Bildung und Gesellschaft

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Von Lehrerinnen und Lehrern wird heute in der beruflichen Praxis erwartet, dass sie gleichzeitig unterrichten, erziehen, beurteilen, mit den Eltern kommunizieren und aktiv ihre Schule entwickeln. Dabei arbeiten sie mit Kindern, Jugendlichen und Eltern zusammen, die aus immer unterschiedlicheren Herkunftsmilieus stammen. Neben den schulfachbezogenen Kompetenzen werden deshalb psychosoziales Feingefühl, Perspektivenübernahmefähigkeit und selbstkritische Reflexion zunehmend wichtiger für die berufliche Praxis.

Wer professionell pädagogisch arbeiten will, muss in der Lage sein, die individuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und deren Lebenssituation kompetent zu bewerten. Fundierte soziologische Kenntnisse über die gesellschaftliche Strukturierung der individuellen Biographien, über verschiedene Varianten der Sozialisation (Geschlecht, Schicht, Stadt/Land, Kultur) und die verschiedenen Instanzen der Sozialisation (Familie, Peers, Schule, Massenmedien und Unternehmen) sind wichtige Grundlagen, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Kurz: Lehrerinnen und Lehrer müssen die Bedeutung geschlechtsspezifischer und soziokultureller Einflüsse auf Erziehungs- und Bildungsprozesse kennen.
Von Lehrerinnen und Lehrern wird darüber hinaus erwartet, dass sie die zentralen Befunde zu den Themen Bildungsbeteiligung und Bildungserfolg von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen theoretisch und methodisch reflektieren und kritisch auf das Arbeitsfeld Schule beziehen können. Vor dem Hintergrund dieser Kompetenzen sollen sie bildungs- und schulstrukturpolitische Debatten kritisch reflektieren und in den Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen stellen können.


Literatur:

Geulen, D. (2007): Sozialisation, in: H. Joas (Hrsg.), Lehrbuch der Soziologie, 3. Überarbeitete und erweiterte Auflage, Frankfurt am Main, S. 137-158


Veith, H., 2008: Sozialisation, München, Basel (UTB)

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