Seminar Sprachgewaltig Darstellungsformen und Funktionen von Gewalt in mittelalterlicher Literatur

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Schwertkämpfe, Kriegshandlungen, Fehden, Raub und Zerstörungslust Bilder voller Gewalttätigkeit, Grausamkeit und Drastik prägen unsere Vorstellung vom Mittelalter. Ein geläufiger Eindruck, den historische Romane, Mittelalterfilme und Videospiele anfeuern, der aber auch die Neugier wecken kann, das Phänomen Gewalt in seinen historischen Dimensionen zu betrachten. Wie bringt eigentlich mittelalterliche Literatur Gewalt zur und in Sprache? Im Gegensatz zum modernen Verständnis, das mit Gewalt nahezu ausschließlich physischen oder psychischen Zwang verbindet, ist der Begriff zunächst als ein Synonym für (legitime) Herrschaft zu verstehen. So eröffnet sich über die etymologische Herleitung von dem Verb walten ein Bedeutungsspektrum, das von Kraft haben, über etwas verfügen und herrschen bis zu Handlungsfähigkeit, Autorität, Macht und Ordnung reicht. Gleichzeitig drängt sich aber immer wieder die inhärente Ambivalenz des Begriffs auf, dass sowohl legitime als auch illegitime Gewalt gemeint sein könnte. Der Begriff und die Bewertung von Gewalt ändern sich allerdings je nach historischen und sozialen Kontext und es stellt sich somit die Frage, wie gewaltvolles Sprechen und gewalttätiges Handeln in den literarischen Texten inszeniert werden? Wer sind die gewaltfähigen Akteure und welche Rolle spielen bspw. ihre Standes-, Religions-, Raum- und Geschlechtszugehörigkeit? Wie leistet eine erzählte Gewalt ihren Beitrag zur Deutung und Ordnung von literarischen Lebenswelten? Und lässt sich hierbei eine sprachgewaltige Ästhetik identifizieren? FB 02 Institut für Germanistik Uni Kassel WiSe 2015/16 Germanistik/Deutsch Dr. Schul Susanne