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Gehirn & Psychologie
23. August 2010 Aktualisiert am 25. Juni 2026

Linkshänder sind im Alltag mehr Schwierigkeiten ausgesetzt, als man denkt

Linkshänder leiden auf Grund von Stereotypen wie: Schreiben mit der "richtigen Hand" oder mit der "nicht richtigen Hand". Es gibt weder die richtige Hand noch die nicht richtige Hand.

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Linkshänder leiden auf Grund von Stereotypen wie: Schreiben mit der "richtigen Hand" oder mit der "nicht richtigen Hand". Es gibt weder die richtige Hand noch die nicht richtige Hand.

Wieso Linkshänder im Alltag mehr Schwierigkeiten bewältigen müssen als die Rechtshänder? Hat die Rückschulung und das Umlernen überhaupt einen Sinn?
Bekannte Persönlichkeiten wie US-Präsident Barack Obama, Wolfgang Amadeus Mozart und Albert Einstein haben etwas gemeinsam: sie sind bzw. waren Linkshänder. Wobei die Vorurteile über Linkshänder, die es zu Lebzeiten von Mozart und Einstein gab, heute glücklicherweise nicht mehr von Bedeutung sind. Trotzdem sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass es auch heute noch erhöhten Aufholbedarf in der Thematisierung und Aufklärung dieses Anliegens gibt.

Bei Kindern ist schon mit dem Eintritt in den Kindergarten sichtbar, ob sie Rechts- oder Linkshänder sind, denn mit bereits drei Jahren ist die Tendenz festgelegt. Zu kritisieren ist deshalb hierbei, dass die Erzieherinnen im Kindergarten das oft nicht richtig erkennen. Aus diesem Grund ist eine besondere Ausbildung bezüglich dieser Thematik von Seiten der Kindergartenpädagogen zu fordern. Zumal schon im frühen Alter die Weichen für das zukünftige Leben gelegt werden. Ist ein Kind zum Rechtshänder erzogen worden, so ist es mit jedem Jahr schwieriger, ihn wieder zum Linkshänder zu erziehen, wenn er eigentlich als Linkshänder veranlagt war. Es wird vermutet, dass ungefähr 15 Prozent der Menschen Linkshänder sind, aber deutlich mehr Menschen die Anlagen dazu haben.


Mit der Schulzeit fangen spätestens die ersten Schreibversuche an. Wenn zu dieser Zeit bei den Kindern die natürliche Veranlagung noch nicht klar ist, wird immer zu der rechten Hand tendiert. Dass die Kinder aber zwanghaft umgestellt werden, ist erfreulicherweise nicht mehr der Fall. Wenn man sich nun die Frage stellt, was bei der Umstellung zu Rechtshändern so schlimm ist, kann nur darauf hingewiesen werden, dass die Nutzung der „falschen" Hand zu erheblichen Konsequenzen führen kann, wie zum Beispiel der negative Einfluss auf Feinmotorik, Konzentration und Gedächtnis.


Die Rückschulung von Rechtshändern, die eigentlich Linkshänder sind ist ein aufwendiger und langwieriger Prozess. Zunächst werden Beweglichkeitsübungen für die Hand und die Finger gemacht. Die wichtigste Tätigkeit – das Schreiben wird nur langsam angestrebt. Zwei Jahre kann die Umschulung bei einem durchschnittlichen Erwachsenen dauern, wobei die wichtigste Voraussetzung der wirkliche Wille dazu ist.


Die Linkshändigkeit ist vererbt und bringt einige Schwierigkeiten im Alltag mit sich. Linkshänder haben bis auf ein paar Ausnahmen, wie Scheren und Dosenöffnern immer mit Produkten umzugehen, die eigentlich für Rechtshänder konzipiert sind. Aus diesem Grund sind Linkshänder auch mehr gefährdet sich zu verletzten, weshalb sie oft als ungeschickt vermutet werden.


Wenn man sich so Gedanken darüber macht, fallen einem schon wichtige Dinge ein, mit denen es Linkshänder wirklich schwer haben. So zum Beispiel das Auto, das den Schalthebel und die Handbremse auf der rechten Seite hat. Der Schalthebel ist vielleicht nicht das größere Übel, aber bei älteren Autos kann dem Fahrer möglicherweise die Kraft im rechten Arm fehlen, die Handbremse ganz fest zu ziehen. Der Arm den man am meisten benutzt ist eben am stärksten.


Gerade zu ideal wäre es, wenn man beide Hände gleichwertig benutzen könnte. Es heißt außerdem, dass diejenigen beide Gehirnhälften nutzen können und es somit beim Lernen einfacher haben. Mit Übung kann man sich zum Beispiel aneignen mit rechts sowie mit links zu schreiben, das Einzige was zählt ist, dass man es wirklich möchte.


Ein paar Fakten zur Linkshändigkeit

Das Anliegen ist sympathisch: Linkshändigkeit ist eine normale Variante, kein Makel, und Kinder zwanghaft umzugewöhnen schadet mehr, als es nützt. Zwei Dinge sollte man aber richtigstellen. Die oft genannte Promiliste hinkt: Barack Obama ist tatsächlich Linkshänder, Albert Einstein dagegen war Rechtshänder (eine populäre Verwechslung), und bei Mozart ist es historisch ungesichert. Und der Anteil der Linkshänder liegt eher bei rund 10 Prozent.

Auch der Gedanke, Beidhändigkeit lasse einen „mit beiden Gehirnhälften" leichter lernen, ist mehr Mythos als Mechanik. Was aber stimmt und ermutigt: Geschicklichkeit ist trainierbar – mit etwas Übung kann man durchaus lernen, auch die andere Hand sicher einzusetzen.