Ziele und Funktionen von E-Portfolios

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Die Digitalisierung der Bildung führte zu einer dynamischen Entwicklung von E-Portfolio Applikationen und zum Ausbau des Funktionsumgangs. Dieser abschnitt beleuchtet die Ziele und die Funktionsweise von heute im Einsatz befindlichen E-Portfolio Applikationen.

Die Nutzung von E-Portfolios ist kontextabhängig und dadurch in unterschiedlichen Ländern ungleich. In Deutschland wird die Portfolioarbeit überwiegend als Lehr- und Lerninstrument, alternatives Beurteilungsinstrument, Entwicklungswerkzeug, Arbeitsmarkt-Instrument, innovatives Forschungsinstrument, Diagnoseinstrument und Darstellungswerkzeug gesehen (vgl. Häcker 2007, S.123). Weil das Instrument themenunabhängig verwendet werden kann, findet die Portfolioarbeit in unterschiedlichen Ländern und innerhalb verschiedener Berufskreise diverse Einsatzfelder.

Diese Diversität führte dazu, dass neue Varianten von Portfolios entstanden sind, die dann als „Bindestrich-Portfolios" gruppiert werden können, wie beispielsweise: Kurs-Portfolio, Prozess-Portfolio, Methoden-Portfolio, Sprachen-Portfolio, Lern-Portfolio, Projekt-Portfolio, Bewerbungs-Portfolio, Präsentation-Portfolio, Kompetenz-Portfolio, Medien-Portfolio. Zu der Komplexität trägt noch die Möglichkeit bei, jedes der oben genannten Portfolios als ein E-Portfolio zu gestalten, also als eine digitale Variante. Die breite Anwendungsmöglichkeiten von Portfolios verursachten somit eine exzessive Nutzung dieses Hilfsmittels, was letztendlich zur einer begrifflichen Unschärfe führte. Ungeachtet dessen können Haupteigenschaften ermittelt werden, die jedes Portfolio unabhängig von Thema, Nation oder Einsatzgebiet charakterisieren. Nach Häcker (vgl. Häcker 2007, S.126) zählen dazu:

  • das zielführende Vorgehen beim Lernen
  • die Kollektion selbst erstellter Artefakte
  • die Dokumentation der Zwischenschritte
  • der Konnex mit verwandten Lerngebieten
  • die Ausrichtung auf den Adressaten
  • die Festlegung der Auswahlkriterien für die Inhalte
  • die Autonomie bei der Erstellung
  • die Möglichkeit zur Reflexion, Feedback und Dialog.

Weil die obigen Eigenschaften Schnittmengen aufweisen, können im Folgenden fünf essenzielle Portfolio Eigenschaften ermittelt werden:

- Zweck: ein Portfolio ist auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet,

- Qualifikation: ein Portfolio bildet den Prozess des Erwerbs von Qualifikationen,

- Chronologie: ein Portfolio illustriert zeitliche Abfolge der erzielten Fortschritte,

- Medium: ein Portfolio wird durch Nutzung eines bestimmten Mediums geprägt.

E-Portfolios zwischen Studium/Ausbildung und Berufseinstieg. Integration von E-Portfolios im ILIAS

Eine Plattform zur Integration von E-Portfolios in die Übergangsstufe zwischen der Ausbildung oder Studium und dem Berufseinstieg genutzt wird, ist ILIAS (vgl. Köhler/Neumann 2011). ILIAS ist eine Open Source Lernmanagement Software, in der E-Portfolios gepflegt werden können. Der Name wurde aus den Hauptfunktionen abgeleitet: Integriertes Lern-, Informations- und Arbeitskooperations-System. Bei dieser Applikation handelt es sich um eine auf Servern installierbare Software, die als E-Learning Werkzeug genutzt werden kann. Breite Anwendung findet das Instrument seit dem Wintersemester 2011/2012 an der Hochschule Bremen, an der es initiiert wurde. E-Portfolios werden dort von Studenten angelegt und gepflegt damit sie später als Teilleistung einer Prüfung akkreditiert werden (vgl. Wilkens 2011, S. 102). Bei der Integration der E-Portfolio-Funktionalität innerhalb von ILIAS wurde eine detaillierte Anforderungsanalyse durchgeführt, um ausreichend Flexibilität für unterschiedliche Portfolio-Szenarien anbieten zu können. Aus der Analyse gingen folgende Funktionsbereiche hervor:

  • Reflexions-Portfolio,
  • Präsentations-Portfolio
  • Kompetenzplanung und -dokumentation.

Die Studierenden können mit Hilfe dieses E-Learning Werkzeugs Blogs führen, persönlichen Dokumente hochladen, Kompetenzlisten erstellen und Sichten auf andere E-Portfolios haben. Die publizierten Texte oder Dokumente können zur Einsicht für andere Kommilitonen oder Dozenten freigeschaltet werden. Das vollständige E-Portfolio kann auch separat im Sinne einer Bewerbungsmappe gestaltet und veröffentlich werden. Studenten die ILIAS nutzen, können innerhalb des E-Portfolios, auch persönliche Sammelmappen anlegen, die als Inventar für ausgewählte Materialien dienen und die intern bearbeitet werden können.

Aktuell wird ILIAS an folgenden Universitäten und Hochschulen eingesetzt: Universidad de Jaén, Universidad Nacional de San Luis, Università degli Studi di Bergamo, Universität Bern, Universität der Bundeswehr Hamburg, Universität Duisburg-Essen, Universität Düsseldorf, Universität Erlangen-Nürnberg, Universität Gießen, Universität Hohenheim, Universität Karlsruhe, Universität zu Köln, Universität Mainz, Universität Marburg, Universität Stuttgart, Universität Trier, Universität Tübingen, Fachhochschule Aachen, FH des Bundes für Öffentliche Verwaltung, Fachhochschule Heilbronn, Fachhochschule Köln (vgl. ILIAS Open Source e-Learning e.V. 2016, S.13).

Es gibt bereits eine für ILIAS entwickelte betriebliche Lösung für das sog. „Compliance & Skill-Management", welche inhaltliche und funktionale Berührungspunkte mit dem Kompetenzkatalog aufweist (Wilkens 2011, S. 110). Im betrieblichen Kontext wird ILIAS von folgenden Unternehmen und Einrichtungen verwendet: ARAG, Basler Versicherungen, Bayer Vital, Bundesagentur für Arbeit, Bundesverwaltungsamt, Cognos AG, Copernicus Provinz Bozen-Südtirol, SACMI, Santander Consumer Bank, Skyguide (vgl. ILIAS Open Source e-Learning e.V. 2016, S.13).

Der Grund für die Verbreitung von ILIAS sowohl in dem Bildungs- als auch im unternehmerischen Kontext kann darin gesehen werden, dass die Plattform einerseits als Open Source Lösung angeboten wird, und andererseits, dass sie nicht auf ein bestimmtes didaktisches Modell festgelegt ist, sondern offen für diverse Nutzungsszenarien und Methoden.

E-Portfolios können sowohl in Hinblick auf die Funktionen als auch auf die Ziele, im unternehmerischen Kontext eingesetzt werden. Die Grundprinzipien und die charakteristischen Haupteigenschaften sind auf das betriebliche Lernen übertragbar. Fraglich ist, wie im unternehmerischen Zusammenhang die Rahmenbedingungen für das betriebliche Lernen gestaltet werden. Weil Lernen ein kontinuierlicher Prozess ist, darf in der Analyse die Zukunftsorientierung nicht fehlen. Einen Vorschlag wie das betriebliche Lernen heute und naher Zukunft und in ferner Zukunft strukturiert wird, liefert Erpenbeck und Sauter. Dieses Konzept wird im Folgenden vorgestellt.

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Autor: Krzysztof