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Heyse und Erpenbeck teilen das komplexe Kompetenzfeld in vier Kompetenzgruppen: Personale Kompetenzen, Aktivitäts- und Handlungskompetenzen, Fach- und Methodenkompetenzen sowie Sozial-Kommunikative Kompetenzen (Vgl. Heyse (2010), S.81). Personale Kompetenzen beschreiben Fähigkeiten reflexiv selbstorganisiert zu handeln.

Als Beispiel für die personale Kompetenz kann die Gestaltung einer originellen und einzigartigen Bewerbungsmappe eines Berufsanfängers dienen, der auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle ist. Anhand dieses Beispiels wird deutlich, dass die personalen Kompetenzen überwiegend auf die Selbsteinschätzung, Entwicklung von Wertvorstellungen und Deutungen der Wirklichkeit, die der Berufsanfänger wahr nimmt, abzielen. Personale Kompetenz spiegelt ab, inwiefern sich eine Person selbst managen kann.

Fazit: Kompetenzgruppen nach Heyse und Erpenbeck bieten eine gute Ergänzung zu der Systematik von Kompetenzen die von dem Europäischen Parlament vorgestellt wurden. Heyse und Erpenbeck bieten eine fachübergreifende Systematisierung von Kompetenzen.

Aktivitäts- und Handlungskompetenzen betreffen nicht nur die eigene Person, sondern die Interaktionen mit Gruppen und Teams. Die Zusammenarbeit im Team an einem bestimmten Projekt und das Hervorbringen von Ergebnissen innerhalb eines festgelegten Zeitraums, kann an dieser Stelle als ein anschauliches Beispiel für die Handlungskompetenzen dienen. Dieser Kompetenzbereich bildet ab, in wie fern ein Berufsanfänger sich selbst innerhalb eines Teams managen und die Zusammenarbeit koordinieren kann.

Fach- und Methodenkompetenz beschreibt Fähigkeiten mit Hilfe von erlernten Methoden und Fachwissen Probleme zu lösen. Innerhalb dieser Kompetenzgruppe greift ein Berufsanfänger auf einen Pool von erprobten Methoden und Ansätzen. Durch Ingebrauchnahme des Fachwissens können Risiken wirksam gemindert werden. Die Fach- und Methodenkompetenzen sind überwiegend sehr spezifisch und detailliert, sie zielen auf Lösungswege für sehr spezifische Probleme. Ein Berufsanfänger der im Bereich Financial Management tätig ist, kann durch die Verwendung der Kapitalwertmethode seine Fach- und Methodenkompetenz zum Vorschein bringen. Diese Kompetenzgruppe ist weniger auf Personen gerichtet, sie ist eher problemspezifisch.

Sozial-kommunikative Kompetenzen identifizieren Fähigkeiten eines Berufsanfängers mit anderen Mitarbeitern und Externen kooperativ umzugehen. Fokus in dieser Kompetenzgruppe liegt weder auf dem spezifischen Fach, noch auf der Person des Berufsanfängers selbst. Sozialer Umgang mit Mitmenschen und kooperatives Arbeiten sind der Kern dieser Kompetenzgruppe. Als Beispiel kann an dieser Stelle Flexibilität gegenüber anderen Mitarbeitern dienen.

Kritik an Kompetenzgruppen nach Heyse Erpenbeck

Die Kompetenzsystematik von Heyse und Erpenbeck wirken unternehmensorientierter als der Kompetenzenkanon des Europaparlaments. Die Autoren dieser Systematisierung spezialisieren sich auf dem Gebiet von erprobten und praxisorientierten Methoden für Kompetenzentwicklung der Mitarbeiter in kleinen und großen Unternehmen. Eine Kompetenzgruppe, Fach- und Methodenkompetenzen, greifen Kompetenzen die fachspezifisch sind. Diese Kompetenzen werden entwickelt aus dem Wissen, das in den Bildungseinrichtungen vermittelt wurde, sowie aus dem fachspezifischen Wissen, das im Laufe der Karriere erworben wurde. Diese Kompetenzgruppe kann auch als fachgebunden bezeichnet werden

Die drei restlichen Kompetenzgruppen: Personale Kompetenzen, Aktivitäts- und Handlungskompetenzen, sowie Sozial-Kommunikative Kompetenzen, beschäftigen sich mit persönlichen Fähigkeiten. Diese Gruppen können als personengebunden bezeichnet werden. Leider fehlt in dieser Systematik eine ausdrückliche Berücksichtigung der Lernkompetenz. Sie wird zwar vorausgesetzt, um die Kompetenzen in allen vier Gruppen ausbilden zu können, aber sie wird nicht systematisiert.

Das Lernen in den Bildungseinrichtungen, von der Grundschule bis zur Universität wird auf ähnliche Weise behandelt - Lernen wird vorausgesetzt, aber nicht unterrichtet. Deutschlandweit gibt es nur wenige Bildungseinrichtungen, die Didaktik im Sinne von Lernen lernen im umfangreichen Rahmen unterrichten. Diverse private Akademien und Schulungszentren, die sich mit der Materie „Lernen lernen" befassen, bieten kostenpflichtige Seminare an. Man kann das als eine Bestätigung für die Lücke in dem Bereich bezeichnen.

Ein weitere Kritikpunkt der Systematisierung von Kompetenzen nach Heyse und Erpenbeck ergibt sich aus dem vorangegangenem Problem. Das System sieht die Lernkompetenzen nicht explizit vor. Dadurch wird eine höhere Ebene - die der Metakompetenzen vernachlässigt. Eine Kompetenzentwicklungskompetenz, oder Kompetenzentwicklung zweiter Ordnung kann damit kaum verwirklich und in die Praxis eingeführt werden.

3.1.5 Archäologie und Architektur der Kompetenzen: Kompetenzbausteine