessstudio gehst? Wie willst du gut in der Schule sein, wenn du nur ein paar Themen intensiv bearbeitet hast, und dann nie wieder das Buch aufgeschlagen hast? Wie willst du ein Studium schaffen, wenn du an der Uni nur in der ersten Vorlesungswoche bist, und dann nicht mehr? Wie willst Du eine neue Sprache perfekt beherrschen, wenn Du nur ein mal pro Jahr für eine Woche sich damit beschäftigst? Wie man an den Beispielen sieht - nicht die Tätigkeit oder die Beschäftigung selbst ist das Problem, sondern das Aufhören ist hier ursächlich für die Misere.

Der Schlüssel zu diesem Problem liegt in der Kontinuität. Wie behalte ich die Kontinuität?

Wie kann ich aber diesen Zustand verhindern, dass ich mich nur für kurze Zeit für etwas begeistern kann, und dann nicht mehr? Das Geheimnis wird schnell gelüftet wenn man das Strohfeuer Syndrom auf die Einzelteile zerstückeln. Es gibt auch einen Spruch: um zu verhindern, dass man zu einem Drei-Tage-Mönch wird muss man jeden Tag ein Vater unser aufsagen.
Das ist natürlich im übertragenem Sinne gemeint. Mit dem Gebet ist gemeint, dass man jeden Tag ein wenig mehr schafft und für einen langen Zeitraum im Rhythmus bleibt. Man soll jeden Tag mit der Beschäftigung beginnen und nicht nach ein paar Tagen aufhören.
Der Vorteil liegt auf der Hand: man kann durch das Behalten dieser Kontinuität sein eigenes Leben ändern und auch das Leben anderer Menschen positiv beeinflussen.

Das Strohfeuer Syndrom abschaffen - wie schaffe ich das?
Diese Frage stellte sich sicherlich jeder, der schon mal das Strohfeuer Syndrom selbst ein paar Tage lang erlebt hat. Garantiert gibt es keinen einzigen Weg. Denn in den meisten Fällen bieten sich mehrere Wege um ein Problem zu lösen. Das betrifft auch den Drei-Tage-Mönch. Ich habe selbst verschiedene Tricks ausprobiert und kann nur sagen: mit der Disziplin kann man in diesem Fall kaum etwas erreichen. Daher muss ein anderer Weg her. Was mir sehr geholfen hat war: jeden Tag versuchen sich damit zu beschäftigen.

Disziplin hilft nicht
Um das Strohfeuer Syndrom zu bekämpfen hilft die Disziplin leider nicht. Denn mit Hilfe von Disziplin versucht man sich selbst zu zwingen etwas zu tun, was einem relativ wenig Freude bereitet. Und wenn mir die Beschäftigung wie: eine neue Sprache lernen, kochen lernen, die Gewohnheit jeden Tag zu lesen zu entwickeln, jetzt keinen oder nur wenig Spaß macht, so wird es nicht besser, wenn ich mich dazu mit aller Kraft zwinge. Brachiale Gewalt hat noch niemandem geholfen Motivation über längeren Zeitraum hinweg zu erhalten. Der Schlüssel liegt in der Bewertung der Tätigkeit - wie ist die Beschäftigung für mich? Alles kann sowohl positiv als auch negativ bewertet werden. Joggen beispielsweise kann sowohl als schmerzhafter Kampf gegen den eigenen Körper erachtet werden, als auch als kraftspendende Bewegung die den Kopf zu befreien hilft.

Wer eine neue Sprache erlernen will, kann das ebenso als eine Qual mit komischen Vokabeln oder aber als amüsantes Treffen mit neuen Leuten betrachten.
Ich denke man soll in der Beschäftigung oder der Ausgabe danach suchen, was einen Glücklich macht und nicht danach, was mir nicht gefällt und wie halte ich es aus.


Schritt für Schritt weiter machen und ausbauen
Hat man schon etwas gefunden, was einem Spaß und Vergnügen bereitet, sollte man es jeden Tag pflegen und in kleinen Häppchen weiter machen. Das Strohfeuer Syndrom zeichnet die folgende Eigenschaft aus: extrem großer Einsatz, extrem viel Leidenschaft und Begeisterung in extrem kurzer Zeit.
In dem man eine neue Sprache schrittweise jeden Tag ein bisschen lernt, erzielt man genau das Gegenteil von Strohfeuer Effekt: die Intensität wird gemindert, der Einsatz wird ordentlich abgespeckt, die Zeit wird aber gestreckt. Dadurch kommt man schrittweise zu einem gesunden Gleichgewicht und erhält ihn auch.

