Theoretische Grundlagen zu Weiterbildung der Fachkräfte

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Kapitel 2 der Masterarbeit über Weiterbildung der Fachkräfte für Arbeitssicherheit. In diesem Abschnitt der Arbeit werden die wichtigsten Begriffe definiert, die das Thema der Masterarbeit bilden: Arbeitsintegriertes Weiterbildungskonzept, Konzept, Weiterbildung, E-Portfolio, Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Sifa-Portfolio.

In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen beginnend mit Definitionen der relevanten Begriffe vorgestellt. Nach der Analyse der Definitionen folgt die Beleuchtung der Themen arbeitsintegrierte Weiterbildung, Kompetenzentwicklung im Berufsleben und schließlich informelles Lernen im Erwachsenenalter. Nach der Erläuterung der Definitionen folgt der Einstieg in das Thema der arbeitsintegrierten Weiterbildung. Dieser Abschnitt wird nach Lernarten systematisiert, ausgehend von strukturierten formalen Lernprozessen, über gemischte formale und non-formale Lernprozesse bis hin zum informellen Lernen.

Dabei werden die Aspekte beleuchtet, die mit organisiertem, beruflichem Lernen, und mit beruflicher Weiterbildung zusammenhängen. Es handelt sich in diesem Fall überwiegend um diverse Arten des formalen Lernens während der Berufsausübung. Anschließend wird auf die Kompetenzentwicklung im Berufsleben eingegangen, die von der Betrachtungsperspektive her sowohl formales Lernen als auch den informellen Wissenserwerb miteinander verbindet. Vervollständigt wird der Abschnitt über die theoretischen Grundlagen mit dem Themenaspekt des informellen Lernens im Erwachsenenalter, der in der heutigen Berufslandschaft eine immer wichtigere Rolle spielt.

Definitionen

Arbeitsintegriertes Weiterbildungskonzept

Innerhalb dieser Arbeit wird der Begriff „arbeitsintegriertes Weiterbildungskonzept" als ein Werkzeug verstanden, das zur berufsbegleitenden Fortbildung genutzt werden kann, im Speziellen durch die Fachkräfte für Arbeitssicherheit.

Konzept

Konzept kann als Nomen verstanden werden, der aus dem Verb „konzipieren" gebildet wird. Das Duden-Herkunftswörterbuch beschreibt Konzipieren als die Entwicklung einer Grundvorstellung von etwas, etwas entwickeln, verfassen oder entwerfen. Der Ursprung des Verbs ist lateinisch „con-cipere" oder „capere". In Deutschland wird der Begriff Konzept seit dem 16. Jahrhundert als „skizzenhafter, stichwortartiger Entwurf, Plan, Programm" verwendet. Seit dem 18. Jahrhundert wird der Begriff Konzeption im Sinne eines „geistigen, künstlerischen Entwurfs, Leitgedankens" verwendet (Munzinger 2014). Dass ein Konzept aus mehreren Bestandteilen zusammengesetzt wird, verdeutlicht die Interpretation dieses Begriffs durch weitere Autoren. Masak beschreibt ein Konzept als „Kombination von Objekten und Attributen innerhalb des Systems" (Masak 2010, S. 82).

Weiterbildung

Der Begriff Weiterbildung kann als Wissensaneignung definiert werden, die nach der formalen Ausbildung oder dem formalen Studium stattfindet und die berufsbegleitend praktiziert werden kann. Dabei handelt es sich um Aktivitäten, die die Konsolidierung der vorhandenen sowie Ausbau von neuen Kompetenzen zum Ziel haben. Als Synonyme können Begriffe wie Fortbildung oder Qualifizierung verwendet werden. Eine solche Weiterbildung kann sowohl formal, nicht-formal als auch informell erfolgen (vgl. Munzinger 2014 a). Für diese Arbeit ist der speziellere Begriff der beruflichen Weiterbildung relevanter, weil die Zielgruppe, der diese Arbeit gewidmet ist, eine bestimmte Berufsgruppe repräsentiert.

