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Giffen-Güter gibt es kaum, wieso sollte man sie analysieren?

Giffen-Güter sind eine sehr spezielle Art von Gütern. Im realen Leben da draußen kommen Giffen-Güter so gut wie nie vor. Wieso sollte man sie trotzdem analysieren? Was bringt diese Analyse überhaupt?

Die Volkswirtschaftslehre beschäftigt sich sehr gerne mit der Herleitung theoretischer Konstrukte. In einer VWL Vorlesung beschäftigt man sich daher sehr häufig mit Modellen, die die Realität abbilden, oder mit solchen die es nicht tun. Die zweite Sorte das sind Modelle, die nur rein theoretisch und imaginär existieren. Zu dieser Kategorie gehören auch die Giffen-Güter.

Woher kommt der Begriff, das Wort Giffen Gut?

Erstmal wäre es sinnvoll die Frage zu klären: Woher kommt der Name Giffen-Gut? Das Wort Giffen-Gut wurde von einem schottischen Ökonomen und Statistiker Robert Giffen eingeführt. Robert Giffen hat auf Grundlage von eigenen Beobachtungen ein Paradoxon entdeckt, das später Giffen-Paradoxon bezeichnet wurde. Gegen ende des achtzehnten Jahrhunderts und zur Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts hat Giffen die Haushalte analysiert, relativ wenig finanzielle Mittel zur Verfügung hatten.
Das Beispiel mit dem Brot Das Giffen-Paradoxon besagt folgendes: Wenn eine der grundlegenden Nahrungsmitteln von armen Haushalten das Brot ist und der Preis für das Brot steigt, dann fragen die Haushalte nach der Preiserhöhung noch mehr Brot an, als das noch vor der Preissteigerung der Fall war. Erklärt wird das Paradoxon mit der folgenden Begründung: Die armen Haushalte ernähren sich überwiegend vom Brot und teilweise von anderen, aber teueren Nahrungsmitteln. Steigt der Preis von Brot, so können sich die Haushalte um so weniger von anderen, teueren Nahrungsmitteln leisten und sie investieren noch mehr in Brot als vor der Preiserhöhung. Im Prinzip das Ganze Einkommen wird nach der Preiserhöhung vollständig fürs Brot verwendet. Andere, teuere Nahrungsmitteln werden nicht mehr gekauft. Soviel zum Begriff Giffen-Paradoxon und Giffen-Gut. Da die Bezeichnung von dem Namen des Ökonomen abgeleitet wurde, kann kaum ein anderes Wort (Synonym) dafür gefunden werden. Sinngemäß lässt sich aber ein Giffen-Gut als ein extrem inferiores Gut bezeichnen. Ein Inferiores Gut ist ein Gut, nach dem die Nachfrage sinkt, wenn das Einkommen steigt. Diese Beschreibung ist meiner Meinung nach für „ein Schlecht" zutreffender, nicht für „ein Gut."
Das Beispiel mit den Äpfeln Im Lehrbuch vom Varian wird ein weiteres Beispiel beschrieben. In diesem Beispiel wird eine Familie vorgestellt, die Äpfeln „produziert". Es wird angenommen dass die Familie die Äpfeln überwiegend zum Verkaufen anbietet und sehr wenig davon selbst konsumiert. Nach einer starken Preissteigerung wird dann festgestellt, dass die Familie zu dem Entschluss kommt selbst viel mehr Äpfel zu konsumieren. Begründet wird die Annahme mit dem erhöhten Einkommen, das nach der Preiserhöhung zur Verfügung steht. Dies ermöglicht der Familie mehr selbst zu nutzen und dadurch auch weniger zu verkaufen, weil sie ja jetzt mehr verdienen und nicht mehr gezwungen sind alles zu verkaufen.

Was ist überhaupt ein Giffen-Gut, oder wie wird es definiert?

Bei dieser Art der Güter steigt die Nachfrage mit zunehmendem Preis. Daraus ergibt sich, dass die Nachfrage nach einem Giffen-Gut sinkt, wenn der Preis des Gutes zurückgeht. Im Prinzip sind Giffen-Güter genau der umgekehrte Fall der normalen Güter. Bei Normalen Gütern sind die Nachfrage mit steigendem Preis. Die Erklärung dafür ist recht simpel: je mehr ein Gut kostet, desto weniger ist man bereit dafür zu zahlen und je günstiger es ist, desto eher lohnt sich der Kauf.
Bei Giffen-Gütern verhält sich die Nachfrage umgekehrt. Steigt der Preis, so steigt die Nachfrage nach diesem Gut. Sinkt der Preis, dann sinkt auch die Nachfrage. (In der zweiten hier beschriebenen Ausprägung sind Giffen-Güter gleich den Luxus-Gütern. Die Nachfragekurve hat in diesen Fällen einen steigenden anstatt sinkendem Verlauf.

Wieso sollte man die Giffen-Güter überhaupt analysieren?

Weil man sich auch Situationen vorstellen kann, die gar nicht so lebensfremd oder realitätsfremd sind, die aber auch den Giffen-Gütern ähneln. In manchen Büchern (beispielsweise beim Hal R. Varian Grundzüge der Mikroökonomik) wird Giffen-Gut als ein Gut mit perverser Preiswirkung beschrieben. Ich glaube unter perverser Preiswirkung meint der Varian eine Wirkung, die man sich mit einem gesunden Menschenverstand kaum vorstellen kann, bzw. diese begründen kann.
In den VWL Büchern wird häufig das Beispiel für Güter genannt, die entweder überflüssig sind, so dass man sie nicht wirklich braucht. Beispiele: Das Einkommen steigt dermaßen hoch, dass es sich nicht mehr lohnt noch mehr zu verdienen. Man verdient eine Million Euro pro Stunde und dann steigt das Einkommen auf 1,5 Millionen Euro pro Stunde. Die Güter sind problematisch zum Beispiel zu entsorgen. Eine Fabrik stellt Produkte her. Beim Produktionsprozess entstehen zwangsläufig schädliche Stoffe die gelagert und entsorgt werden müssen. In diesem Fall auch beim Sinkenden Preis werden die Recycling Unternehmen weniger und nicht mehr nachfragen. (Meine Frage an dieser Stelle wäre dann: sind das auch Giffen-Güter? Oder anstatt ein Gut sollte man in diesem Fall das Wort: „ein Schlecht" verwenden?
Die oben beschriebenen Gründe zeigen, dass die Untersuchung und Analyse von Giffen-Güter doch in manchen Fällen sinnvoll erscheinen kann, obwohl sie nur theoretisch bleibt.

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