Sicherheitskommunikation

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Wie im normalen Alltags- und Berufsleben ist Kommunikation auch und erst recht dann essentiell, wenn es im Fall von Störungen, Krisen oder Katastrophen darauf ankommt, besonders schnell, besonders gut koordiniert und besonders wirkungsvoll zu reagieren. Dass in solchen Lagen nicht die ´wilde` Flucht und auch nicht ´blinder` Aktionismus oder Apathie die besten Lösungen sind, ist wegen der regelmäßig damit einhergehenden unerwünschten, die Lage noch verschlimmernden Nebeneffekte, Folgen und Kosten schnell einsichtig zu machen. Schutz und Rettung von Menschen, die Herstellung von neuer Normalität und die Erlangung einer gewissen Störungs- oder Krisenfestigkeit (i.e. Resilienz) des Einzelnen und der Gesellschaft verlangen das gemeinschaftliche und kooperative Handeln vieler Akteure. In allen Gesellschaften und Kulturen und zu allen Zeiten haben Menschen deshalb Strategien entwickelt, um mit den ihnen bekannten Risiken und Gefahren umgehen und sich auf noch unbekannte Bedrohungen einstellen zu können.

Neben religiösen und weltanschaulichen Konzepten, Ritualen und Praktiken haben sie dazu auch ganz pragmatische Lösungen entwickelt, die von Behausung, Bevorratung oder Bewaffnung bis zu Kommunikation und Medien, Wissenschaft und sozialer Ausdifferenzierung und Institutionalisierung reicht. Heute verfügen die meisten Gesellschaften über hoch differenzierte Sicherheitskulturen, um Störungen, Krisen oder Katastrophen durch Strategien, Instrumente und Institutionen zur Prävention, Intervention und Rekonstruktion begegnen zu können. Konstitutive Komponenten solcher sicherheitskulturellen Konzepte und Praktiken sind stets auch sprachliche, signaletische und (multi-)mediale Mittel und Handlungen. Sicherheitskommunikation wird entsprechend als sicherheitsförderndes kommunikatives Handeln begriffen, das direkt oder indirekt zur Herstellung von Sicherheit (im Handeln von Akteuren und somit zugleich in der Gruppe, Organisation oder Gesellschaft) beiträgt. Sicherheitskommunikation wird in zahlreichen Zusammenhängen präventiv, proaktiv, reaktiv und rekonstruktiv bzw. in der Bewältigung von Krisen oder Katastrophen wirksam. Domänen der Sicherheitskommunikation sind demgemäß z.B. die folgenden Praxisbereiche und Themenfelder im Bevölkerungsschutz und der Katastrophenvorsorge: • Information / Instruktion / Beratung • Warnung und Alarmierung • Psychosoziale Intervention / zivile Bewältigungsarbeit • Einsatzkommunikation und Einsatz-Management (intra- und interorganisational) • Politische Krisenkommunikation (Administration, Öffentlichkeit) • Berichterstattung in Medien / Öffentliche Kommunikation Für diese sicherheitskommunikativen Praxisfelder sind nun die Kommunikationsanlässe, -zielstellungen, pragmatischen, technischen und institutionellen Voraussetzungen und Bedingungen genauer zu klären. Dies betrifft einerseits die kommunikativen Anforderungen, Bedürfnisse und Pflichten der Akteure. Mit Blick auf Verantwortlichkeit, Verantwortbarkeit, Zumutbarkeit, Wahrhaftigkeit, Risikoabwägung und Fürsorge stellen sich Fragen der Kommunikationsethik. Unter dem Aspekt der Systemik und Dynamik von Krisen/Katastrophen sind Strategien kommunikativer Interventionen zu diskutieren, zu denen auch der Einsatz von Krisenkommunikations- und Managementsystemen zur IT-Unterstützung von Information, Kooperation und Koordination gehören. Und schließlich ist die nachhaltige Entwicklung sicherheitskommunikativer Kompetenzen von Einsatzkräften und Bevölkerung zu betrachten.

Sicherheitsmanagement (Ergänzungsfach), Master Mehrfach, PO 2014 Universität Siegen WiSe 2015/16 Medienwissenschaft - Medien und Kommunikation Medienwissenschaft - Mediensysteme apl. Prof. Dr. Rusch Gebhard