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Die initiale Evaluation, die mit im öffentlichen Dienst tätigen Sifas durchgeführt wurde, lieferte Feedback zum Konzept und warf neue Fragen auf. Weil das Konzept auf Grund schematischer Funktionalität nicht im produktiven Einsatz getestet werden konnte, war es nicht möglich zu erfahren, wie die Nutzer mit dem Sifa-Portfolio in der Praxis umgehen. Trotzdem könnten auf Grundlage der Feedbackgespräche einige Einblicke gewonnen werden. Es hat sich bestätigt, dass die Sifas ein großes Interesse an Dokumentation der Weiterbildungsaktivitäten, sowohl formaler als auch informeller Art, haben. Das Hauptanliegen lag nicht etwa in der Hortung von Lernartefakten, damit sie die Datenbank füllen, sondern im Erlernen neuer Kompetenzen, im Erkenntnisgewinn und in der potentiellen Möglichkeit die dokumentierten Lernaktivitäten zum Zwecke der Selbstvermarkung und beruflicher Positionierung zu verwenden.

Fazit: Das 6. Kapitel beinhaltet die Diskussion zur Analyse und Evaluation des Konzepts der Weiterbildungsapplikation - Sifa Portfolio. An dieser Stelle wird geprüft ob die im Prototyp umgesetzte Anforderungen der Nutzer tatsächlich die Bedürfnisse der Anwender adressieren. Ausgehend von der Analyse wird die Weiterentwicklung der Applikation geplant.

In den ersten Interviews, die geführt wurden um den Einstieg in das Thema zu finden und die Anforderungen des Weiterbildungskonzepts zu bestimmen, wurde eine gewisse Unzufriedenheit mit den privaten Anbietern von Seminaren geäußert. Die Bedenken betrafen überwiegend die unzureichende Qualität der Schulungen, die erst während der Teilnahme an der Schulung feststellbar war. Es hat sich herausgestellt, dass das Sifa-Portfolio einen positiven Beitrag zum Informationsaustausch zwischen Sifas liefern kann. Durch die intensivere Kommunikation und kooperatives Lernen indem Lernartefakte innerhalb des Sifa-Portfolios untereinander ausgetauscht und diskutiert werden können, ist es möglich die Anbieter von qualitativ bedenklichen Seminaren, in der Menge der Weiterbildungsangebote herauszufiltern. Das kooperative Lernen und die gemeinsame Praxis der Sifas begünstigen den virtuellen Gemeinschaftssinn der Sifa-Community, was mit den Untersuchungsdimensionen Praxis, Lernen und Gemeinschaft korrespondiert (vgl. Kahnwald 2013, S. 89).

Die Systematisierung der Anforderungen an das Weiterbildungskonzept in Kategorien: 1. Lernartefakte, 2. Anordnung, 3. Rechte und Zugriff, 4. Ranking und Qualität, 5. Karriere / Außendarstellung, sowie 6. Konnektivität, deckt die Faktoren auf, die zur Fortbildung der Sifas beitragen können. Das Konzept dient nicht als eine von der Berufstätigkeit abgekoppelte Lernumgebung, sondern ist eng mit der Sifa Tätigkeit verzahnt. Somit kann es eine erweiternde Rolle für die Sifa Kompetenzen übernehmen. Die Personalisierung der Lernartefakte trägt dazu bei, das neue Wissen langfristig zu behalten und es macht dessen Einsatz wahrscheinlicher, weil es die affektive Lernebene berührt. Schaffung einer multiperspektiven Sicht auf die Portfolio-Elemente erweitert das Verständnis für die Lernmaterie im eigenen Fachkontext. An dieser Stelle kann das Konzept von der Integration in die Sifa-Community profitieren. Durch die Erweiterung der Plattform um das Sifa-Portfolio erschließen sich neue Nutzungspraktiken für die registrierten Mitglieder. Auch die Betreiber und Administratoren der Plattform erhalten einen erweiterten Einblick in das Lernverhalten der Sifas, was für Entwicklung zukünftiger Weiterbildungsmaßnahmen fördernd sein kann. Mit dem Sifa-Portfolio wird eine Lernplattform in Form eines Personal Learning Environment gegründet, was wiederum eine Möglichkeit schafft, das Lernverhalten zu analysieren (Learning Analytics).

Die Integration des Trendmonitors innerhalb der Sifa-Community und des Sifa-Portfolios fördert die Awareness in Bezug auf kritische Themen, die zwischen den Mitgliedern der Community diskutiert werden. Dies kann vor allem bei sich ständig ändernden Vorschrifts- und Gesetzeslage hilfreich sein, die richtigen Handlungsmaßnahmen zu ermitteln. Die Interviews haben ergeben, dass besonders bei sich Änderungen von Vorschriften erstmal zu einer Ungewissheit kommt, weil die geänderten Normen innerhalb des individuellen Betriebskontext nicht immer problemlos umgesetzt werden können. Daher bedarf es in der Regel einer gewissen Zeitspanne für die Adaptation der neuen oder der geänderten Vorschriften.

Der Einzug von mobilen und internetfähigen Geräten in den Alltag ermöglicht einen ortsunabhängigen Zugriff auf die Inhalte die im Sifa-Portfolio abgelegt werden. Dadurch wird ein Zugriff auf die Inhalte und die Möglichkeit der Kontaktaufnahme mit anderen Fachkräften für Arbeitssicherheit nicht nur am Arbeitsplatz gewährleistet. Ob dieser Aspekt eine positive oder eine negative Auswirkung auf die Berufsausübung der Sifas haben wird, muss noch untersucht werden. Die Umfrage hat gezeigt, dass beim Durchschnittsalter von 45 Jahren nicht jede Sifa mit neusten Applikationen und Web 2.0 Wissensvermittlungsmethoden zurechtkommt. In dieser Hinsicht wird eine Adaptationszeit nötig, der Trend zeigt aber eine positive Entwicklung und grundsätzliches Interesse der Sifas - unabhängig von dem Alter.