Weiterbildung der Fachkräfte für Arbeitssicherheit (SIFA)

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In diesem Abschnitt wird die Motivation, also die Ausgangslage zum Thema Weiterbildung der Fachkräfte für Arbeitssicherheit, beschrieben. Es handelt sich dabei um das Kapitel: 1. Einleitung und 1.1 Motivation.

Weiterbildung neben dem Beruf kann für einen Mitarbeiter als energie- und zeitintensiv, und dadurch schwer zu bewältigend erscheinen. Um beruflich erfolgreich zu sein, muss eine Fachkraft nicht nur gut ausgebildet sein. Sie muss genügend Motivation und Interesse am Thema besitzen, sodass sie in der Lage ist, die Relevanz neuer Problemfelder für ihre berufliche Tätigkeit zu erschließen. In dem Zeitpunkt, in dem die reguläre Ausbildung, Lehrgang oder Studium abgeschlossen wird, endet das formale Lernen. Es findet ein Transit zum non-formalen Lernen in form von Weiterbildungsseminaren statt. Das ist gleichzeitig der Moment des Berufseinstiegs, der Moment, in dem während der Arbeit und außerhalb von der Arbeitszeit neues gelernt werden kann. In dieser Phase wird das nicht-formale Lernen eng an das informelle Lernen gekoppelt. In dieser Kombination kann das Lernen berufsbegleitend zeitlebens erfolgen.

Eine Fachkraft, die leidenschaftlich ihrem Beruf nachgeht, ist in der Lage bessere Arbeitsergebnisse aufzuweisen. Gute Arbeitsergebnisse wirken sich wiederum positiv auf die Arbeitszufriedenheit der arbeitenden Person, sowie der anderen Mitarbeiter im Betrieb. Eine hohe Arbeitszufriedenheit motiviert dazu, sich weiter zu entwickeln, um in weiteren Bereichen einen hohen Kompetenzgrad zu erreichen. Dabei setzt sich ein selbstreferentieller Prozess in Gang, der berufsbegleitend angesteuert wird. Dieser Prozess beeinflusst positiv das Berufs- sowie Privatleben des Angestellten und aller in seinem Umfeld tätigen Personen.

Fachkräfte für Arbeitssicherheit haben einen besonderen Stellenwert im Unternehmen. Unabhängig davon ob sie intern zu Sicherheitsbeauftragten oder zu Sifas fortgebildet werden, oder wenn sie als Externe eingestellt werden, sie sind stets für die Sicherheit im kompletten Betrieb verantwortlich. Das Niveau der Sicherheit am Arbeitsplatz entscheidet im engeren Sinne über die Produktivität sowie Ausfallzeiten des Betriebes. Im weiteren Sinne beeinflusst die Arbeitssicherheit die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Aus diesen Gründen sind die Fachkräfte für Arbeitssicherheit gesetzlich verpflichtet sich kontinuierlich weiterzubilden.

Die Ausübung der Tätigkeit als Fachkraft für Arbeitssicherheit kann auf unterschiedliche Art erfolgen. Sifas werden in Unternehmen als innenbetriebliche Vollzeit-Fachkraft, als innenbetriebliche Teilzeit-Fachkraft mit oder ohne Leitungsfunktion sowie auch mit oder ohne Beauftragtenfunktion, schließlich als externe freiberufliche Fachkraft und als externe Fachkraft aus überbetrieblichen Diensten eingesetzt (Trimpop et al. 2013). Unabhängig von der Art des Einsatzes, müssen Sifas über ein stets aktuelles Wissen aus dem vielfältigen Fachgebiet der Arbeitssicherheit und den angrenzenden Domänen verfügen. Während der Berufsausübung ist es den Sifas möglich die Wissenslücken zu schließen, in dem branchenbezogene und branchenübergreifende Fortbildungsseminare besucht werden (formales Lernen) oder in dem sich Sifas selbständig das notwendige Wissen beschaffen, was unter anderem beim Austausch mit anderen Fachkräften für Arbeitssicherheit, Literaturrecherche, Analyse der gesetzlichen Regelungen oder durch Internetrecherche erfolgen kann (informelles Lernen).

Das Angebot an Fortbildungsseminaren aus dem Sifas wählen können, ist umfangreich. Für Fachkräfte die Ihre Tätigkeit als Sifa erst aufgenommen haben, existieren vielfältige Möglichkeiten, um ihr Grundwissen auszubauen. Allerdings decken diese Angebote nicht immer den aktuellen Bedarf an Handlungsalternativen, der durch die Dynamik der Arbeitswelt neu hervorgerufen wird. Vor allem auf neue Arten von Gefahren in Betrieben müssen die bestehende Regeln angewandt werden, was nicht immer situationsadäquat und zielführend ist. Des Weiteren kann ein Fortbildungsangebot nur zeitversetzt die Bedarfslücke schließen, was einerseits mit der Erschließung von neuen Sicherheitsgefahren und andererseits mit der Konzeptionszeit für neue Seminare zusammenhängt. Daher besteht die Notwendigkeit eines agileren Weiterbildungskonzepts, das an den dynamischen Arbeitskontext der Sifas angelehnt wird und zu einer zeitnahen Deckung des Wissensdefizits beisteuern kann.

Weil das informelle Lernen im Erwachsenenalter überwiegend freiwillig und inzidentell abläuft, mangelt es an gewisser Struktur und Methodik, die vor allem die Effektivität des Lernens erhöhen und die Anerkennung bzw. Zertifizierung der absolvierten Lerntätigkeiten erleichtern würden. Die Nutzung von neuartigen Weiterbildungskonzepten die im Zusammenhang mit Blended Learning stehen, bringt nicht immer den gewünschten Effekt mit sich. Trotz ihrer großen Reichweite können beispielsweise massive offene online Kurse (MOOCs) im Vergleich zu formalen Lernmethoden, nur eine geringe Erfolgsquote nachweisen. Sie erreichen eine große Teilnehmerzahl aber nur ein Bruchteil der Nutzer bleibt einem solchen Onlinekurs bis zum Abschluss treu. Durch die Analyse von Studien zu Themen: MOOCs und E-Portfolios, sowie Blended Learning und E-Learning, können die kritischen Erfolgsfaktoren für ein effektives Weiterbildungskonzept für Sifas abgeleitet werden.

Die Analyse der Sifa-Online-Umfrage gab darüber Aufschluss, dass die Fachkräfte ein weiteres Problem bei ihren informellen Lernprozessen bewältigen müssen. Sie beschaffen sich die fehlenden Informationen und das notwendige Wissen aus zahlreichen externen Quellen wie Onlineportale Komnet, Sifa-Community, BauA, BGHM. Diese dezentrale Allokation der Informationen führt zu einer geringeren „Awareness" über die Themen, die in einem bestimmten Zeitpunkt aktuell sind. Eine geringe Awareness wirkt sich wiederum negativ auf die Qualität der Arbeit, weil sie in unbewussten Inkompetenz resultiert. In diesem Fall hat eine Person keine Kenntnis von der Existenz eines womöglich relevanten Themas. Aus diesen Gründen wird innerhalb dieser Arbeit, nach einer speziell an die Berufsgruppe der Sifas angepassten Lösung für ein Weiterbildungskonzept geforscht. Im folgenden Abschnitt wird das genauere Ziel und das dahinführende Vorgehen erläutert.

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Autor: Krzysztof