Lernen und Gehirn

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Wie viele Entscheidungen treffen wir pro Tag, welche sind besser: Kopf- oder Bauchentscheidungen?

Von am 3.05.12 19:33, Aktualisiert am 30.05.12 1:58 | 7 Kommentare |

Habt Ihr Euch schon mal gefragt: wie viele einzelne Entscheidungen pro Tag getroffen werden? Es ist ziemlich erstaunlich aber eine ganz ganz große Menge. In der letzten Aprilwoche war bei meinem Lieblingsradiosender Einslive das Stichwort Entscheidungen, das Thema des Tages. Laut Verhaltensforschern treffen wir im Schnitt ca. 20.000 (zwanzig Tausend !!!) Entscheidungen pro TAG! Natürlich geht es nicht dabei um die großen und wichtigen Entscheidungen wie beispielsweise Wahr einer Universität, deines Berufsweges oder einer neuen Fremdsprache die man beherrschen möchte. Diese Entscheidungen sin zwar auch dabei, aber bei der Zahl 20.000 Entscheidungen pro Tag handelt es sich eher um sämtliche, auch die kleinsten Entscheidungen die man am Tag so trifft.

Fazit: Jeden Tag trifft jeder Mensch unglaublich viele Entscheidungen (20.000). Manche setzen auf genaue Analyse, vorausschauendes Denken und Planen. Andere auf Bauchgefühl, Herz und Intuition. Welche Entscheidungen sind aber besser? Gibt es die OPTIMALE Entscheidung?

Nein! DIE OPTIMALE Entscheidung gibt es nicht ,weil jede Entscheidung Kontex- und Situationsabhängig ist. Aber es gibt etwas anderes was die Entscheidungsfindung betrifft, und das sollte man wissen.

Es fängt schon beim Aufwachen an: stehe ich jetzt auf, oder in 5 Minuten oder vielleicht überhaupt nicht. Frühstücke jetzt, zu Hause oder unterwegs, oder vielleicht gar nicht. Ziehe ich dies oder jenes an, und so weiter. Die tägliche Entscheidung-Kette begleitet uns den ganzen Tag lang. Anders ausgedrückt wir tun den ganzen Tag nichts anderes als nur eines: ENTSCHEIDEN! Damit ist jeder Mensch ein Entscheider in seiner eigenen Sache.

Die Moderatorin von Einslive ist auf die Idee gekommen einen Tag lang sämtliche Entscheidungen mit Hilfe von einem Münzwurf zu treffen. Schnell war dann klar, dass das kaum möglich ist denn bei im Schnitt 20.000 Entscheidungen wird kaum Zeit übrig bleiben um das zu Verwirklichen, was man gerade mit einem Münzwurf entschieden hat.
Als Fazit wurde festgestellt, dass die Zuhilfenahme von Münzen beim entscheiden weder keine Nachteile noch keine Vorteile beschert - im Bezug auf das Entscheiden selbst. Das Größte Problem ist der zeitliche Aufwand den man beim jeden einzelnen Münzwurf betreibt.


Bewusste und unbewusste Entscheidungen (Kopfentscheidungen und Bauchentscheidungen)

Bewusste Entscheidungen
Diese tägliche Fülle von Entscheidungen kann in zwei Typen unterteilt werden.
Zum einen handelt es sich um bewusst getroffene Entscheidungen. Dieser Typ der Entscheidungen wird als durchdachte, bewusste, überlegte und ausgewogene Entschlüsse bezeichnet - eben Entscheidungen die mit dem Kopf getroffen wurden - also Kopfentscheidungen.

Unbewusste Entscheidungen
Zum anderen kann man auch zwischen den unbewussten Entscheidungen differenzieren. Darunter sind Entscheidungen zu verstehen, die nicht durchdacht, nicht penibel abgewogen und bewusst getroffen wurden, sondern eher emotional entschiednen wurden. Sie haben das Prädikat Bauchentscheidungen verdient, weil man von einem guten oder schlechten Bachgefühl spricht, wenn ein solche Entschluss getroffen wird.

