Japan in Deutschland kennen lernen und studieren

Ich beginne bald mein Studium und schon jetzt bin ich fest entschlossen alles über das Traumland Japan zu erlernen. Da ich keine Japanologie oder ähnliches an einer Uni in der nähe meines Wohnortes gefunden habe, schrieb ich mich erst in einem Geisteswissenschaftlichen Studiengang an der Uni hier in der Nähe. Von hier aus erkunde ich, was und wo man über Japan studieren kann. Der ultimative Traum Japan in Japan zu studieren ist bei mir momentan aus finanziellen Gründen überhaupt nicht möglich. Vielleicht könnte mir jemand helfen interessante Veranstaltungen zum Thema Japan - das Land und die Gesellschaft zu finden? Das wäre eine gute Vorbereitung auf die zukünftige Reise nach Tokyo.

An der Universität Duisburg Essen gibt es viele Veranstaltungen über Japan. Es gibt ein Studienfach: Sprache und Geschichte/ Kultur des modernen Japan, da kannst Du einiges Lernen. Hier die Auszüge aus dem Vorlesungsverzeichnis. Ich hoffe die Literatur hilft Dir nach weiteren Quellen zu suchen.

Demographischer Wandel in Japan
Die demographische Entwicklung ist ein basaler Einflussfaktor auf den langfristigen sozialen Wandel und prägt die Sozialstrukturen jeder Gesellschaft. Andererseits ist die demographische Entwicklung jedoch auch entscheidend durch gesellschaftliche Normvorstellungen und Institutionen beeinflusst. Diese Wechselwirkung zwischen Sozialstrukturen und demographischer Entwicklung wird in diesem Seminar anhand der historischen Entwicklung Japans ab der frühen Neuzeit nachgezeichnet und diskutiert. Der Schwerpunkt wird hierbei auf die gegenwärtigen demographischen Entwicklungstendenzen gelegt, indem die Hintergründe für das Schrumpfen der Gesamtbevölkerung, die gesellschaftliche Überalterung und die geringe Geburtenquote sowie die Implikationen dieser Entwicklungstendenzen thematisiert und erörtert werden.

Literatur
Coulmas, Florian. 2007. Population Decline and Ageing in Japan: The Social Consequences. New York: Routledge. • Hayami, Akira. 2001. The Historical Demography of Pre-Modern Japan. Tokyo: Tokyo University Press. • Matsutani, Akihiko. 2006. Shrinking-Population Economics: Lessons from Japan. Tokyo: LTCB International Library Foundation.

Die japanische Familie
Dieses Seminar behandelt die japanische Familie und umfasst vier Teile. Erstens erfolgt eine Einführung in die kulturgeschichtlichen Entwicklungsmuster der Familie und die wichtigsten theoretischen Perspektiven in der Familiensoziologie. Darauf aufbauend gilt das Augenmerk zweitens der historischen Entwicklung der Familie und der Beschreibung der verschiedenen Familientypen im Laufe der historischen Entwicklung in Japan. Der dritte Teil des Seminars ist der Einbettung der Familie in ausgewählte gesellschaftliche Kontexte (Gender und Familie; Sozialpolitik und Familie, Wohnraum und Familie) im modernen Japan und der Wechselwirkung zwischen diesen Bereichen und den Familienstrukturen gewidmet. Viertens wird der gegenwärtige öffentliche Diskurs zur Familie in Japan, in welchem angesichts von Entwicklungen wie des zunehmenden Heiratsalters, der steigenden Scheidungsrate, der sehr tiefen und tendenziell sinkenden Fertilität oder der Zunahme von Single von einer grundlegenden Krise der Familie gesprochen wird, eingehender beleuchtet und diskutiert.

Literatur
Neuss-Kaneko, Margret. 1990. Familie und Gesellschaft in Japan: Von der Feudalzeit bis in die Gegenwart. München: Beck. • Ochiai, Emiko. 1997. The Japanese Family System in Transition: A Sociological Analysis of Family Change in Postwar Japan. Tokyo: LTCB International Library Foundation. • Rebick, Marcus; Ayumi Takenaka (Hg.). 2006. The Changing Japanese Family. London: Routledge.


