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Im Folgenden werden die Anforderungen ermittelt, die das Sifa-Portfolio erfüllen soll, um die Fachkräfte für Arbeitssicherheit bei ihrer Weiterbildung zu unterstützen. In der Softwareentwicklung spielt das Anforderungsmanagement eine zentrale Rolle, weil eine systematische Analyse der Anforderungen darüber entscheidet, ob ein Softwareprodukt den Erwartungen der Nutzer gerecht werden kann. Das Ziel der Anforderungsanalyse ist es eine Liste von Funktionalitäten zu erstellen, an sich an der Anwenderperspektive orientieren, und die im weiteren Verlauf von Entwicklern umgesetzt respektive programmiert werden sollen.

Fazit: Das Kapitel 5.1 beschäftigt sich mit der Ermittlung von Anforderungen, die an ein wirksames Weiterbildungskonzept von Sifas gestellt werden. Im Nächsten Abschnitt wird der Fragebogen ausgewertet, der von Sifas ausgefüllt wurde. Darin sind Informationen zur bisherigen Nutzung von Web 2.0 Werkzeugen zur Weiterbildung unter SIFAs enthalten.

In dieser Phase der Softwareentwicklung wird das „Was" entschieden, also was für zusätzliche Funktionen werden in der Sifa Community benötigt, bzw. über welche Ergänzungen es sich bei dem Weiterbildungskonzept handeln soll. Die Bestimmung des „Was" ist von der Bestimmung des „Wie" abzugrenzen. Das „Wie" im Prozess der Softwareentwicklung bezeichnet die Kompetenzen, Methoden und Schritte, die notwendig sind, um das „Was" zu verwirklichen. Hieraus folgt logischerweise, dass das „Was" zuerst ermittelt werden soll, bevor das „Wie" bestimmt wird.

Für das Sifa-Portfolio wurde die notwendige Spezifikation des Moduls in drei Schritten entwickeln. Zum einen, wurde von Systemkonzept - der Gesellschaft für Systemforschung und Konzeptentwicklung mbH ein Fragebogen entwickelt, der innerhalb dieser Arbeit ausgewertet wird. Zum anderen wurde der Sifa-Trendmonitor konzipiert und eingesetzt. Der Trendmonitor liefert quantitative und qualitative Auswertung von Forum-Beiträgen, die innerhalb der Sifa-Community von den registrierten Mitgliedern verfasst wurden. Es handelt sich dabei um Fragen und Antworten zu unterschiedlichen Themen, die im Forum in Sifa-spezifischen Kategorien veröffentlicht wurden. Schließlich wurden Interviews mit Sifas, die zum Teil im Präsenzgespräch und zum Teil in Form eines Telefongesprächs durchgeführt wurden.

Diese Dreiteilung ermöglicht es, quantitative Analyse mit der qualitativen zu ergänzen, was die Güte der Ergebnisse steigern kann. Foren und Communities lassen sich in der Praxis problemlos quantitativ analysieren. Informationen über Anzahl der Fragen, Antworten, und über die Anzahl der Antworten innerhalb eines Themas können von jeder Foren-Software bereitgestellt werden. Um eine qualitative Analyse eines Forums durchzuführen, ist es notwendig die Methodik um weitere Dimensionen wie beispielsweise Zeit zu ergänzen, und den Kontext der veröffentlichen Fragen zu berücksichtigen. Zu diesem Zweck wurde der Sifa-Trendmonitor entwickelt, um nicht nur die Inhalte, sondern auch den Kontext der Inhalte zu untersuchen. Dadurch wird es möglich eine höhere Qualität in der quantitativen Analyse zu erzielen.

Im diesem Kapitel werden die drei Methoden vorgestellt und detailliert ausgewertet. Die daraus resultierenden Ergebnisse führten zur Anforderungsliste, die prototypisch umgesetzt und evaluiert wurde.

Fragebogen / Online Umfrage

Fragebögen gehören zu Methodenrepertoire der Nutzerbefragung und sind besonders dann geeignet, wenn die Bearbeitung und Auswertung asynchron, und somit entweder an unterschiedlichen Orten, oder zu unterschiedlichen Zeiten erfolgen soll. Dieses Arrangement zeichnen sowohl Vorteile als auch Nachteile aus. Als Vorteilhaft kann angemerkt werden, dass mittels Fragebögen sehr große Nutzergruppen befragt werden können. Wird ein Fragebogen in digitaler Form als Online-Umfrage gestaltet, können problemlos mehrere Tausende Nutzer an der Umfrage teilnehmen. Abhängig von Art der Fragen, kann die Auswertung zeitnah erfolgen. Als Nachteilig steht im Raum, dass Fragebögen keine Möglichkeit bieten die Fragen zu erklären, falls sie nicht verstanden werden können oder sich als zweideutig erweisen. Aus diesem Grund sollen die einzelnen Fragen unkompliziert ausformuliert werden. Zusätzlich dürfen Fragebögen nicht übermäßig viele Fragen beinhalten, da zu lange Bearbeitungszeit die Nutzer entmutigt und veranlasst dazu nicht alle Fragen nachdenklich zu beantworten. Dix systematisiert Fragearten in folgende Kategorien: „general, open-ended, scalar, multi-choice, ranked" (vgl. Dix et al. 2004, S. 349 - 351).