Aus neurobiologischer Sicht hat man bei unbewussten, also bei Bauchentscheidungen, mit einer komplexen Körperreaktion zu tun. Das System der Netzwerke, die für unbewusste Entscheidungen im Gehirn verantwortlich sind, funktionieren um ein vielfaches schneller als die bewusste Denkvorgänge im präfrontalen Cortex. Solche Entscheide sind dann auch sehr häufig richtig und vorteilhaft. Denn das Gehirn hat die möglichen Alternativen abgewogen und sich für die beste Entschieden, noch lange bevor das einem bewusst wurde.
Manche Forscher meinen sogar, dass wir überhaupt nicht in der Lage sind bewusst zu entscheiden. Denn das was wir bewusst entscheiden wollen, wird einige Sekunden früher von dem unbewussten beschlossen. Dieses Thema ist aber dermaßen umfangreich, dass es einen anderen Blogeintrag verdient. Ich entscheide mich noch mehr darüber zu schreiben :)

Der Entscheidungszwang des Menschen basiert auf der komplexen Umgebung in der man lebt. Wir leben zwischen unzähligen Gegenständen, befolgen eine Menge von Regeln und Handeln nach bestimmten Prinzipien. Diese Diversifizierung und die Vielfalt der Möglichkeiten bedarf Entscheidungen.

Welche Entscheidungen sind besser? Bauch- oder Kopfentscheidungen?

Ob Bauchentscheidungen oder Kopfentscheidungen vorteilhafter sind, lässt sich überhaupt nicht festlegen. Denn das hängt von den Personen selbst, die entscheiden müssen, von den Entscheidungen und auch von dem Kontext in dem man agiert. Es gibt genau so viele Menschen die ausschließlich reifliche Kopfentscheidungen treffen, wie die, die ihre Entschlüsse durch Bauchentscheidungen bestimmen lassen. Und es gibt auch unzählige Charaktertypen, die als Mischtypen einmal so einmal anders entscheiden, oder aber Situationsabhängig Entschlüsse treffen.


Am schlimmsten ist es nicht zu entscheiden


Man kann nicht eindeutig sagen, dass bewusste Kopfentscheidungen oder unüberlegte Bauchentscheidungen besser wären. Was aber für jeden Menschen gilt ist: am schlimmsten ist es, wenn man nicht entscheidet. Das an einer Stelle Verharren und nicht Weiterkommen verursacht mehr Probleme, als eine schlechte Entscheidung. Im Prinzip heißt das: man soll immer irgendeine Entscheidung fallen. Ob in die eine oder die andere Richtung das ist dann besser als nicht zu entscheiden.

Was beeinflusst die Entscheidungen und die Entscheidungsfähigkeit

Unser Urteilsvermögen, die Entscheidungsfähigkeit wird jeden Tag von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Das Wetter, die Jahreszeit, die Temperatur, die geistige Auffassung, der Beziehungsstatus gehören nur zu den wenigen Faktoren, die die Entscheidungsfähigkeit beeinflussen.

Das Wetter
Die Verhaltensforscher meinen, dass die besten Entscheidungen bei Nieselregen getroffen werden. Sie begründen das mit folgender Aussage: Bei sonnigem Wetter handeln wir zu optimistisch und verschätzen uns dabei sehr häufig. Wir agieren risikofreudiger. Bei sehr schlechtem Wetter, großer Kälte oder einem Unwetter, sind wir wiederum zu vorsichtig und Risikoscheu. Daher die beste Wetterlage für die für uns guten Entscheidungen und Entschlüsse ist Nieselregen. Dann sind wir in einem ausgewogenem Zustand. Weder zu euphorisch um mit großer Risikofreude zu handeln, noch zu depressiv um eine unpassende Entscheidung zu fällen.


Beziehungsstatus
Auch der Beziehungsstatus, ob jemand Single oder mit einem Partner lebt, hat einen großen Einfluss auf die eigenen Entschlüsse. Menschen die in einer festen Beziehung leben, ziehen vollkommen andere Faktoren in eine Entscheidung mit ein, als die Menschen die als Single leben.

Entscheidungen und Hunger

Hunger beeinflusst unsere Fähigkeit gute Entscheidungen zu treffen ziemlich stark
Kaum zu glauben, aber das Essen beeinflusst unsere Entscheidungsfähigkeit. Vor allem wenn wir hungrig entscheiden müssen - sind die Chancen für einen guten Beschluss eher gering. Wer nach einer Malzeit keinen Hunger mehr verspürt ist eher in der Lage gute Entscheidungen zu treffen. Wieso ist das so?

