Literatur und Kultur des 18. Jahrhunderts in Spanien

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Literatur und Kultur des 18. Jahrhunderts in Spanien

Keine zweite Epoche war in ihrer historischen Bedeutung für den Gesamtverlauf der spanischen Geschichte lange Zeit so umstritten wie das 18. Jahrhundert. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts und vor allem unter der Franco-Diktatur galt es vielen als das "unspanischste" Jahrhundert, während andere wiederum, wie z. B. der Philosoph Julián Marías, in den aufklärerischen Reformen des 18. Jahrhunderts die Utopie eines modernen Spaniens ("España posible") aufscheinen sahen, die dann von der historischen Entwicklung wieder verschüttet wurde.

So viel Widerspruch macht neugierig: Wie sahen die gesellschaftlichen, kulturellen und literarischen Verhältnisse aus, die der Nachwelt – aber, wie zu sehen sein wird, auch schon den Zeitgenossen – Anlass zu so unterschiedlichen Bewertungen gaben?


Das Hauptziel der Vorlesung ist es – über eine Darstellung der wichtigsten Strömungen, Gattungen und Werke hinaus – anhand bestimmter Problemkonstellationen, Themenschwerpunkte und Schlüsselereignisse das spezifische Profil der spanischen Literatur und Kultur im 18. Jahrhundert zu entwickeln. Neben den kanonisierten Texten aus allen für das 18. Jahrhundert maßgeblichen Gattungen wie Benito Jerónimo Feijoos frühaufklärerischer Essaysammlung Teatro crítico universal, der Lyrik Juan Meléndez Valdés', den Fabeln Tomás de Iriartes, Diego de Torres Villarroels Autobiographie Vida, José Cadalsos satirischem Briefroman Cartas marruecas (1774) oder Leandro Fernández de Moratíns Komödie El sí de las niñas (1806) werden wir auch weniger geläufige Phänomene wie die erotische Lyrik, das Zeitschriftenwesen oder die populäre literatura de cordel behandeln.