Anforderungen an E-Portfolios im unternehmerischen Kontext

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Dank der Modularität und dem flexiblen Funktionsumfang der E-Portfolios findet diese Bildungsapplikation ihren Einsatz in Unternehmen unabhängig von der Branche. Mit E-Portfolios lassen sich individuelle persönliche Lernubgebungen gestalten, die den individuellen Anforderungen der Nutzer gerecht werden.

E-Portfolios finden aktuell im begrenzten Maße ihren Einsatz in Unternehmen. Zum Teil kann der Grund für die geringe Verbreitung im betrieblichen Kontext darin gesehen werden, dass diese Lernform aus dem künstlerischen bzw. aus dem schulischen Bereich stammt. Hinzu kommt, dass seit der industriellen Revolution, das Lernen im Betrieb zu Beginn der Tätigkeit stattgefunden hat, da die Hauptaufgabe der Mitarbeiter nicht eine kontinuierliche Unternehmensentwicklung gewidmet war, sondern in der Ausführung von wenig komplexen repetitiven Vorgängen lang. Erst im digitalen Zeitalter wurden die Mitarbeiter in aktive Mitgestaltung und Entwicklung des Unternehmens eingebunden, was kontinuierliches Lernen erfordert.

Erpenbeck und Sauter differenzieren die betriebliche Bildung in folgende Bereiche: Wissensaufbau, Qualifizierung, Kompetenzmessung und -entwicklung, Messung des Lernerfolges, Organisation und Steuerung der Prozesse, Flankierung der Lernprozesse, Lernbegleiter und Lerninfrastruktur (vgl. Erpenbeck/Sauter 2014, S. 32 - 38). Innerhalb dieser Systematisierung schlagen die beiden Autoren vor, e-Portfolios als berufsbegleitende Lernumgebung, sowohl in naher Zukunft als auch in ferner Zukunft zu implementieren, wobei die langfristige Betrachtung als „Lernen 2025" tituliert wird, und die Methode bis hin zu einem „Intelligenten Portfolio - Triale Kompetenzentwicklung mit Human Computer" zu entwickeln (ebd. S.38). Unter dem Begriff der trialen Kompetenzentwicklung ist Lernen gemeint, die teils mit Hilfe von Computersystemen und teils mit Menschen als Lernpartner erfolgt. Das Lernen soll in Kompetenz resultieren und nicht, wie das heutzutage noch der Fall ist, im Lernern auf Vorrat oder außerhalb des Betriebskontextes.

Cross bezeichnet diese Trendentwicklung als „Terra Nova". Dabei erfolgt das Lernen zu 70% beim sogenannten Workspace Learning, wo im Prozess der Arbeit durch Erfahrungen, kollaboratives Arbeiten und Projektlernen neues Wissen angeeignet wird. Die restlichen 30 % werden auf sog. Social Learning (20%) - also lernen innerhalb der Community of Practice, Co-Coaching oder Mentoring und Fremdgesteuertes Lernen (10%) - also Lernen innerhalb der Seminare, Veranstaltungen, Schulungen etc. aufgeteilt. Das Lernen wird somit nicht mehr vom Betriebskontext entkoppelt, sondern findet überwiegend innerhalb des unternehmerischen Bezugsrahmens statt (vgl. Cross 2010, S. 42; Erpenbeck/ Sauter 2014, S.15).

Welche Effekte bringen außerbetriebliche, formale Lernarrangements wie Schulungen, beschreibt Kirkpatrick anhand von Ergebnissen der Studien von Brinkerhoff und Bersin, die 2008 durchgeführt wurden. Es stellt sich heraus, dass die Mitarbeiter entweder keine Einsatzmöglichkeit für das neuerworbene Wissen haben, oder aber, dass wenn sie das Neuerlernte anwenden, die meiste Lernzeit nicht mit der Fortbildungsmaßnahme korrespondiert. Die Studie von Brinkerhoff zeigt, dass 15% der Angestellten konnten das neuerworbene Wissen im Arbeitskontext nicht einsetzen, 70% haben das Neuerlernte in einem Test evaluiert, sind aber durchgefallen, nur die restlichen 15% konnten den Test erfolgreich bestehen. Auch die Studie von Bersin enthüllt den Trend, bei dem informelle Lernprozesse weitaus größere Rolle bei der Fortbildung der Mitarbeiter spielen, als formale Lernkontexte. Die Probanden der Studie gaben an, den Lernaufwand von 20 % auf vorbereitende Maßnahmen auf die formale Schulung investiert zu haben, 70% auf „on-the-job" Training. Nur 10% des Lernens erfolgte während der Fortbildung (vgl. Kirkpatrick/Kirkpatrick 2010, S. 8).

Aus diesen beiden Untersuchungen kann hergeleitet werden, dass die außerbetrieblichen Lernarrangements zwar Wissen vermitteln, aber nicht dieses Wissen, welches im individuellen unternehmerischen Kontext angewendet werden kann. Der Hauptgrund für diese Diskrepanz kann in dem Lernszenario selbst verborgen sein. Eine Schulung wird von einem Dozenten im Frontalunterricht an mehrere zum Teil unterschiedlichen Abteilungen angehörende Mitarbeiter abgehalten. Der Unterricht erfolgt somit standardisiert. Die Mitarbeiter dagegen bringen zur Schulung diversifizierte und nicht standardisierte Anforderungen. Jeder Mitarbeiter ist im unterschiedlichem Setting tätig, daher findet das neuerworbene Wissen nicht immer einen Einsatzkontext.

Um das neuerworbene Wissen zu konsolidieren, müsste ein Anwendungsfall unmittelbar nach der Schulung, bzw. spätestens innerhalb von wenigen Tagen eintreten. Ist das nicht der Fall, wird das Neuerlernte vergessen. (Stangl 2016) Nach 48 Stunden ohne Wiederholung bzw. ohne Anwendung des Neuerlernten im betrieblichen Kontext bleiben nur noch 20% der Informationen verfügbar. Somit ist es notwendig, dass Informationen die innerhalb einer Fortbildungsmaßnahme übermittelt wurden, unmittelbar in den Arbeitsalltag integriert werden. Durch die Verlagerung der Lernprozesse direkt in die Arbeitsumgebung kann das Neuerlernte zeitnah angewendet werden und somit dem Vergessen vorbeugen. Ein Vorgehen das die oben beschriebenen Anforderungen erfüllt, repräsentiert der PLE Ansatz.

Das Akronym PLE wurde gebildet aus Personal Learning Environment. PLEs können von Lernern selbst bestimmt werden, es kann sich dabei sowohl um eine Applikation als auch um ein Setting oder ein Arrangement handeln, in dem die lernende Person ihre Kompetenzentwicklung dokumentiert. Teil einer persönlichen Lernumgebung können E-Portfolios bilden. Auf dem Weg zur Nutzung von E-Portfolios im unternehmerischen Kontext, existiert eine Implementierung von E-Portfolios auf der Übergangsstufe zwischen der Universität und dem Berufseinstieg. Bevor die E-Portfolios im unternehmerischen Kontext näher vorgestellt werden, wird ILIAS präsentiert; eine Applikation die ihren Einsatz auf der Schwelle zwischen der universitären und der beruflichen Weiterbildung findet.

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Autor: Krzysztof