Liebe Luxus und Kapitalismus: Werner Sombart heute

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Werner Sombart (1863-1941) war einer der bekanntesten deutschen Sozialwissenschaftler des frühen 20. Jahrhunderts: Er machte den Begriff `Kapitalismus´ zum festen Bestandteil wissenschaftlicher Betrachtungen und teilte dessen Entwicklung in verschiedene historische Phasen auf. Dabei bezog er in seine Studien neben ökonomischen und politischen auch historische, soziale, religiöse und kulturelle Aspekte ein, mit denen er nicht nur die Genese, die Strukturen und die Dynamiken, sondern auch dem `Geist´ des Kapitalismus nachspüren wollte. Politisch mutierte Sombart vom linken Sozialreformer zum Konservativen mit antisemitischen Ausschlägen, der sich sogar dem Nationalsozialismus anschloss, zuletzt aber wieder abwendete.

Sein wissenschaftliches Werk zeichnet sich ebenfalls durch zahlreiche Sprünge und Brüche aus: Einer frühen Anerkennung des marxschen Diktums der `Verwertung des Wertes´ als Strukturkern des Kapitalismus folgte eine zunehmende Beschäftigung mit Fragen der kapitalistischen `Wirtschaftsgesinnung´ sowie deren Auswirkung auf individuelles und kollektives Handelns. Diese Suche nach dem besonderen `Wesen´ sowie seine Arbeiten zur Zukunft bzw. zu dem für ihn absehbaren Untergang des Kapitalismus haben spätestens mit dem Beginn der globalen Finanzkrise 2007 für Wissenschaft und Politik wieder an Bedeutung gewonnen. Sombarts streitbaren Thesen wurde häufig fehlende empirische Absicherung und Theorieschwäche unterstellt, mit denen er eher neue Fragen aufwarf als abgesicherte Antworten zu geben. Aus dem gleichen Grunde wurde ihm aber auch eine besondere Originalität zugesprochen, die andere wichtige Denker seiner Zeit wie z.B. Max Weber inspirierte. Sicherlich zu seinen bemerkenswertesten Arbeiten gehören Sombarts Überlegungen, dass die Keimzelle des Kapitalismus nicht im aufstrebenden Handwerk und Bürgertum, der protestantischen Ethik oder kolonialer Eroberungen, sondern vielmehr in der steigenden Nachfrage nach Luxus und der Lust an der Verschwendung lag. Dieser Argumentation soll in dem Lektürekurs umfassend nachgegangen werden; die Bereitschaft, das Buch vollständig zu lesen, mit anderen Ansätzen zu kontrastieren und intensiv zu diskutieren, wird dabei vorausgesetzt. Ein Leistungsnachweis kann durch eine durchgehende Teilnahme sowie die Präsentation eines Textteils erworben werden. Der Erwerb des Buches vor der Veranstaltung wird empfohlen.

Pflichtlektüre: Werner Sombart: Liebe, Luxus und Kapitalismus, verschiedene Verlage, über Antiquariat beziehbar; weitere Texte werden über einen Reader gestellt. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel SoSe 2013 Politikwissenschaften Philosophie der Wissensformen Prof. Dr. Burchardt Hans Jürgen.