Corporate E-Portfolios

Veröffentlicht am: in der Kategorie: HCI

Eine umfangreiche Vorstellung von Corporate E-Portfolios - also Portfolios im unternehmerischen Einsatz.

Im Folgenden werden Softwarelösungen vorgestellt die als E-Portfolio-Software in Frage kommen. Wie im Kapitel 3.1 angemerkt, werden E-Portfolios in unterschiedlichsten Kontexten eingesetzt, von künstlerischen, schulischen, universitären bis hin zu betrieblichen. Daraus resultieren unterschiedliche Anforderungen, die innerhalb einer Softwarelösung als „Die" E-Portfolio Applikation für alle Nutzungskontexte, nur schwer umsetzbar sind. Aus diesem Grund werden im weiteren Verlauf die Applikationen vorgestellt, die ursprünglich als E-Portfolio-Software konzipiert wurden, wie auch die, die als Content Management Systeme dienen und aus diesem Grund potentiell als E-Portfolio-Software einsetzbar sind.

Himpsel und Baumgartner haben eine Evaluation der E-Portfolio Instrumenten durchgeführt. Innerhalb dieser Analyse wurden 12 Softwarelösungen vorgestellt und im Hinblick auf ihre Eigenschaften als E-Portfolios komparativ evaluiert (vgl. Himpsl 2009, S. 16-22). Zu den Applikationen zählten: Drupal ED, Elgg, Epsilen, Exabis, Factline, Fronter, Mahara, Movable Type, PebblePad, Sakai, Taskstream und Wordpress. Als Bewertungskriterien der Applikationen wurden 5 Metakategorien ermittelt, wobei die ersten drei einen didaktischen Charakter aufweisen und die restlichen zwei auf die Gebrauchstauglichkeit ausgerichtet sind.

Zu den didaktisch konnotierten Kategorien gehören:

  1. Sammeln, Organisieren, Selektieren.
  1. Reflektieren, Prüfen, Nachweisen, Planen.
  2. Darstellen und Publizieren.

Kategorien die auf Untersuchung der Gebrauchstauglichkeit ausgerichtet sind, gehören:

  1. Serverseitige Administration
  2. Clientseitge Usability

Im Folgenden werden E-Portfolio Anwendungen vorgestellt, die innerhalb der Evaluation von Himpsel und Baumgartner am Häufigsten die Prädikate Empfehlenswert und sehr Empfehlenswert erhielten. Dazu gehören Mahara, PebblePad, Taskstream, Movable Type, Wordpress und Drupal ED.

Mahara

Mahara ist eine seit 2006 als Open Source entwickelte E-Portfolio-Software. Sie ist als eine kollaborative Initiative des New Zealand's Tertiary Education Commission's e-learning Collaborative Development Fund (später des neuseeländischen Bildungsministeriums), der Massey University, der Auckland University of Technology, der Open Polytechnic of New Zealand und der Victoria University of Wellington entstanden (vgl. Mahara 2016). Das Programm wird kontinuierlich weiterentwickelt. Neue Versionen werden im 6-monatigen Rhythmus herausgebracht. Die aktuelle Versionsnummer lautet 15.10.1.

Mahara bietet die Möglichkeit, (PLE) persönliche Lernumgebungen mit E-Portfolio Funktionalitäten zu gestalten, ergänzt um Community Features. Ein Nutzer kann sein eigenes Profil anlegen, innerhalb dessen die Basisinformationen über den Autor des E-Portfolios, seine Biographie, seine Ziele und seine Kompetenzen festgehalten werden. Ein Portfolio besteht aus Ansichten, Daten - bzw. Artefakten die hochgeladen werden und dem Lerntagebuch bzw. Blog. Aus Portfolioinhalten kann ein Résumé erzeugt werden, das eine Auflistung von persönlichen Informationen, dem Bildungsverlauf, Zertifikaten und Auszeichnungen, persönlichen, akademischen und fachlichen Kompetenzen beherbergt. Abgeschlossen wird das Portfolio durch eine Liste von persönlichen, akademischen und fachlichen Zielen des Portfolioinhabers.

Mahara verfügt über eine Schnittstelle mit Moodle bei der ein Mahara und ein Moodle Zugang verknüpft werden können, wodurch mit dem gleichen Zugang, eine parallele Nutzung von beiden Plattformen möglich ist.

