Literaturdidaktisch denken lernen mit Lessings Fabeln

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Fabeln gelten als „die" didaktische Gattung schlechthin. Die Kürze, die klare Struktur, die bis in die Antike zurückreichende Tradition und die besonders für jüngere Kinder interessanten Protagonisten (meist Tiere) machen Fabeln zu einem beliebten Unterrichtsgegenstand. Sie werden im Deutschunterricht ab dem 2. Schuljahr in allen Schulformen und Klassen behandelt, gehören zum Pflichtprogramm der Klassenstufe 6, werden darauf aufbauend auch in höheren Klassen immer wieder eingebunden. Diese Vorzüge hat auch G.E. Lessing erkannt. 1759 erschien eine Fabeldidaktik, in deren Mittelpunkt er das problemlösende Denken stellte: ein heute wieder höchst aktueller Ansatz aus dem allgemeinen Kompetenzenkatalog des literarischen Lernens.

In einer einmaligen Kombination fördert die Lektüre der Fabeln das Denken, die Differenzierung von Text und Struktur, die Einsicht in moralische Probleme und den Aufbau eines literarisch-ethischen Wissens - wenn sie den angemessen vermittelt werden. Das Seminar beschäftigt sich mit Lessings Fabellehre (1759) und hier besonders mit Abschnitt V Von einem besonderen Nutzen der Fabeln in den Schulen (Werke Bd. V, hrsg. von Herbert G. Göpfert, München 1973). Eine weitere Textgrundlage bildet seine Fabelsammlung (1759-1777, Werke Bd. I). Da Lessing die Auseinandersetzung mit der Fabel als Gattung auch historisch führt, werden auch die Fabeln anderer Dichter (Äsop, Martin Luther) sowie moderne Fabeln herangezogen. Deshalb werden alle Interessierten gebeten, sich mit diesem Text vertraut zu machen sowie zur ersten Sitzung eine „Lieblingsfabel" mitzubringen.

Germanistik - Literaturdidaktik II Universität Siegen WiSe 2012/13