Das Berufsbildungsgesetz schreibt im ersten Teil im § 1 Satz 3 vor: „Die berufliche Fortbildung soll es ermöglichen, die beruflichen Kenntnisse und Fertigkeiten zu erhalten, zu erweitern, der technischen Entwicklung anzupassen oder beruflich aufzusteigen." (BBiG 2003, S.5). Diese Betrachtung der beruflichen Fortbildung ist zukunftsorientiert und spricht eine kontinuierliche Entwicklung der Kompetenzen und Fähigkeiten an, die bei der Ausübung des Berufes eingesetzt werden können. Eine noch deutlicher zukunftsorientierte und auf lebenslanges Lernen ausgerichtete Definition der beruflichen Fortbildung bzw. Weiterbildung findet sich im Gabler Wirtschaftslexikon (vgl. Schmid/Klenk 2016). Diese Definition sensibilisiert darauf, dass auf Grund der Veränderungen der ökonomischen Landschaft, deren Ursprung in der Globalisierung mündet, weitreichende Modifizierungen der Weiterbildungsstrukturen notwendig sein werden. Vor allem im Hinblick auf Aspekte wie Finanzierung, Transparenz, Qualitätssicherung, Zertifizierung und Lernzeit, bedarf es an Lösungsvorschlägen, die Weiterbildung einerseits für die Angestellten attraktiv präsentieren und andererseits für die Arbeitgeber hinreichend zielführend gestalten. Somit kann eine Analogie in den Bereichen Weiterbildung und Softwareentwicklung beobachtet werden. Bei der Entwicklung von neuen Softwarelösungen wird immer mehr Aufmerksamkeit auf den Nutzer gelegt und nicht mehr, wie in der Vergangenheit, auf das Produkt.

„ ... Aufgrund zunehmender Komplexität wird auch eine nachfragerfreundliche Informations- und Beratungsinfrastruktur nötig, die Arbeitnehmern und Unternehmen neue Orientierungspunkte gibt" (ebd.).

E-Portfolio

Der Begriff E-Portfolio (auch ePortfolio) bildet eine Abkürzung von „elektronisches Portfolio" und beschreibt eine Sammlung von Artefakten in digitaler Form, die das Lernen dokumentieren. Dabei handelt es sich nicht nur um die Dokumentation eines Ergebnisses bzw. eines Projekts, sondern auch um die Dokumentation des Prozesses der zum Lernergebnis geführt hat. Etymologisch hat der Begriff Portfolio seine Wurzeln im lateinischen „portare" für ‚tragen' und „folium" für ‚Blatt' (vgl. Reimann 2014, S. 219).

Innerhalb dieser Arbeit wird das Weiterbildungskonzept auf Grundlage von E-Portfolios im unternehmerischen Kontext entwickelt. Das bedeutet, dass der Fokus auf E-Portfolios gelegt wird, die zwecks Kompetenzentwicklung in unterschiedlichen Unternehmen und teilweise mit Unterstützung dieser Unternehmen entstanden sind. Private E-Portfolios die außerhalb des Unternehmenskontextes erstellt werden, finden daher innerhalb dieser Arbeit nur begrenzt Berücksichtigung.

Ein E-Portfolio kann Artefakte unterschiedlicher Art beinhalten, die die absolvierten Lernprozesse dokumentieren. Dazu kann Folgendes gehören: Arbeitsnotizen, Zusammenfassungen, Grafiken, verschriftlichte Erkenntnisse, Quelleneingaben, eigene und fremde Kommentare, Feedback sowie ein fertiges Produkt, Applikation oder Lösungen für bestimmte Probleme. Somit beinhalten E-Portfolio nicht nur den Inhalt des Gelernten (Content) sondern auch den Kontext in dem das Wissen verarbeitet wurde und darüber hinaus die Chronologie des dokumentierten Kompetenzerwerbsprozesses (vgl. Muskels/Lüben 2015, S. 126-129).

Fachkräfte für Arbeitssicherheit

Innerhalb dieser Arbeit werden Fachkräfte für Arbeitssicherheit als Personen definiert, die einen Sifa-Lehrgang absolviert haben und somit eine Ausbildung als Fachkraft für Arbeitssicherheit besitzen und die nach § 5 des ASiG (Arbeitssicherheitsgesetz, bzw. Gesetzt über Betriebsärzte, Sicherheitsingenieure und andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit) vom Arbeitgeber bestellt werden (vgl. ASiG 2013).

Sifa-Portfolio

Der Prototyp des Weiterbildungskonzepts, der innerhalb dieser Arbeit entwickelt wird, trägt den Arbeitsnamen Sifa-Portfolio. Im weiteren Verlauf der Untersuchung wird der Begriff Sifa-Portfolio als Synonym für arbeitsintegriertes Weiterbildungskonzept unter Einsatz von E-Portfolios im unternehmerischen Kontext für Fachkräfte für Arbeitssicherheit verwendet.

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Autor: Krzysztof