Wie die Entscheidungen bewertet werden, also ob sie als gut oder als schlecht eingestuft werden, hängt von dem Blutzuckerspiegel ab. Wenn man hungrig ist und der Blutzuckerspiegel niedrig ist, werden Entscheidungen getroffen, die auf einen kurzfristigen Erfolg oder unmittelbare Belohnung abzielen. Hunger steuert unser Unbewusstes in Richtung schneller und leicht zugänglicher Befriedigung. In diesem Fall handelt es sich bei der Befriedigung um die Beseitigung des aktuellen Zustandes. Der Hunger soll gestillt werden und es muss möglichst schnell eine Lösung her.

Wer dagegen über einen hohen Blutzuckerspiegel verfügt, wer also keinen Hunger verspürt, trifft Entscheidungen die auf langfristige Folgen abzielen. Ein Mensch der sich satt gegessen hat, wird vom Hunger nicht „gesteuert" und kann sich die Zeit nehmen auf eine gründliche Analyse der möglichen Alternativen und auf eine vorausschauende Planung.

Unser Körper wird vom Gehirn gesteuert. Wir wissen unbewusst, wann die Energiereserven ausgehen, für wie lange sie noch reichen und wann spätestens sollten sie aufgefrischt werden. Wenn wir einen extremen Hunger verspüren können wir kaum noch bei den Entscheidungen denken. Denn das Denken und Analysieren von Alternativen, Abwegen von Möglichkeiten und das Vorausschauen der Konsequenzen unserer Entscheidungen ist ein enegriehungriger Prozess. Diese ressourcenbasierte Berechnung erfolgt unbewusst. Dadurch wird uns die Kontrolle bei den Entscheidungen im hungrigen Zustand in gewisser Weise entzogen.

Entscheidungen und eigenverantwortliches Handeln

Jeder erwachsener Mensch handelt eigenverantwortlich. Allerdings der überwiegende Anteil der 20.000 Entscheidungen die wir am Tag treffen, wird von unbewussten Prozessen gesteuert. Routinen und Rituale helfen bisschen dabei, eine gewisse Struktur einzubauen und sind dadurch eine automatische Entscheidungshilfe. Sehr häufig essen wir eine Zeitlang immer dasselbe zum Frühstück, weil unser Gehirn am frühen morgen, noch bevor wir richtig wach werden, eine Entlastung bei Entscheidungen braucht. Erst nach dem Frühstück sind wir in der Lage bessere Entscheidungen zu treffen, denn dann ist das Gehirn hellwach und ihm steht die meiste Kapazität zur Verfügung.


Wenn die deutliche Mehrheit der 20.000 täglichen Urteile die wir treffen unbewusst bestimmt werden, kann man kaum von eigenverantwortlichem Handeln sprechen. Im Prinzip übernehmen wir die Verantwortung für die Entscheidungen unseres Unbewussten.

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7 Kommentare

Entscheidungen können nie "richtig" oder "falsch" sein. Wenn ich heute eine Entscheidung treffe, dann kann ich nur sagen, dass sie richtig war, wenn ich ganz genau weiß zu was mich diese Entscheidung führen wird und zu was mich die andere Entscheidung geführt hätte. Da ich jedoch nur eine Entscheidung treffen kann, kann ich unmöglich wissen was passiert wäre wenn ich mich anders entschieden hätte. Somit kann ich nicht wissen ob die andere Entscheidung besser oder schlechter gewesen wäre. Zwar kann ich abwägen, welche Faktoren für das eine und welche für das andere sprechen. Doch welcher Faktor wird wie stark gewichtet? Welche Faktoren habe ich womöglich übersehen? Und welche kann ich noch gar nicht sehen? Worauf lege ich mehr wert und worauf sollte ich mehr wert legen?
Viel wichtiger ist doch, dass ich eine Entscheidung treffe und danach nicht mehr darüber nachdenke was wäre wenn ich mich anders entschieden hätte. Außerdem hat jede Entscheidung gute und schlechte Seiten.”

