Massive offene online Kurse (MOOCs)

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Im Kapitel 3.3 werden MOOCs vorgestellt - Massive offene online Kurse, die ergänzend zu E-Portfolios zur persönlichen Kompetenzentwicklung im Sinne eines individuellen persönlichen Lerbumgebung. Es werden die Ziele und die Funktionen von MOOCs vorgestellt. Abschließend werden MOOCs präsentiert, die im persönlichen Kontext genutzt werden können. Im nächsten Kapitel folgen dann die Corporate MOOCS, die um Unternehmenskontext genutzt werden.

MOOC steht für Massive Open Online Course. Bei diesem Lernarrangement handelt es sich um Online Kurse, die ohne Einschränkungen zugänglich sind und die dadurch eine große Teilnehmeranzahl erreichen. Die Kurse selbst können unterschiedlich aufgebaut werden. Es kann sich dabei um Videoinhalte, Textdateien, Interaktive Multiple Choice Formulare handeln. Ein MOOC kann zu einem festgelegten Zeitpunkt beginnen und strukturiert ablaufen, oder es können zu einem beliebigen Zeitpunkt beansprucht und innerhalb eines individuellen Zeitplans absolviert werden.

Genese und Einsatzfelder von MOOCs

MOOCs können in zwei Hauptkategorien unterteilt werden: cMOOCs und xMOOCs. Bei den cMOOCs („c" steht für Connectivist) handelt es sich um Kurse, bei denen die Teilnehmer gemeinsam Wissen erarbeiten und sich dabei virtuell verbinden. Bei den xMOOC („x" steht für Extension) sind die Teilnehmer überwiegend passiv und konsumieren die Lerninhalte nach bedarf. Diese Variante ist mit Frontalunterricht im Video Format vergleichbar (vgl. Erpenbeck; Sauter 2015, S. 22).

Zur Popularität von MOOCs tragen vor allem drei Faktoren bei:

  • Qualität: die Kurse sind strukturiert aufgebaut und von erfahrenen Experten (in manchen Fällen Hochschullehrern) begleitet
  • Zugänglichkeit: die Materialien sind über das Internet abrufbar und damit an keine Lokalität gebunden. Sie können von jedem Ort mit einem Internetzugang abgerufen werden
  • Zeitunabhängigkeit: in vielen Fällen sind die Kurse zeitunabhängig, ein Teilnehmer kann selbst entscheiden wann er einen Kurs absolviert. Es existieren Kurse die eine Ablaufstruktur haben wie auch solche, die von Teilnehmern bei Bedarf genutzt werden können.

MOOCs als Lernformat erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Das führt dazu, dass es MOOCs gibt, in die sich 160.000 Interessierten eingeschrieben haben, und die Kurse einen Bekanntheitsgrad erlangen, der für klassische Unterrichtsformen nicht möglich ist. Es ist hingegen bekannt, dass die Anzahl der Teilnehmer, die ein MOOC vollständig absolvieren, deutlich geringer ist und dass die Qualität der Inhalte und somit der didaktische Nutzen stark von der Erfahrung des Dozenten abhängt (vgl. Schulmeister 2012). Massive offene Online-Kurse werden als solche erst seit 2008 angeboten. Der erste als ein MOOC benannter Kurs wurde an der Universität Manitoba von George Siemens und Stephen Downes unter dem Titel „Connectivism and Connective Knowledge" angeboten. Die Teilnehmeranzahl betrug 2200 Studenten (vgl. Porter 2015, S.6-8). Im großen Umfang werden MOOCs seit 2011 angeboten. Im März 2013 lag die Anzahl von MOOCs bei 409. Im April 2014 gab es schon 2230 massive offene Online-Kurse. Es wurde geschätzt, dass bis zum Jahr 2014 alleine nur bei den drei größten MOOCs Plattformen: Coursera, EdX und Udacity, rund 8,5 Millionen Interessierte nahmen an einem Kurs teil (ebd. S.7).

Eine Weiterentwicklung von MOOCs kann in SPOCs gesehen werden. SPOC steht für „small private online courses". Diese Variante wird von Armando Fox, der an der University of California Berkeley den Breich Online-Learning verantwortlicht, auch unter dem Akronym TORC „tiny online restricted courses" propagiert. (vgl. Pomerol et all. 2015, S. 16).

Aufgrund von hohen Abbruchquoten in den massiven offenen Online-Kursen, werden Kurse angeboten, bei denen Teilnehmer ein bestimmtes Kompetenzniveau aufweisen müssen. Es wird erwartet, dass gleiches Kompetenzniveau zu einer geringeren Abbruchquote führen wird. Nach einem initialen Test können nur Personen die bestanden haben, den Kurs belegen. Es handelt sich dabei um die sog. SOOCs. Das Akronym steht für Small Open Online Course. Inhaltlich werden die SOOCs und die SPOCs ähnlich wie MOOCs aufgebaut.

