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Ein Paper Prototyp ermöglicht es, mit rudimentären Mitteln die ersten Erkenntnisse in Bezug auf Nutzungsverhalten zu gewinnen (vgl. Häger et al. 2016, S. 269). Das Ziel beim Paper Prototyping ist es „Mock-ups" zu erstellen, die eine vereinfachte Umsetzung der Idee repräsentieren, die mit potenziellen Nutzern besprochen werden können. Dadurch ist es schon in den frühen Phasen der Entwicklung die Idee zu evaluieren und mit den Erwartungen der Nutzer abzugleichen. Zu typischen Charakteristika von Paper Prototypen gehört die „Leichtgewichtigkeit" und die Schnelligkeit in der Umsetzung. Prototypen, die in Bezug auf Funktionalität nicht den Erwartungen der Nutzer entsprechen, lassen sich kostengünstig schnell korrigieren, oder es können neue erstellt werden (vgl. Rubin, Chisnell 2008, S. 57).

Fazit: Im Kapitel 5.2 wird iterativ ein Prototyp des Sifa-Portfolios entwickelt. Es wurde mit Papier-Prototypen gearbeitet, die in Wireframes (Mid-Fidelity) überführt wurden und im letzten Schritt in einem High-Fidelity Axure Prototypen gemündet sind. Dieser Prototyp wird im folgenden Abschnitt mit den Nutzern evaluiert.

Iterative Prototypentwicklung

Das Paper Prototyp wurde mit einem Mitarbeiter im Bereich Sicherheitsmanagement im öffentlichen Dienst besprochen. Dabei wurde zugleich der Ansatz des „Experience Prototyping" angewandt, bei dem nicht das Produkt selbst, in diesem speziellen Fall nicht das Sifa-Portfolio selbst, sondern die Erfahrungen die man macht und die weitere Konsequenzen nach sich ziehen, die von der Nutzung des Fertigproduktes ausgelöst respektive verursacht werden. Es handelt sich dabei um eine Imitation des Zustandes und oder des erreichten Ziels, als Ergebnis der Nutzung (vgl. Wright, McCarthy 2010, S. 35).

„In der realen Welt wäre es für mich am besten, wenn ich die Liste meiner Projekte und Erfahrungen immer dann parat haben könnte, wenn ich mit anderen Leuten aus der Branche Kontakt habe. Als ob ich ein Résumé immer dabei hätte, und es jedem aushändigen könnte, der es sehen möchte. Wenn ich eine eigene Website hätte, würde ich eine solche Liste direkt online stellen - sozusagen als Employee-Branding. Auf dieser Liste würde ich Sachen aufführen, von denen ich besonders stolz bin". Proband/In A.

Der Proband schätzte, dass das Sifa-Portfolio eine gute Alternative für alle Sifas sei, die keine eigene Homepage besitzen, um ihr Kompetenz nach außen zu manifestieren. Als bedenklich wurde geäußert, dass das komplette Portfolio innerhalb der Sifa-Community auffindbar ist.

Auf Grundlage dieses Feedbacks wurde die Anforderungsliste um zwei relevante Funktionen erweitert: zum einen um einen Export des Portfolios, sodass man es lokal auf dem eigenen Computer zur späteren Verwertung speichern kann, und zum anderen die Einrichtung eines öffentlichen Profils mit ausgewählten Portfolio-Elementen, der für nicht eingeloggte Besucher und von Suchmaschinen gefunden werden kann.

Wireframes (Mid-Fidelity)

Wireframes dienen in der Softwareentwicklung und im Speziellen in der Webentwicklung dazu, die Anordnung von wichtigsten Elementen zu bestimmen. Obwohl in diesem Schritt die Gestaltung im Sinne von Design und die Funktionalität keine Rolle spielt, helfen Wireframes bei der Suche nach der richtigen Verortung von Elementen innerhalb einer Webseite oder einer Mobilen Applikation. Wireframes können in statische und dynamische unterteilt werden. Statische Wireframes verfügen über Gemeinsamkeiten mit Paper-Prototypen, da sie auch in Form von Skizzen angefertigt werden können (vgl. Wilson 2014, S. 58). Dieser Abschnitt ist der dynamischen Variante von Wireframes gewidmet, da sie in Axure RP Pro Programm umgesetzt werden und teilweise über Funktionalitäten verfügen. Da Sifa-Portfolio als Erweiterung von der bestehenden Sifa-Community gedacht ist, wird das vorhandene Community Design als Grundlage für die Ergänzungen übernommen.

Das folgende Bild zeigt beispielhaft den Einsatz von Wireframes während des Entwurfsprozess von Sifa-Portfolio. Die Vollständige Sammlung erstellten Wireframes wird in digitaler Form auf einem Datenträger dieser Arbeit beigefügt.