Auch wenn das oft schief läuft, ich bin absoluter Bauch Mensch.. Die Verbindung zum Herzen ist da einfach stärker. Ich muss hinter meinen Entscheidungen stehen können. Wenn ich da immer auf meinen Verstand hören würde, dann hätte ich wahrscheinlich ein komplett anderes Leben, hätte in Sachen Liebe anders entschieden, würde während der Ausbildung bei meinen Eltern wohnen, weils günstiger ist, dementsprechend auch beruflich andere Wege eingeschlagen und einfach einen anderen Lebensstil. Jetzt bin ich glücklich. Ob das auch so wäre, oder sogar besser wenn ich auf meinen Kopf gehört hätte, das werde ich wohl nie erfahren. Sicher ist aber dass ich meinen Weg zur Entscheidungsfindung wohl in nächster Zeit nicht ändern werde

Mich könnte man wirklich als "entscheidungsunfähig" beschreiben. Ich denke über jede Kleinigkeit nach und kaue sämtliche Konsequenzen meiner Entscheidung immer wieder gedanklich durch. Dadurch kommt es manchmal auch vor, dass ich Entscheidungen einfach vor mich hinschiebe. Leider. Das nervt mich dann aber irgendwann so, dass ich mich einfach für irgendeine Möglichkeit entscheide.
Bei kleineren Entscheidungen, wie zB im Restaurant - wenn man entscheiden muss was man isst - lass ich gerne auch mal andere für mich wählen oder nehme einfach das Erstbeste.
Ich beneide echt Menschen, die sich spontan entscheiden können.

Viele Neurologen verfolgen die Idee, dass bewusste Entscheidungen nur eine Illusion sind. Experimente zeigen - so fern man ihnen glauben kann - dass Entscheidungen Millisekunden zuvor "unbewusst" getroffen und an unseren Verstand weitergetragen werden. Unser Bewusstsein rechtfertigt die Entscheidungen meist nur noch oder legt eine Art Veto ein, dass ist in etwa das was wir als dieses Zögern kennen. Nur sehr selten lassen wir uns davon aber dann wirklich tangieren, weil wir uns letztendlich doch wieder so entscheiden, wenn keine neuen äußeren Reize aufgenommen werden.

Danach sollte man wohl alle kleinen Entscheidungen (wie die Kekse) aus dem Bauch treffen und wichtige Entscheidungen am besten mit Freunden oder Kollegen diskutieren.

Ich denke, der Großteil der Männer sind Kopfmenschen und der Großteil der Frauen sind Herzmenschen, das ist jedoch nur in's Blaue geraten. Ich habe über die Zeit gelernt, Herzmenschen 'nachvollziehen' zu können, mich in sie einzufühlen. Für Herzmenschen ist es manchmal nicht nachvollziehbar, wie man so 'berechnend' oder 'abgeklärt' sein kann und es einem Kopfmensch so schwer fällt, Dinge dem Zufall zu überlassen oder sich völlig fallen zu lassen.

Ich habe mir angewöhnt die allermeisten Entscheidungen aus dem Bauch heraus zu treffen, denn das erste Gefühl ist meistens das Beste/Richtige. Zudem ist es oftmals so, dass wenn ich länger über eine Entscheidungsmöglichkeit nachdenke, mir soooo viele negative Dinge einfallen, die passieren KÖNNTEN, dass ich es dann lasse und was schönes verpasse oder mir eine Chance entgehen lasse. Beispielsweise wurde ich vor kurzem gefragt, ob ich nicht Lust hätte auf einer größeren Veranstaltung Texte zu lesen, die ich selbst verfasst habe. Mein Bauchgefühl hat gesagt: Ja, mach das! Und nun mache ich es auch. Wenn ich aber nun nochmal gründlich drüber nachdenken und dann erst entscheiden würde, würden mir allerhand Dinge einfallen, die dagegen sprechen (ich könnte heiser sein, ich könnte einen Hustenanfall bekommen, ich könnte stottern, ich könnte zu aufgeregt sein, ich könnte mich verhaspelt usw.). Aber wenn ich es nicht mache, dann kann ich es nicht ausprobieren und ggf. kein Erfolgserlebnis haben

Es kommt nicht darauf an, unbedingt die richtige Entscheidung zu treffen, sondern darauf, zu der Entscheidung zu stehen, die ich getroffen habe und nicht direkt diese Entscheidung in Frage zu stellen.
Wichtig finde ich, diese Entscheidung aus dem Bauch zu treffen, Abstand zu nehmen und zu fragen: "Wobei fühle ich mich besser?" Dann wird diese Entscheidung automatisch die richtige.
Das klappt eigentlich immer: "Wahl des Arbeitsplatzes", "Kumpels oder Freundin?", "Pizza oder Pommes?"
Wichtig ist allein zu der Entscheidung zu stehen, dann wird man auch nicht enttäuscht oder enttäuscht andere!

Einfach mal den Bauch fragen...und dann zu der Entscheidung zu stehen!

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