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Fachkräfte für Arbeitssicherheit liefern einen bedeutenden Beitrag dazu, dass Millionen von Menschen täglich ihrer Berufung nachgehen können, und dabei geschützt bleiben. Dadurch, dass die Sicherheitsaspekte innerhalb der Betriebe an Sifas teilweise ausgelagert werden, können andere Facharbeiter ihre Aufgaben besser wahrnehmen und somit effektiver Arbeiten. Diese präventive Rolle können die Fachkräfte für Arbeitssicherheit nur dann erfüllen, wenn sie sich kontinuierlich Weiterbilden und über den aktuellsten Wissensstand verfügen.

Fazit: Im Kapitel 7. findet eine Zusammenfassung der Erkenntnisse, die innerhalb der Untersuchung gewonnen wurden. Im Ausblick wird die Perspektive einer lebenslangen, berufsbegleitenden Weiterbildung. Die technologische Entwicklung und gesellschaftlicher Fortschrit führten dazu, dass das Erlernen eines Berufs und zeitlebens lange Arbeit in diesem Beruf nicht mehr realisierbar ist. Eine adaptive und dynamische Einstellung der Mitarbeiter wird gefordert, was zum erlernen von neuen Kompetenzen im Berufsleben führt.

Das innerhalb dieser Arbeit entwickelte Weiterbildungskonzept, soll die Sifas dabei unterstützen, ihr Kompetenzen berufsbegleitend zu erweitern und kontinuierlich zu lernen. Die ermittelten Anforderungen an ein nachhaltiges Weiterbildungskonzept für Sifas wurden im Prototyp verankert, um den Zielen: Steigerung der Awareness, Dokumentation der Weiterbildungsmaßnahmen und kollaborativer Austausch darüber, sowie Anerkennung der Kompetenzen die durch informelle Lernprozesse erworben wurden, näher zu kommen. Obwohl die drei Ziele unterschiedliche Ansätze adressieren und didaktisch, unternehmerisch, und schließlich lernpsychologisch fundiert wurden, zeichnet sie eine und dieselbe Intention aus: lebenslanges Lernen und Kompetenzentwicklung.

In der immer komplexer werdenden Welt von heute, fand im Bereich der Didaktik ein Paradigmenwechsel statt. Die Perspektive einer mehrjährigen Ausbildung gefolgt von langjähriger beruflicher Tätigkeit bis zur Pensionierung, erfüllt nicht mehr die Anforderungen, die an die Fachkräfte heutzutage gestellt werden. Das Informationszeitalter erfordert eine kontinuierliche Weiterbildung, die sich im Ansatz des lebenslangen Lernens wiederspiegelt. Dieser latente Zwang kann als Chance gesehen werden, sich zeitlebens zu entwickeln, neues zu lernen und Interessantes zu erfahren. Elsholz deklariert diesen Zustand als „individualisierte, erweiterte Beruflichkeit" (Elsholz 2014, S.149). Das Sifa-Portfolio adressiert diese Möglichkeit und bedient sich dabei der konstruktivistischen und der konnektivistischen Lerntheorien, und integriert dabei eine „Big-Data" Komponente. Basierend auf Erkenntnissen von Heinz von Förster, George Siemens, Albert Bandura, Benjamin Bloom und Cesar Hidalgo, hilft das Sifa-Portfolio Lernartefakte zu kreieren, personalisierte und für den Lernenden bedeutsame Verbindungen zwischen diesen zu generieren, die Artefakte aus verschiedenen Perspektiven zu erfahren und dadurch holistisch, und affektiv zu lernen. Die formalen Lernaktivitäten werden dabei mit den informellen auf gleichem Niveau unterstützt. In welche Richtung sich das Konzept entwickeln wird, bleibt den Nutzern überlassen.

Das Konzept kann zukünftig um weitere Module wie beispielsweise ein Sifa-MOOC erweitert werden, das von den Nutzern absolviert und innerhalb des Sifa-Portfolios diskutiert werden könnte. Die vorliegende Arbeit präsentiert ein zweidimensionales Modell. Aktuell schreitet die Entwicklung von drei dimensionalen Techniken voran, mit denen sich virtuelle 3D Räume gestalten lassen. An der Universität Siegen wird derzeit an „interaktiven und emotionssensitiven Lernsystemen zur Kompetenzerhaltung im Geschäftsprozessmanagement" (Universität Siegen 2016) geforscht, die durch den Einsatz der virtuellen Realität und „Serious Games" die affektive Lernebene adressieren sollen. Es wäre denkbar das Sifa-Portfolio als eine virtuelle und dreidimensionale Kompetenzwelt zu gestalten.

Das Sifa-Portfolio verfolgt einen langfristigen Ansatz. In der aktuellen Diskussion ist nicht nur das Thema des lebenslangen Lernens, sondern auch der demografische Wandel immer präsenter. Daher wäre es innerhalb der langfristigen Perspektive hochinteressant zu erfahren, ob und inwiefern ein umfangreiches Sifa-Portfolio die beiden Welten: der jungen Fachkräfte und der Senioren, zusammenbringen könnte. Die von Leopold Stieger ins Leben gerufene Initiative „seniors4success" (Stieger 2016) zeigt deutlich, dass die Menschen, die ihr Pensionsalter erreichen, am liebsten ihr Wissen mit jüngeren Fachkollegen teilen würden, statt von der Arbeitswelt in Richtung Ruhestand ausgegrenzt zu werden. Stieger adressiert mit dieser Plattform die Thematik der negativen Auswirkungen eines plötzlichen Karriere-Endes.

Menschen die jahrelang Erfüllung in ihrem Beruf fanden, sind gezwungen von einem Tag auf den anderen aufzuhören, und sehen dann keine Perspektive mehr. Im unternehmerischen Kontext könnte eine Verbindung der beiden Welten, der erfahrenen Experten und der jungen Nachfolger, zur Kompetenzsicherung beitragen. Als eine weitere Iteration in der Entwicklung des Sifa-Portfolios, kann die Bereitstellung von einer an die Smartphones und Tablets angepassten, mobilen Variante der Plattform erwähnt werden. Solche Möglichkeit würde die ortsunabhängige Nutzung fördern und Sifas im Außendienst unterstützend zur Seite stehen. Dieser Schritt könnte parallel zur Implementierung des Weiterbildungskonzepts innerhalb der Sifa-Community erfolgen. Durch einen komplementären Einsatz der Web-Plattform und der Mobile-App eröffnet sich der Ansatz zur Analyse des Lernverhaltens (Learning Analytics), aus dem Erkenntnisse im Hinblick auf die Wirksamkeit des Weiterbildungsplattform hergeleitet werden können.