Den Schwung erzeugen und im Schwung bleiben
Hat man ein mal das innerliche Gleichgewicht gefunden, so wird es erheblich einfacher die Tätigkeit bisschen auszubauen und um in einem Schwung zu bleiben. Das Gehirn braucht schrittweise immer schwierigere Aufgaben und Herausforderungen um in den Flow zu geraten. Erst dann macht alles so richtig Spaß, egal was das ist: eine neue Sportart, neue Sprache oder Studienfach. Auch für zwischenmenschliche Kontakte kann man mit dieser Methode verbessern. Manchmal durch zu viel Miteinander-Sein zerstört man eine Freundschaft. Wogegen seltene aber reguläre Treffen eine gute Beziehung am Leben erhalten.

Warum mache ich das? Die Frage im Kopf behalten
Das Strohfeuer Syndrom ist deshalb so erfolgreich (viele Menschen werden davon infiziert) weil sie manchmal aus den Augen verlieren wieso sie sich überhaupt mit der Sache beschäftigt haben. Sie vergessen einfach was das Ziel zur Beginn war. Dann sehen Sie etwas neues, aufregendes und interessantes, und lenken die Aufmerksamkeit in die neue Richtung. Ein neues Strohfeuer wird gelegt - dieses wird aber auch nicht lange brennen. Viele Ratgeber lehren, dass man im Hinterkopf behalten soll, wieso man sich mit der neuen Sprache, neuem Sport, der Meditation oder dem Kochkurs beschäftigt hat. Was hat mich dazu bewegt und wieso machte es mir zur Beginn so viel Spaß. Das Ziel ist ja immer, dass man Vergnügen an der Beschäftigung hat, und sich nicht zwingen muss.

Wenn mein Leben unter die Lupe nehme, kann ich folgendes Beobachten: meistens habe ich mit einer neuen Beschäftigung (bei mir waren das Wasserball und spanische Sprache) aufgehört, weil ich vergessen habe, wieso ich damit überhaupt begonnen habe. Sowohl Wasserball als auch spanisch haben mit zur Beginn einen großen Spaß bereitet. Nach einigen Jahren habe ich aber meinen Fokus auf andere Tätigkeiten verlagert und sowohl mit Wasserball als auch mit spanisch habe ich aufgehört.

Was ziemlich gut funktioniert um den Grund nicht zu vergessen, wieso man sich mit einer Sache überhaupt beschäftigt hat, sind kleine Gedächtnishelfer, die einen Motivieren. Diese Motivatoren erinnern und führen den Grund wieso man sich dafür begeistert hat, vor Augen. Als Gedächtnishilfen können bspw. Bilder, Visionen, Musik oder Personen dienen. Auch kleine Gegenstände können mit der Tätigkeit stark assoziiert werden und erinnern dann an die Beweggründe von „damals". Für viele Leute ist die Musik der richtige Motivator. Oder wenn Du wieder einen kleinen Schub Motivation brauchst, markiere Dir diesen Blog-Beitrag oder füge ihn zu den Favoriten hinzu und komme wieder.

Zweifeln vergessen
Jeder Mensch zweifelt manchmal. Das kann auch sehr wohl deine Tätigkeit betreffen. Ich selbst habe mich des Öfteren gefragt ob das immer noch Sinn macht den Blog zu schreiben. Während meines Studiums (was nicht gerade kurz war) fragte ich mich ob das Studieren einen Sinn macht. In beiden Fällen habe ich mich das nur deshalb gefragt, weil ich es vergessen habe, wieso ich mit dem Blog und dem Studium überhaupt begonnen habe. Mein Tipp wäre an dieser Stelle zwar salopp und trivial, aber zutreffend: Zweifel sollte man einfach vergessen. Sie kommen und gehen, genau wie das schlechte Wetter oder Grippe. Wichtig ist sich auf das zu konzentrieren was man machen möchte und es mindestens noch ein mal machen. Sport, Fitness, Sprachkurs, Kochen, Blog schreiben oder Vorlesung besuchen - wenn ich es noch ein mal schaffe, dann schaffe ich es noch ein zweites und ein drittes und und und.


Vielleicht war jeder von uns ein Drei-Tage-Mönch, vielleicht in jedem von uns schlummerte Strohfeuer Syndrom. Das war aber die Vergangenheit. Jetzt in der Gegenwart können wir uns auf die Zukunft vorbereiten. Die Motivation gewinnen und mit dem Strohfeuer Syndrom endlich aufhören. Anstatt die Motivation jede drei Tage zu verlieren, können wir jetzt jeden Tag mehr Motivation gewinnen.

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1 Kommentar

Sehr brauchbare und konkrete Ausarbeitung des Themas. Danke.

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