Genese und Einsatzfelder von E-Portfolios

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Im Kapitel 3.1 werden E-Learning Instrumente wie E-Portfolios vorgestellt. Im einleitenden Teil geht es um den Ursprung der E-Portfolios und in welche Richtung sich diese entwickelt haben.

Die Implementierung von Portfolios im Bildungsbereich und zunehmend im unternehmerischen Kontext hat einen praxeologischen Ursprung. Portfolios werden heutzutage überwiegend mit künstlerischen Tätigkeitsfeldern assoziiert. Kreative Berufsgruppen wie Architekten, Fotografen, Künstler und Designer setzen erfolgreich diese Art der Referenz in ihrer Arbeit. Ein Portfolio kann als eine Mappe beschrieben werden, die als Sammlung von ausgewählten Arbeitsergebnissen zwecks Bewerbung oder Präsentation dient. Das Konzept ist keinesfalls neu da schon im Zeitalter der Renaissance solche Portfolios von Künstlern für Bewerbungen an Akademien oder für Bauaufträge genutzt wurden (vgl. Häcker 2007, S. 85).

Ein Portfolio offenbart nicht nur die endgültigen Arbeitsergebnisse als solche. Es verdeutlicht die schrittweise Entwicklung über einen bestimmten Zeitraum hinweg. Der Autor des Portfolios präsentiert damit nicht nur das was er kann, sondern das, wie er zu dem Entwicklungsstadium gelangt ist und welche Zwischenstufen er auf dem Weg dorthin erklommen hat. Abhängig von einer Stelle, um die sich ein Künstler mit einem Portfolio bewirbt, kann der Entwicklungsprozess wertvollere Informationen liefern als nur das Endergebnis.

Ein bedeutender Unterschied zwischen einem Abschlusszeugnis, einem Diplom oder einem Zertifikat und einem Portfolio liegt darin, dass Zeugnisse, Diplome und Zertifikate in den meisten Fällen nur das Erreichen eines bestimmten Niveaus beglaubigen. Ein Portfolio hingegen veranschaulicht den Prozess bis zum Ergebnis, die Planung, das Ergebnis selbst, die Dauer, und weil es sich in meisten Portfolio-Fällen um Artefakte handelt, auch die eingesetzten Techniken und Materialien und zwar in jedem der dokumentierten Schritte. Hinzukommt, dass Portfolios einen reflektieven Bereich beinhalten können, in dem Reflexionsfragen, Feedback und Dialogmöglichkeiten den dokumentierten Arbeits- und Lernprozess, um eine evaluative Komponente erweitern (vgl. Prettenhofer 2014, S. 201). Beumers und Schmidt gehen sogar einen Schritt weiter und verleihen Portfolios das Prädikat der „Kompetenzbiografie" (vgl. Beumers/Schmidt 2010, S. 316).

Aus den klassischen Portfolios als Mappe mit Inhalten entstanden unter Zuhilfenahme von neuen Medien elektronische Portfolios die ebenso wirksam als Kompetenzbiografien dienen können. Der Hauptunterschied zwischen klassischen Portfolios und E-Portfolios liegt nicht nur in der Beschaffenheit oder dem Format sondern auch darin, dass sich E-Portfolios miteinander vernetzen lassen, was bei den klassischen Portfolios nicht möglich ist. Die Vernetzung ermöglicht wiederum eine Kontaktaufnahme mit anderen Nutzern, die an gleichen Themen Interesse haben, so dass aus dem Austausch eine Weiterentwicklung der eigenen Ideen oder Projekte resultieren kann. Für die Selbstpräsentation ist es entscheidend, dass der Anwender selbst bestimmt, was innerhalb seines Portfolios präsentiert wird. Ein Portfolio beinhaltet damit die erlesenen Arbeiten, die eine signifikante Bedeutung für den Erstellen haben. Haydecker spricht in diesem Zusammenhang über E-Portfolio als über eine „digitale Sammlung von „mit Geschick gemachten Arbeiten" einer Person, die dadurch das Produkt (Lernergebnisse) und den Prozess (Lernpfad/Wachstum) ihrer Kompetenzentwicklung in einer bestimmten Zeitspanne und für bestimmte Zwecke dokumentieren und veranschaulichen möchten." (Haydecker 2007, S.4).

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Autor: Krzysztof