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Jeder Eingriff in ein bestehendes System bringt positive (in der Regel beabsichtigte) Veränderungen, sowie einige negative (in der Regel nicht beabsichtigte) Folgen mit sich. Das Konzept des Sifa-Portfolios basiert auf einzelnen Lernartefakten die von Anwendern angelegt werden, sowie aus den Verknüpfungen, die zwischen diesen Artefakten konstruiert werden. Das Konzept sieht zwar eine Exportfunktion vor, jedoch um das Portfolio langfristig zu pflegen ist die Funktionsfähigkeit der Plattform unabdingbar. Aus diesem Grund muss der Betrieb der Sifa-Community sichergestellt werden. Ein Fachexperte der über einen langen Zeitraum ein umfangreiches Portfolio aufgebaut hat, muss darauf vertrauen können, dass die Plattform ihre Funktionsfähigkeit beibehält. Als ein negatives Beispiel kann das LMS von Epsilen dienen.

Fazit: Im diesem Abschnitt des 6. Kapitels werden die Möglichkeiten und Probleme des Weiterbildungskonzepts Sifa-Portfolio beleuchtet. Die Übertragbarkeit auf weitere Berufsfelder spielt eine wichtige Rolle bei einer skalierbaren, arbeitsintegrierten Lernumgebung. Abschließend wird die Anerkennung von informell erworbenen Kompetenzen erortert.

In diesem Fall wurde die komplette Lernumgebung deaktiviert und der einzige Inhalt, der innerhalb der Plattform abrufbar ist, besteht aus einer Meldung, dass die Lernumgebung mit E-Portfolios nicht mehr verfügbar ist, und der Rest der Plattform umgezogen ist:

„Thank you for visiting the Epsilen learning management system (LMS). While Texas Education Agency's contract for use of the Epsilen LMS ended 8/31/2015, the Project Share initiative continues. Online professional development courses and teacher and student resources will be available ort he 2015-2016 school year. For updates and announcements, follow us @projectshareTX." (Epsilen 2016).

Das innerhalb dieser Arbeit entworfene Konzept bedarf der Umsetzung um es anhand von Nutzerpraktiken weiter zu entwickeln. Erst wenn das Sifa-Portfolio verwirklicht wird und Fachkräfte ihre Lernartefakte erstellen und miteinander verknüpfen, wird sich das Potenzial offenbaren. Denn erst während der Anwendung kann beurteilt werden, inwiefern die Plattform zum formalen oder zum informellen Lernen beansprucht wird. Womöglich wird sie, wie in den Interviews artikuliert, überwiegend zum Zweck der Selbstvermarktung und der beruflichen Positionierung genutzt. Die Offenheit des Konzepts ermöglicht die Nutzung um verschiedene Ziele zu verwirklichen und lässt eine Implementierung außerhalb der Berufsgruppe der Fachkräfte für Arbeitssicherheit.

Übertragbarkeit auf weitere Berufsfelder

Das Weiterbildungskonzept wurde im Hinblick auf die Art und das Format der Lernartefakte bewusst offen gestaltet. Die Anwendung innerhalb der Sifa-Community kann als eine Beta- bzw. Testphase erachtet werden. Soll das Konzept von den Fachkräften akzeptiert und intensiv genutzt werden, kann es auch auf andere Berufskontexte (communities of interests) übertragen werden. Es erlaubt eine Anpassung an geänderte Anforderungen, was die Nutzung in abgewandelten Form erlaubt. Die Kernfunktonalität; das Erstellen von Lernartefakten und Konstruktion der personalisierten Verbindungen zwischen diesen, sowie Teilung in private und öffentliche Portfolios, ist berufsfeldübergreifend. Bei einer breiten Akzeptanz würde das Konzept zu dem, von der Europäischen Kommission propagierten Ansatz des „European Curriculum Vitae", dem eEurope Aktionsplan und dem Postulat einen europäischen Raum für lebenslanges Lernen zu schaffen, beitragen (vgl. Europass 2016; Europäische Kommission 2001).

Anerkennung von informell erworbenen Kompetenzen

Um das lebenslange Lernen zu fördern, ist die Anerkennung von Kompetenzen notwendig, die innerhalb von informellen Lernprozessen erworben wurden. Aktuell existieren europaweit mindestens vierzehn verschiedene Verfahren zur Anerkennung von Kompetenzen, die überwiegend formal und non-formal erlernte Kompetenzen adressieren. Zu den Verfahren zählen: 1. Bilan de compétences, 2. CH-Q Kompetenz-Management-Modell, 3. European Business Competence Licence (EBC*L), 4. European Computer Driving Licence (ECDL,), 5. European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS), 6. European Credit System for Vocational Education and Training (ECVET),7. Europass-Portfolio, 8. EVC-Verfahren, 9. IT-Weiterbildungssystem, 10. National Vocational Qualifications (NVQs), 11. ProfilPASS-System, 12. Norwegisches Modell zur Anerkennung von Realkompetanse, 13.Validation des Acquis de l'Expérience (VAE), 14. Youthpas (vgl. Annen 2012, S. 288 - 532).

Aktuell wird innerhalb des DQRs und des EQRs eine Integration von informell erworbener Kompetenzen angestrebt. Das Verfahren wird auf Grund der stark formalisierten Prozeduren zur Implementierung eines integrativen und nationalen Verfahrens zur Anerkennung von Kompetenzen, einer intensiven Weiterentwicklung bedürfen, um informell erworbenes Wissen miteinzubeziehen. Zum teil hängt die Langwierigkeit dieser beiden Verfahren darin, dass sie als ein „Top-Down-Ansätze" konzipiert wurden. Dabei wird erst die Regulierung geschaffen und im Nachgang, die Umsetzung. Eine direktere, weniger formalisierte, weltweite und tätigkeitsbezogene Prozedur verfolgt die Initiative OpenBadges, die von der Mozilla Foundation ins Leben gerufen wurde. Sie repräsentiert den gegensätzliches Verfahren: nämlich ein „Bottom-Up-Ansatz" (vgl. Elsholz/Vogt 2014, S. 180). Weil die Infrastruktur auf der OpenBadges aufbaut, prädestiniert für die Nutzung mit E-Portfolios ist, wurde der Ansatz in das Konzept integriert, was auch den Zuspruch der Sifas während der Evaluation des Konzepts erhielt. Für die Sichtbarmachung von informell erworbenen Kompetenzen erscheinen aufgaben- oder tätigkeitsbezogene Validierungsmaßnahmen geeignet. Das Sifa-Portfolio basiert auf Artefakten des Lernens und kann somit in Kombination mit OpenBadges, einen Beitrag zum lebenslangen Lernen und im Speziellen zur Validierung des informellen Lernens leisten.