Ziele und Funktionen von MOOCs

Das Hauptziel von massiven offenen Online-Kursen ist aus der Perspektive der Anbieter, Wissensvermittlung auf Entfernung und Gewinnung von Informationen über das Lernverhalten der Teilnehmer (Learning Analytics). Aus der Perspektive der Teilnehmer, dienen MOOCs der eigenen Kompetenzentfaltung. Aus der Perspektive eines Unternehmens ist es durchaus möglich, dass das primäre Ziel als die Kompetenzerweiterung von Mitarbeitern angesehen wird.

Abhängig vom Kontext können unterschiedliche Ziele und auch Funktionen von MOOCs definiert werden. Universitäten, die bis vor Kurzem ausschließlich kostspielige Studienmöglichkeiten angeboten haben, hierzu zählen Harvard University, MIT, Stanford University, bieten vermehrt kostenlose MOOCs, die von hausinternen Dozenten begleitet werden. Dahinter können sich Image-Gründe verbergen oder Marketingstrategien. Da die Teilnahme an MOOCs außerhalb von regulären Veranstaltungen stattfinden kann, können Teilnehmer zeit- und ortunabhängig die Angebote in Anspruch nehmen. Für die Nutzer ist es entscheidend, dass die Möglichkeit mit Hilfe von MOOCs zu lernen in meisten Fällen vorteilhaft ist.

Die Zielgruppe von MOOCs waren ursprünglich Studenten an Universitäten, an denen die Kurse angeboten wurden. Da das Prinzip der grenzüberschreitenden Wissensvermittlung mit Hilfe von Medien auf andere Themengebiete übertragbar ist, wurde das Interesse sowohl innerhalb des unternehmerischen Kontextes bemerkbar als auch bei Menschen, die innerhalb ihrer Freizeit etwas neues lernen möchten. Somit besteht eine große Schnittmenge zwischen MOOCs und dem Ansatz des lebenslangen Lernens, der auch als Ziel von MOOCs identifiziert werden kann.

Funktionstechnisch variieren die MOOCs abhängig von der Thematik, die sie behandeln oder vom Grand der Zertifizierung, die manche anbieten. Kurse können freiwillig ohne jegliche Zertifikate oder Teilnehmerscheine in Anspruch genommen werden. Andere wiederum sind mit Hilfe von Verifikations- und Evaluationsinstrumenten ausgestattet, die es ermöglichen das Wissen der Teilnehmer zu prüfen und später ein adäquates Zertifikat auszustellen. Schließlich ist es möglich MOOCs an den Hochschulen oder in den Ausbildungseinrichtungen, im traditionellen Unterricht miteinzubinden, so dass die Teilnehmer einerseits vom breiten Lernangebot gebraucht machen können, und andererseits die damit gewonnenen Erfahrungen mit Kommilitonen in der Präsenzveranstaltung austauschen können.

Pomerol, Epelnboin und Thoury differenzieren zwischen Nutzung von MOOCs als Kommunikationsinstrument, als Fernunterricht und Erstausbildung, schließlich als kontinuierliche Fortbildungsmaßnahme. Jeder der genannten Nutzungskontexte beherbergt unterschiedliche Funktionalitäten (vgl. Pomerol et al. 2015, S. 53-58).

Non-Corporate MOOCs

Im Bereich von Non-Corporate MOOCs existiert aktuell ein breites Angebot an Plattformen, die Kurse zu unterschiedlichsten Themen bereitstellen. Dazu gehören: Coursera, Khan Academy (Non-profit), Udacity, Udemy, EdX (Non-Profit), P2PU - Peer 2 Peer University, Open2Study. Eine Interessante Weiterentwicklung von MOOCs wurde von Udacity angestoßen. Die Plattform fügt Thematisch verwandte Kurse zusammen und strukturiert daraus ein sog. „Nanodegree", innerhalb dessen ein Portfolio von 5-8 Projekten aufgebaut werden soll. Das Ziel dabei ist den Lernenden nicht nur das praktische Wissen zu vermitteln, sondern sie beim erstellen eines Bewerbungsportfolios zu unterstützen, das als Nachweis für die erworbenen Kompetenzen gelten soll. Die „Nanodegrees" sind thematisch im Bereich der Informatik angesiedelt und sie sind kostenpflichtig (vgl. Udacity 2016).

Eine ähnliche Entwicklung ist auf der Plattform ALISON zu beobachten, wo zu Themen der Sicherheit am Arbeitsplatz Kurse angeboten werden, die auch zusammengefasst eine Art „Diploma in Workplace Safety and Health" ergeben (vgl. Alison 2016). Das Lehrangebot auf dieser Plattform richtet sich überwiegend an Mitarbeiter, die selbst für mehr Sicherheit und Ergonomie am Arbeitsplatz sorgen möchten.

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Autor: Krzysztof