Die E-Portfolio-Software verfügt über ein umfassendes Zugriffsmanagement. Der Nutzer kann selbst entscheiden ob und welche Inhalte seines Portfolios der Öffentlichkeit, den Gruppen innerhalb von Mahara oder ausgewählten Personen angezeigt werden sollen. Mahara findet Verwendung überwiegend im schulischen und universitären Kontext. Die Software kann Webbasiert genutzt werden, mit Hilfe eines Logins auf der Mahara Webseite, oder innerhalb von Institutionen und Betrieben lokal auf einem Server installiert werden.

PebblePad

PebblePad bietet spezialisierte E-Portfolio Lösungen, angepasst an folgende Bereiche: Hochschulen, Gesundheitswesen, Sport, Organisationen, Unternehmen und eine Variante für den persönlichen Gebraucht. Abhängig von der ausgewählten Lizenz, werden unterschiedliche Funktionen angeboten. Im Rahmen der Lizenzen steht folgendes Funktionsspektrum zur Verfügung. Der Anwender kann innerhalb seines E-Portfolios Text- sowie Multimedia-Beiträge verfassen. Die genutzten Bestandteile (Bilder, Videos, Textbeiträge) können mit Hilfe von Tags systematisiert werden, was deren Wiederverwendung vereinfacht. Innerhalb von PebblePad wird unterschieden zwischen folgenden Varianten: einem „Webfolio" und einem „Journal". Die Inhalte, die in das System eingespeist wurden können gleichzeitig innerhalb von beiden Varianten verwendet werden.

Restriktive Zugriffsberechtigungen ermöglichen dem Nutzer die Sichtbarkeit der Inhalte zu bestimmen, sowie Nutzungsberechtigungen z.B. fürs Kopieren oder Kommentieren der Einträge festzulegen. Es findet ein Beurteilungsverfahren statt (Assessment), so dass die Lehrer mehrstufige Kurse anbieten können, die von den Lernenden absolviert und die Teilleistungen samt Feedback innerhalb ihres Aktivitätskontos dokumentiert werden.

Im Rahmen des CDP Ansatzes (Continuing Professional Development) wird die Applikation vermehrt im universitären Kontext verendet (unter anderem von The University id Sydney, Charles Sturt University, University of Cumbria, Swansea University, University of Wolverhampton, Monash University). Im Gesundheitswesen wird das E-Portfolio Werkzeug von The Chartered Society of Physiotherapists genutzt. Im Bereich Sport wird PebblePad von The Amateur Swimming Association /British Swimming eingesetzt, um Auszubildende und Trainer weiterzubilden (vgl. PebblePad 2016).

Taskstream

Taskstream ist eine auf der Cloud-Technologie basierte, im Jahr 2000 gegründete Plattform, die primär als Beurteilungs- bzw. Evaluation- und Akkreditierungsplattform für Lernende im universitären Kontext entwickelt wurde. Die Plattform bietet Komponenten für zwei Ansätze. Zum einen dient Taskstream als „Accountability Management System", zum anderen werden „Learning Achievement Tools" angeboten. Aus diesen Kernfunktionen heraus, wurde die Möglichkeit zur Gestaltung von e-Portfolios herausgebildet. Zielgruppe sind vorrangig High School Schüler und Studenten, die Plattform kann aber auch von Institutionen und Unternehmen zum Controlling von Weiterbildung der Mitarbeiter verwendet werden.

Das Leistungsspektrum von E-Portfolios von Taskstream zielt darauf ab, formales, strukturiertes Lernen mit Web 2.0 Werkzeugen zu unterstützen und Feedback mit Hilfe von speziellen Rubriken, Formularen und Kommentaren zu fördern. Des Weiteren wird das Erstellen und Teilen von E-Portfolios mit E-Mail und Social Media Kanälen (Facebook, Twitter, LinkedIn und Google+) unterstützt. Es werden Templates und Designs zur Personalisierung von E-Portfolios angeboten und es können spezielle Assessment-Reports generiert werden, die bisher erbrachte Leistungen, erlernte Kompetenzen beinhalten und mit Artefakten aus dem Lernprozess verlinkt oder zur Verfügung gestellt werden.

Zu aktuellen Kunden von Taskstream zählen unter anderem: (Produktgrupe Evaluation und Akkreditierung) - University of Findlay, Rochester Institute of Technology, Texas Wesleyan University, Abilene Christian University, (Profuktgruppe E-Portfolios) - Loyola University Chicago, Walsh University.