Zu der Kategorie der allgemeinen Fragen („general"), zählen Fragen in Bezug auf den Kontext des Befragten. Es handelt sich dabei um Informationen zum Beruf, Alter, Ausbildung, Kompetenzen oder der Umgebung in der der Befragte lebt oder arbeitet. Diese Art der Fragen dient häufig der formellen Seite der Befragung.

Offene Fragen („open-ended") sind davon gekennzeichnet, dass sie eine längere Ausführung des Befragten ermöglichen, wodurch der Informationsgehalt steigt. Zum Teil zielen solche Fragen darauf ab, die Meinung oder die Vorlieben des Befragten zu erfahren, um seine subjektive Perspektive kennenzulernen. Dadurch, dass offene Fragen frei formulierte Antworten bewirken, kann sich die Auswertung als komplex erweisen. Bei Papier-Fragebögen kommt zusätzlich der Aspekt der Lesbarkeit der Handschrift in Betracht, was die Auswertung erschweren kann. Als ein weiteres Manko kann aufgeführt werden, dass in den meisten Fällen eine manuelle Übertragung der Daten in ein Computerprogramm notwendig ist, um Berechnungen und Visualisierungen zu erstellen. Daher empfiehlt es sich Papier-Fragebögen mit offenen Fragen an überschaubare Nutzergruppen zu richten. Dagegen kann ein Online-Fragebogen von großen Nutzerzahlen bearbeitet werden.

Fragen, die eine Beurteilung innerhalb von vorgegebenen Werte-Skalen adressieren, nennt Dix „scalar". Es handelt sich dabei in der Regel um bipolare Beurteilung von beispielsweise „schlecht" bis „gut" oder im Falle der Nutzungshäufigkeit „täglich" bis „nie". Die Skalen können ordinal sein, mit numerischen Werten beziffert, oder auch nomial beschrieben werden. Es ist möglich auch kardinal skalierte Werte wie Intervall oder Verhältnis in dieser Form von Fragen zu verwenden. Da bei dieser Art der Fragen, von den Befragen ein eindeutiger Wert ausgewählt wird, können skalare Fragen relativ schnell ausgewertet werden.

Bei Multi-choice Fragen (auch Multiple-choice genannt) soll der Nutzer einen oder mehrere Werte aus einer vorgegebenen Menge wählen. Diese Art der Fragen eignet sich primär dazu, um Präferenzen oder Erfahrungen der Nutzer zu erfahren, bei denen Antwort „ja" oder „nein" respektive „vorhanden" oder „nicht vorhanden"

Rangordnung-Fragen sind dafür geeignet, abgestufte Präferenzen von Nutzern zu erfahren. In der Regel sollen dieser Art der Fragen absteigende oder aufsteigende Werte zugeordnet werden. Bei einer Befragung kann mit Hilfe dieser Fragen, in relativ kurzer Zeit viel Information gewonnen werden, da pro Frage mehrere Alternativen zur Auswahl stehen und der Nutzer im optimal Fall jeder Alternative einen Rangwert zuordnet. Dies gibt den Aufschluss darüber was ist die erstbeste, die zweitbeste, die drittbeste usw. Alternative für den Nutzer.

Beim Gestalten von Fragebögen ist es empfehlenswert ein konkretes Primärziel zu verfolgen und an dieses Ziel die passenden Fragearten auszuwählen. Dix et al. empfehlen die Nutzung von skalaren, rang- und multi-choice Fragen, da diese einen geschlossenen Charakter haben. Dadurch wird die Anzahl der Auswahlalternativen und der Eingabemöglichkeiten für den Nutzer gemindert, was wiederum den Auswertungsaufwand mindert (vgl. Dix et al. 2004, S. 350). Dies kann aber zu Umfragen führen, die einen geringen Aussagewert besitzen, bzw. bei denen die Güte der gewonnenen Informationen nicht der Anforderung des Projekts genügt. In der Softwarekonzeption werden auf Basis von Umfragen und weiteren nutzerzentrierten Forschungsmethoden Informationen gewonnen. Diese Informationen dienen als Grundlage für das Festlegen von Anforderungen. Im weiteren Entwicklungsverlauf werden diese Anforderungen von Entwicklerteams in Form von Pflichtenheften oder Systemspezifikationen umgesetzt und programmiert. Somit spielen die in der Forschungsphase gewonnenen Informationen eine kritische Rolle, weil die komplette Weiterentwicklung auf der Richtigkeit dieser Informationen aufgebaut wird.

Aus diesem Grund empfiehlt es sich ein Methoden-Mix zu wählen, der am Ende des Prozesses die Nutzerzufriedenheit und die Nutzerakzeptanz bewirkt, anstatt auf Methoden zu setzen, die die Auswertung von erhobenen Daten im überschaubaren Rahmen halten. Offene Fragen können trotz ihres hohen Auswertungsaufwandes zusätzliche Informationen liefern, die von Nutzern nicht explizit erfragt wurden. Dies kann dem Entwicklungsprozess zugutekommen.