Religion in Japan in sozialwissenschaftlicher Perspektive
Japan ist auf den ersten Blick bzgl. Religion und religiöser Praxis eine äußerst widersprüchliche Gesellschaft. Einerseits ist der Anteil von Personen, welche sich in Umfragen als areligiös bezeichnen, in Japan im internationalen Vergleich sehr hoch. Andererseits hat das Land aber eine lange Tradition von Buddhismus und Shintō und die Teilnahme an religiösen Ritualen bei Anlässen und Festen im Jahres- und Lebenslauf ist in der japanischen Bevölkerung stark verbreitet. Auch sind gerade in Japan viele neue religiöse Bewegungen (shinshūkyō, Neue Religionen) in den letzten 150 Jahren entstanden. Ein zweiter Aspekt der Widersprüchlichkeit Japans bzgl. Religion und religiöser Praxis ist, dass Japan einerseits oft als ein Land mit einer Kultur der ausgeprägten religiösen Toleranz und des harmonischen Neben- und Miteinander von verschiedenen religiösen Schulrichtungen und Religionen bezeichnet wird. Andererseits verübte die Neue Religion Ōmu Shinrikyō im März 1995 Giftgasanschläge in der U-Bahn in Tōkyō, bei welchen zwölf Personen ums Leben kamen. In diesem Seminar werden zwei Ziele verfolgt. Erstens soll eine Übersicht über die wichtigsten religiösen Traditionen und die damit verbundene Praxis vermittelt werden. Zweitens werden einige Bereiche und Aspekte von Religion und religiöser Praxis in Japan eingehender betrachtet und diskutiert. Die Auswahl dieser Bereiche und Aspekte wird in der ersten Sitzung zusammen mit den Seminarteilnehmern diskutiert und bestimmt.

Literatur:
Einführende Literatur: • Reader, Ian. 1991. Religion in Contemporary Japan. Honolulu: University of Hawai'i Press. • Shimazono, Susumu. 2004. From Salvation to Spirituality: Popular Religious Movements in Modern Japan. Melbourne: Trans Pacific Press. • Swanson, Paul; Clark Chilson (Hg.). 2006. Nanzan Guide to Japanese Religions. Honolulu: University of Hawai'i Press.

Mehrsprachigkeit und Sprachpolitik Japans
Ende 2007 waren ca. 2,2 Mio. Ausländer in Japan registriert (ca. 1,7 % der Gesamtbevölkerungszahl). - 2008 kamen die ersten Pflegekräfte aus Indonesien zur „alternden Gesellschaft" Japan. Im April 2009 werden weiter Pflegekräfte aus den Philippinen folgen. - Im Juni 2008 hat das japanische Parlament beschlossen, die Ainu-Bevölkerung als Ureinwohner anzuerkennen. - Im Februar 2009 hat die UNESCO acht in Japan gesprochene Sprachen in den Atlas der bedrohten Sprachen auf der Welt registriert. - Ab 2011 soll Englisch in allen japanischen Grundschulen ab dem 5. Schuljahr Pflichtfach werden. Japan galt als ein homogenes, monolinguales Land. Die o.g. und weiteren historischen sowie aktuellen Gegebenheiten zeigen uns jedoch ein anderes Bild. Auch im Bewusstsein der Bevölkerung ist ein Wandel zu beobachten. Wie entstand das Bild von einem homogenen Japan, wie hat es sich verbreitet und verändert, und wie reagiert die japanische Regierung auf den aktuellen gesellschaftlichen Wandel? Auf der Grundlage verschiedener sprachbezogener Aspekte, wie z.B. der Sprachpolitik im Bildungswesen und in der Migrationspolitik, den Minderheitensprachen sowie der Einstellung zur Mehrsprachigkeit soll hier analysiert werden, welche Herausforderungen Japan gegenwärtig zu bewältigen hat.

Literaturauswahl: Backhaus, P. (2007) Linguistic Landscapes: A Comparative Study of Urban Multilingualism in Tokyo. Clevedon : Multilingual Matters. Coulmas, F. (2005) Sociolinguistics: The Study of Speakers' Choices. Cambridge: CUP. Ch. 11: Language planning. Coulmas, F. & Watanabe, M. (2002) Japan's nascent multilingualism. In: Wei and Housen (eds.) Opportunities and Challenges of Bilingualism. Berlin: Mouton de Gruyter. Goebel Noguchi, M. (ed.) (2001). Studies in Japanese Bilingualism. Clevedon: Multilingual Matters. Kanno, Y. (2003). Negotiating Bilingual and Bicultural Identities: Japanese Returnees Betwixt Two Worlds. Mahwah: Lawrence Erlbaum. Shimada, S. (2007) Die Erfindung Japans.-2., durchges. Aufl. Frankfurt a.M.: Campus-Verlag.