Grundlagen christlicher Ethik

Die Frage nach der Wahrheit ist eine Zentralfrage, die das Denken von Papst Benedikt XVI. bewegt. Sie ist ein Leitmotiv seiner Verkündigung ebenso wie seiner zahlreichen Bücher, Reden und Interviews. In besonderer Dringlichkeit ist für ihn die Frage nach der Wahrheit im Kontext der gegenwärtigen Gesellschaften, insbes. der des „Westens", d. h. der „Moderne", zu stellen, sieht er diese doch von einer „Diktatur des Relativismus" gekennzeichnet. Demgegenüber betont er die Bedeutung der Wahrheit für das individuelle, soziale und kulturelle Leben.

Damit hat die Frage nach der Wahrheit stets eine ethisch-moralische Dimension. Und so betont der Papst denn auch: „Die Themen des Wahren und des Guten sind in der Tat nicht voneinander zu trennen. Platon hatte recht, als er das höchste Göttliche mit der Idee des Guten identifizierte. Umgekehrt: Wenn wir Wahrheit über Gott nicht erkennen können, dann bleibt auch die Wahrheit darüber, was gut und was böse ist, unzugänglich.

Dann gibt es das Gute und das Böse nicht; es bleibt nur das Kalkül der Folgen: Ethos wird durch Berechnung ersetzt. Noch deutlicher gesagt: Die drei Fragen nach der Wahrheit, nach dem Guten, nach Gott sind nur eine einzige Frage. Und wenn es darauf keine Antwort gibt, dann tappen wir hinsichtlich der wesentlichen Dinge unseres Lebens im Dunkeln. Dann ist das menschliche Dasein wirklich ‚tragisch'" (Glaube - Wahrheit - Toleranz. Das Christentum und die Weltreligionen, Freiburg i. Br. 2003, 186). Damit ist in einer unmissverständlichen Weise der Anspruch zum Ausdruck gebracht, dem sich eine christliche Ethik zu stellen hat.

Die Veranstaltung will zunächst in der Spannung von Strebens- und Sollensethik, also zwei klassisch gewordenen Ethikkonzeptionen, die Frage nach dem Guten thematisieren. Anschließend wird sie den personalen Ausgangspunkt und Kern christlicher Ethik reflektieren, nämlich die Frage nach dem Menschen als Ebenbild Gottes, d. h. in den Worten von Edith Stein nach dem „Gottesbild im Menschen", stellen und in der Frage nach „Gewissen" und „Werten" die ethische Wahrheitsfrage näher entfalten.


Literatur:

a) Kirchliche Dokumente:
- Katechismus der Katholischen Kirche (1997), 3. Teil
- Katechismus der Katholischen Kirche. Kompendium (2005)
(www.vatican.va)

- Johannes Paul II., Enzyklika „Veritatis splendor" - Über einige grundlegende Fragen der kirchlichen Morallehre (6. August 1993)
- Johannes Paul II., Enzyklika „Evangelium vitae" - Über den Wert und die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens (25. März 1995)

- Benedikt XVI., Enzyklika „Deus caritas est" (25. Dezember 2005)
- Benedikt XVI., Enzyklika „Spe salvi" (30. November 2007)
- Benedikt XVI., Enzyklika „Caritas in veritate" (29. Juni 209)

b) Theologische Ethik:
- Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl.
- Lexikon der christlichen Ethik, hrsg. v. G. W. Hunold/ J. Sautermeister, 2 Bde, Freiburg i. Br. 2003
- St. Ernst, Grundfragen theologischer Ethik. Eine Einführung, München 2009
- G. W. Hunold/ Th. Laubach/ A. Greis (Hrsg.), Theologische Ethik. Ein Werkbuch, Tübingen 2000
- F. Böckle, Fundamentalmoral, München 1977
- K. Demmer, Fundamentale Theologie des Ethischen, Freiburg/ Schweiz 1999
- J. Römelt, Christliche Ethik in moderner Gesellschaft, Bd. 1: Grundlagen, Freiburg i. Br. 2008
- E. Schockenhoff, Theologie der Freiheit, Freiburg i. Br. 2007
- E. Schockenhoff, Grundlegung der Ethik. Ein theologischer Entwurf, Freiburg i. Br. 2007

c) Philosophische Ethik:
- M. Düwell/ Chr. Hübenthal/ M. H. Werner (Hrsg.), Handbuch Ethik, 3. Aufl. Stuttgart 2011
- O. Höffe (Hrsg.), Lexikon der Ethik, 7. Aufl. München 2008
- W. Korff u. a. (Hrsg.), Lexikon der Bioethik, 3. Bde, Gütersloh 1998
- F. Ricken, Allgemeine Ethik, 4. Aufl. Stuttgart 2003
- R. Spaemann, Moralische Grundbegriffe, München 1982
- R. Spaemann, Personen. Versuche über den Unterschied zwischen >etwas< und >jemand<, Stuttgart 1996
- R. Spaemann/ W. Schweidler (Hrsg.), Ethik. Lehr- und Lesebuch. Texte - Fragen - Antworten, Stuttgart 2006