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Inwiefern entscheidet soziale Herkunft über die Schulkarriere des Kindes?

Von am 26.08.13 8:25, Aktualisiert am 13.04.14 13:53 | 0 Kommentare |

Wie schlimm das bei uns aussieht, sehen sie an den Ergebnissen von den internationalen Vergleichstests. Es gib kaum ein Land, in dem die soziale Herkunft so sehr über die Schulkarriere entscheidet hier in Deutschland. Das heißt, da haben Sie in offene Wunde hineingestochen. Die Frage ist, ob wir uns das leisten können. Man kann ja nicht nur so eine Klientelpolitik in der Schule betreiben, sondern Schule ist etwas, was über die Zukunft eines Landes Entscheidet. Und das wird auch nichts nutzen, wenn einzelne weiterhin dafür sorgen, dass ihre Nachkommen die optimale Bildung bekommen, wenn der Rest auf einmal unterwegs verkümmert.

Fazit: Warum entscheidet die soziale Herkunft über die Schulkarriere eines Kindes und was kann man dagegen tun? Das dies falsch ist, ist jedem bewusst. Allerdings scheint die Kluft zwischen sozialen Welten im Schulsystem immer größer zu sein.

http://www.allesgelingt.de/blog/Kinder-Schulkarriere-Soziale-Herkunft.jpg

Das ist der eine Punkt. Der zweite Punkt ist vielleicht noch viel entscheidender. Es wird immer deutlich, dass am Ende gar nicht darauf ankommt was die Schüler in der Schule gelernt haben, sondern für die großen Karrieren, für die großen Leistungen, die wir in der Menschheitsgeschichte vollbracht haben wenn sie sich einfach mal die Biographien von einigen Leuten anschauen, wird doch deutlich: die haben das zustande gebracht OBWOHL sie in der Schule waren. Manche sagen das sogar so. Das heißt: ob das ein gelingendes Leben wird, ob jemand dann großartige Dinge leistet, das wird gar nicht entschieden durch das was in der Schule an Wissen vermittelt wird. Das wird entschieden an der Frage, ob es diesem Jungen oder diesem Mädchen gelungen ist, in diesem Schulsystem seine Leidenschaft zu behalten.

So, wenn das auch Bildungsbürger allmählich das verstehen und nicht daran denken, es käme darauf an, dass man gute Zensuren in der Schule hat. Wenn also diese Eltern dieser Kinder verstehen, dass das Schlimmste was passieren kann, was ihrem Kind passieren kann, der Umstand ist, dass diesem Kind die Leidenschaft am Lernen verloren geht, dann ändert sich das vollkommen. Denn das möchte keiner. Kein Lehrer möchte gerne den Kindern die Lust am Lernen versauen. Und keine Eltern wollen Kinder, die am Ende zwar ein gutes Abitur haben aber keine Lust mehr aufs Leben. Und davon haben wir ja genug. Und wie weit diese Prozesse führen, das sieht man ja in China. In Schanghai haben die da die besten Pisa Ergebnisse auf der ganzen Welt gebracht. Das heißt da wird richtig rein gepuscht und wer immer nur kann bietet seinem Kind die Möglichkeit sonst was für tolle Lern-Leistung zu vollbringen.

Die sind da häufig in der vierten Klasse schon dabei und machen sechzehn-Stunden-Arbeitstage damit sie sich das alles aneignen. Natürlich kann man unglaublich viel auswendig lernen und dann auch in Pisa Tests weltweit mit unglaublichen Ergebnissen prällieren aber was im Hintergrund passiert, und das wird ebene nicht so oft in der Presse gesagt, dass sind immer mehr Kinder dabei, die von Brücken springen weil sie es nicht mehr aushalten. In China lernen die Kinder sehr stark ihren Eltern zuliebe, sind sehr verbunden in diesem Denken. Und es gibt auch Fälle, wo die Kinder in ihrer Not und Verzweiflung ihre Eltern umgebracht haben. Wollen wir Pisa so weit führen, dass Kinder mit ihren eigenen Eltern nicht mehr zurecht kommen?!

Ist das das Ziel von Bildung? Ich war ja kürzlich in diesem Kanzlerdialog bei der Kanzlerin in diesem Bürgerdialog, wo sich jeder melden könnte. Neunzig Prozent der Zuschriften, die irgendetwas über Bildung gesagt haben, beziehen sich auf Schule. Alle Welt denkt, die Bildung findet in der Schule statt. Das stimmt doch gar nicht. Bildung findet jeden Tag statt. Und wahrscheinlich finden die wichtigsten Bildungsprozesse in diesen Gemeinschaften, in diesen Kommunen, in den Familien, und in der Arbeit statt. Da wo Menschen zusammenkommen. Schulen ist nur eine besondere Form davon und meine Prognose wäre, es wäre günstig wenn sie nicht mehr so hohe Bedeutung hätte. Dann wäre es auch für die Lehrer leichter.