Axure Prototyp (High-Fidelity)

Für das erstellen eines funktionellen High-Fidelity Prototyps wurde auf das Programm Axure RP Pro 7.0 zurückgegriffen. Das Programm ermöglicht es Entwürfe zu gestalten, die dank ihrer Funktionalität, von Endprodukten, zumindest was die Optik angeht, sehr nahekommen. Die Elemente eines Prototyps können bis zu einem bestimmten Grad mit Funktionen versehen werden, die ein ähnliches Verhalten simulieren, wie das fertige Produkt. Als besonders wertvoll erweist sich das breite Funktionsspektrum von Axure, wenn mit den Prototypen Evaluation oder Tests durchgeführt werden sollen. Abhängig von dem Komplexitätsgrad des Entwurfs, kann ein teils-interaktiver Prototyp entworfen werden. Der Entwurf des Sifa-Portfolios enthält alle Funktionen, die in der Liste der Anforderungen aufgeführt wurden. Die Kernfunktionen wurden mit Sifas evaluiert und im Kapitel 5.3 beschrieben. Weil das Weiterbildungskonzept erst durch Anlegen, Verknüpfen und Speichern von Artefakten zum Vorschein kommt, ist es in der Zukunft notwendig zumindest Teile des Konzepts umzusetzen und in der Produktivumgebung zu evaluieren.

Bei der Erstellung des Prototyps wurden die Usability-Aspekte berücksichtigt. Dies erfolgte anhand der sieben-stufigen Systematik, die von der ISO-Norm 9241-110 vorgeschrieben wird. Es handelt sich bei dieser norm um die Vorgaben, die die Ergonomie der Mensch-System-Interaktion beschreiben. Als Synonym für Usability wir in Deutschland der Begriff der Gebrauchstauglichkeit verwendet. Die Gebrauchstauglichkeit wird in der früheren Norm ISO-Norm 9241-11 als „Das Ausmaß, in dem ein Produkt durch bestimmte Benutzer in einem bestimmten Nutzungskontext genutzt werden kann, um bestimmte Ziele effektiv, effizient und zufriedenstellen zu erreichen" (DIN 1999). Die sieben Schritte, die beim Entwurf von interaktiven Systemen zu berücksichtigen sind, betreffen folgende Aspekte:

  1. Aufgabenangemessenheit: „Ein Dialog ist aufgabenangemessen, wenn er den Benutzer unterstützt, seine Arbeitsaufgabe effektiv und effizient zu erledigen."
  2. Selbstbeschreibungsfähigkeit: „Ein Dialog ist selbstbeschreibungsfähig, wenn jeder einzelne Dialogschritt durch Rückmeldung des Dialogsystems unmittelbar verständlich ist oder dem Benutzer auf Anfrage erklärt wird."
  3. Erwartungskonformität: „Ein Dialog ist erwartungskonform, wenn er konsistent ist und den Merkmalen des Benutzers entspricht, z.B. den Kenntnissen aus dem Arbeitsgebiet, der Ausbildung und der Erfahrung des Benutzers sowie den allgemein anerkannten Konventionen."
  4. Fehlertoleranz: „Ein Dialog ist fehlertolerant, wenn das beabsichtigte Arbeitsergebnis trotz erkennbar fehlerhafter Eingaben entweder mit keinem oder mit minimalem Korrekturaufwand durch den Benutzer erreicht werden kann."
  5. Steuerbarkeit: „Ein Dialog ist steuerbar, wenn der Benutzer in der Lage ist, den Dialogablauf zu starten sowie seine Richtung und Geschwindigkeit zu beeinflussen, bis das Ziel erreicht ist."
  6. Individualisierbarkeit: „Ein Dialog ist individualisierbar, wenn das Dialogsystem Anpassungen an die Erfordernisse der Arbeitsaufgabe, individuelle Vorlieben des Benutzers und Benutzerfähigkeiten zulässt."
  7. Lernförderlichkeit: „Ein Dialog ist lernförderlich, wenn er den Benutzer beim Erlernen des Dialogsystems unterstützt und anleitet." (DIN 2008)

Die folgende Abbildung präsentiert exemplarisch den Entwurf von einigen Funktionalitäten des Sifa-Portfolios. Der vollständige Entwurf des Weiterbildungskonzepts Sifa-Portfolio wird dieser Arbeit in digitaler Form auf einem Datenträger beigefügt. Es handelt sich dabei um einen interaktiven Prototyp, der geeignet ist in der zukünftigen Entwicklungsphase in der Sifa-Community implementiert zu werden.