Movable Type

Movable Type ist eine Weblog Software, die im Jahr 2001 vom Unternehmen Six Apart vorgestellt wurde. Das Programm wird auf einem Server installiert, so dass der Nutzer eine vollständige Kontrolle über die innerhalb einer Movable Type Installation publizierten Inhalte hat. Da Movable Type in erster Linie nicht als E-Portfolio Software entwickelt wurde, hat der Nutzer die Möglichkeit seine Inhalte (Lernartefakte in Form von Texten, Bildern, Videos, Dateien) chronologisch zu publizieren und Feedback in Form von Kommentaren zu erhalten, allerdings fehlt eine Anbindung an eine Community. Ein Dozent der die Inhalte beurteilen möchte, ist somit gezwungen die Portfolios der einzelnen Schüler/Studenten aufzusuchen, um Feedback zu hinterlassen.

Die Software wird kontinuierlich entwickelt und ist über die Zeit von einer Blog-Plattform hin zu einem Content Management System (CMS) erweitert worden. Dadurch hat ein Nutzer praktisch unbegrenzte Möglichkeiten sein Portfolio zu gestalten. Hierzu sind zusätzliche Kompetenzen in der Domain- und Serveradministration sowie Grundkenntnisse in HTML und CSS notwendig.

Weil Movable Type innerhalb einer Organisation oder eines Unternehmens installiert respektive betrieben werden kann, ermöglicht es die Schaffung eines Ökosystems für betriebliche Fortbildung. Dadurch kann eine unternehmensinterne und an die spezifischen betrieblichen Anforderungen angepasste Weiterbildungsplattform entworfen und mit E-Portfolio- respektive Evaluations-Funktionalitäten erweitert werden.

Wordpress

Wordpress ist ähnlich wie Movable Type, ursprünglich als eine Weblog Software entstanden. Der Hauptunterschied liegt darin, dass Wordpress von Anfang an als Open Source Lösung entwickelt wurde, Movable Type dagegen als ein kommerzielles Produkt.

Seit 2003 wird Wordpress von der ständig wachsenden Entwickler Community entwickelt, was zu seiner großen Popularität geführt hat. Obwohl diese Plattform hauptsächlich als CMS genutzt wird, erfüllt sie alle Voraussetzungen, um als E-Portfolio Werkzeug eingesetzt zu werden.

Das Tool ermöglicht Veröffentlichung von Inhalten (Text, Bilder, Videos, Dateien) in Chronologischer Ordnung. Hierzu kann ein Nutzer einen eigenen Server nutzen, oder aber die Inhalte auf wordpress.com veröffentlichen.

Dank der Großen Community, existieren zahlreiche Erweiterungen (Plugins), Vorlagen (Templates) und Designs, mit Hilfe deren E-Portfolios individualisiert werden können.

Corporate E-Portfolio mit Brightspace

Wie E-Portfolios zur Weiterbildungszwecken in Unternehmen und Organisationen eingesetzt werden, verdeutlicht das Beispiel von Brightspace. Brightspace wurde im Jahr 1999 als D2L (Desire2Learn) mit dem Fokus auf „Competency Based Education" gegründet. Im Züge der Erweiterung der Produktpalette von D2L wurde 2014 der Name in D2L Corporation geändert und Brightspace als eine der Produkte im Bereich LMS weiterentwickelt. Die Plattform bietet ein umfassendes Lernmanagement-System und ist auf die einzelnen Stufen des kompletten Bildungsweges ausgerichtet - von dem primären und sekundären Bildungsbereich (in den USA als K-12 bezeichnet) über High-School, College und Universität bis hin zu Unternehmen. Das Produktportfolio von Brightspace besteht aus 13 Modulen, die spezielle Funktionen abdecken:

  • Learning Environment (die Hauptplattform von der aus das Lernen gesteuert wird)
  • Learning Repository ( die zentrale Datenbank mit Lernobjekten und Medien für Kurse)
  • Capture (Erstellen, Bearbeiten und Bereitstellen von Videoinhalten wie Screencasts, Tutorials)
  • Assignment Grader (Modul zur Benotung und Feedback. Verwendung von Badges)
  • Binder (Mobile Applikation zu Organisation von Lerninhalten aus dem Modul Learning Environment, ermöglicht den Zugriff auf Lerninhalte wie: EBooks, Videos, Journals )
  • Insights (Learning Analytics Modul zur Auswertung von Berichten in visueller Form, prädiktive Analyse der Fortschritte. Analyse der Nutzung von Lernobjekten innerhalb eines Kurses)
  • Degree Compass (ein weiteres Modul zur Analyse der Fortschritte mit Fokus auf prädiktive Vorschläge für Lernende mit dem Ziel der Anpassung an das individuelle Lerntempo.
  • Open Courses (ein Repositorium für MOOCs)
  • ePortfolio (Präsentation von E-Portfolios samt Lernartefakten wie Textdokumente, Audiodateien, Präsentationen, hier können Lehrer Feedback im Audioformat hinterlassen)
  • Student Success System (Prädiktive Analyse der Fortschritte mit dem Fokus Schwachstellen und Probleme beim Lernen zeitnah aufzudecken, um sie zu adressieren)
  • LeaP (Modul für adaptives Lernen, Vorschläge für Lerninhalte die an das Lerntempo des Nutzers angepasst sind)
  • Pulse (Mobile Applikation für Smartphones die Einblicke in den Lernprozess und die anstehenden Aktivitäten ermöglicht. Ähnelt einem Terminkalender für Lernaktivitäten)
  • Course Catalog (Verzeichnis aller auf der Plattform angebotenen Kurse)

Im unternehmerischen Kontext wird die Plattform von folgenden Betrieben und Organisationen für Erwachsenenlernen verwendet:

  • Babcock & Wilcox Canada Ltd. (Ingenieurwesen - Produktion und Wartung von Dampfmaschinen)
  • Halifax Regional Municipality (Freiwillige Feuerwehr der Gemeine Halifax: Fortbildung des administrativen sowie des exekutiven Bereichs)
  • MGH Institute of Health Professions (Gesundheitswesen)
  • National Ballet School of Canada (Ballettschule)

Die Flexibilität die von einzelnen Modulen gewährleistet wird, ermöglicht den Einsatz von Brightspace in Bereichen die starke Praxisorientierung aufweisen wie beispielsweise Feuerwehr, Ballett oder Gesundheitswesen. Damit verfolgt die Plattform den Ansatz des lebenslangen Lernens.

Corporate E-Portfolio mit Blackboard

Blackboard Inc. wurde 1997 gegründet und ist eine Lernmanagement Plattform die in 182 Ländern in den Bereichen: Schule, Hochschulbildung, Weiterbildung, Unternehmen und öffentlicher Sektor genutzt wird. Ursprünglich als E-Learning bzw. Blended Learning Plattform entwickelt, bietet Blackboard die Möglichkeit aus den absolvierten Kursen ein E-Portfolio zu erstellen. Die Applikation verfügt über eine Anbindung an die OpenBadge-Plattform Mozilla Backpack.

Um den Lernprozess zu organisieren stehen bei Blackboard mehrere Services zur Verfügung:

  • Learn (Hauptzentrale der virtuellen Lernumgebung inklusive Live-Chat)
  • Collaborate (Modul für Gruppenarbeit)
  • ConnectTxt (Versenden von Massen-Textnachrichten per E-Mail oder SMS)
  • Mobile (Mobile Version der Kursinhalte für Tablets und Smartphones)
  • Analytics (Analysetool für Auswertung von Lernaktivitäten)

Im unternehmerischen Kontext wird Blackboard unter anderem von folgenden Organisationen zum kontinuierlichen Lernen im Beruf verwendet:

  • Fresenius Medical Care (Medizintechnik - Anbieter von Dialyseprodukten und -dienstleistungen)
  • Advisory Board Company (Fachübergreifendes Consulting and Research Unternehmen)
  • Conoco Phillips (Energie- und Ölkonzern)
  • Bob Pike Group (Schulungen „Train the Trainer")

Die Plattform ermöglicht den Ansatz Blended Learning über die Stufen: von Instructor-Led Training über Virtual Learn, Computer Based Training, Team-Based Projects, Virtual Live Classrooms bis hin zu Assessments zu absolvieren, zu dokumentieren und in einem E-Portfolio zu erfassen. Der Nutzer hat die Möglichkeit sein E-Portfolio zu personalisieren, allerdings nur im Rahmen der zu Verfügung stehenden Designs (vgl. Stevens 2014). Es existieren noch weitere E-Portfolio Plattformen, die an dieser Stelle nicht näher analysiert werden: FolioTek, Livetext, RCampus , Desire2Learn, Digication, Learning Objects, Longsight, Chalk & Wire, NobleHour, Symplicity, Blackboard, eFolioWorld, iWebFolio, eLumen, Brightspace, OneFile, Pathbrite (vgl. Batson 2011).

Post author

Autor: Krzysztof