RDP: Also sie könnte ihre hohe Bedeutung dadurch einwenig verlieren, dass man die Zensuren abschafft. Wenn wir uns einfach vorstellen, achtzig Prozent werden irgendwann mal Abitur machen. Dann kommt es auf die Note ja gar nicht drauf an als Selektionskriterium. Die Universitäten würden den aberwitzigen Numerus Clausus abschaffen, dass dazu führt, dass ein begnadeter Menschenfreund mit tollen feinmechanischen Fähigkeiten nicht Chirurg werden kann weil er vielleicht zu schlecht in Französisch in der Schule gewesen ist. Dieses System würden wir auch abschaffen. Universitäten würden dann Eignungstests einführen aber nach wie vor, würde nicht jeder eine Chance kriegen, wobei eigentlich ein gewisser Wahn darin besteht, dass die heutigen Eltern glauben, dass ihre Kinder, eine wahnsinnig harte Zukunft haben werden. Etwa in Konkurrenz gegen die chinesischen Kinder und vieles Andere mehr. In Wahrheit hat es noch nie eine Generation von Kindern gegeben, die so einfach hatte.

So einfach hat später einen guten Beruf zu finden. Ich meine heute sind in den Schulen sechs Millionen weniger Kinder als 1964. 1964 war der geburtenstärkste Jahrgang in der Bundesrepublik. Das war die Generation wo es nicht mal Lehrstellen gab. Heute sieht es eher so aus, als ob alle diese Kinder, also auch die achtzig Prozent der Abiturienten die wir ja gerade ausgesprochen haben, gerade gebracht werden. Und trotzdem tobt in der Mentalität der Menschen ein Verdrängungswettkampf, ein Darwinismus um den besten Platz, gutes Abitur, bester Zugang zu Universitäten, der eigentlich gar nicht mehr zeitgemäß ist, von dem aber die Eltern glauben es sei die Zukunft! Wie lässt sich diese Mentalität überwinden? Malen Sie mal ein Bild von der Zukunft, und malen sie vor allem mal die Schritte, über die es gelingt einen Mentalitätswandel zu provozieren, den wir ja für diese Bildungsrevolution so dringend brauchen.

GH: Vieles davon ereignet sich von ganz allein und ich bin ja ein großer Anhänger des Gelingens. Man kann ja Schule so gestalten, dass sie ganz erfolgreich ist. Aber Bildung kann man nicht erfolgreich abschließen. Bildung muss Gelingen und in diesem wunderschönem Wort Gelingen steckt nämlich etwas, was man es nämlich nicht machen kann, man kann Rahmenbedingungen schaffen in dem es gelingt. Und jetzt nenne ich mal eine solche Rahmenbedingung, die sich gegenwärtig dramatisch ändert und die vorher gar nicht so gewesen ist. Diese Rahmenbedingung heißt es hat sich in der Wirtschaft und auch sogar schon an den Universitäten rumgesprochen, dass man sich auf die guten Schulzensuren gar nicht verlassen kann. Und jetzt fangen sie plötzlich an und Fragen: es ist schon, dass du ein gutes Abitur gemacht hast, aber was hast du sonst noch gemacht? Und wenn da nichts kommt, dann nützt das schönste Abitur nichts. Es wird plötzlich gefragt: was kannst du denn sonst noch?

Die großen Unternehmen, die weltweit operieren, haben das schon vor Jahren gemerkt und haben dann ein Programm für ihre Absolventen eingeführt, die sie von den tollsten Universitäten wie Oxford, Cambrige oder sonst wo bekommen. Sie sagen: wir nehmen weiterhin die Besten aber bevor die bei uns anfangen sollen sie erstmal zeigen ob sie was können. Das Programm heißt „Teach first!"
Die schicken einen solchen Absolventen, der bei Oxford mit eins null Betriebswirtschaftslehre abgeschlossen hat, in eine Stadtteilschule in der Bronx und dann sollen die mal zeigen, dass aus einem zusammengewürfenlten, losen Haufen ein leistungsorientiertes Team machen. Und wenn sie das gekonnt haben, dann dürfen sie bei der Firma unter Umständen noch mal vorsprechen. Das heißt, da werden schon ganz andere Leistungskriterien gesetzt und selbst die Studienstiftung des Deutschen Volkes, habe ich gehört, hat inzwischen erkannt, dass Abitur mit Eins Komma Null noch nichts sagt über etwas, was sie dann Performance nennen.

Das heißt, mann nimmt wahrscheinlich lieber jemanden, der vielleicht Abitur mit 2.0 gemacht hat und dabei ein Wettbewerb in Physik bei Jugend Forscht gewonnen hat. Die nämlich performen besser. Weil die haben nämlich etwas, die haben diese Leidenschaft. Also könnte es sein, dass sich in der Öffentlichkeit immer mehr herumspricht, dass gute Zensuren überhaupt kein Bewertungsmaßstab sind. Dann brauchen sie sie gar nicht abzuschaffen. Sondern sie haben einfach keinen richtigen Wert mehr. Ich bin auch gegen die Abschaffung von Zensuren, weil Schüler natürlich eine Rückkopplung über ihre Leistung haben. Die wollen hören: war das jetzt richtig, war das jetzt gut? Nur eines darf man nicht, man darf sie nicht als Selektionskriterium für den Rest des Lebens verwenden.

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