Lügen werden im Gehirn aufwändig verarbeitet. Wie erkennt man wenn man belogen wird?
Prozesse die beim Lügen im Gehirn ablaufen sind relativ komplex. Es bilden sich allerdings einige Muster die man erkennen kann und so einen Lügner schnell identifizieren kann. So erkennt man ob und wann man belogen wird.
Prozesse die beim Lügen im Gehirn ablaufen sind relativ komplex. Es bilden sich allerdings einige Muster die man erkennen kann und so einen Lügner schnell identifizieren kann. So erkennt man ob und wann man belogen wird.
Beim Lügen ist die Kognitive Belastung des Gehirns sehr groß. Daher ist es relativ einfach zu erkennen wenn man belogen wird. In der Süddeutschen Zeitung ist ein interessanter Bericht über Lügen und Gehirn erschienen.
Zu Beginn des Artikels „Lügen ist Schwerstarbeit fürs Gehirn" von Nikolas Westerhoff wirft der Autor zunächst die Frage auf, ob man Zeugen trauen kann. Um bei Gerichtsverhandlungen zu prüfen, wie glaubwürdig die Aussagen sind, haben Gerichtspsychologen objektive Kriterien entwickelt. Dadurch soll das Lügen systematisch erschwert werden. Während manche Menschen keine Scheu haben, sich ganze Erlebnisse auszudenken, fällt es Anderen sogar schwer eine passende Ausrede für etwas zu finden.
Ein Laie kann sich meiner Meinung nach daran orientieren, ob der „Erzähler" Augenkontakt hält oder seinen Blick von dem des Gegenübers abwendet. Letzteres lässt vermuten, dass er sich in diesem Augenblick etwas ausdenkt.
Der Autor geht auf die Wormser Strafprozesse ein, die von 1993 bis 1997 dauerten und eines der größten Missbrauchsprozesse in der BRD waren. Hier wurden 25 Personen verdächtigt, 16 Kinder (darunter auch ihre eigenen) regelmäßig missbraucht zu haben. Während die Aussagen der betroffenen Kinder dahingegen deuteten, dass sie wahr sind, wurden die Beschuldigten vom Landgericht in Mainz freigesprochen. Nun fragt man sich wie das möglich ist. Der Grund ist offensichtlich: der Rechtspsychologe Max Steller nahm sich eine Glaubwürdigkeitsanalyse als Hilfsmittel, die sogenannte „kriteriumsorientierte Inhaltsanalyse".
Diese ist die am häufigsten verwendete Methode, um Fälle wo Aussage gegen Aussage stehen zu lösen, da sich die Methode auch als sehr effizient erwiesen hat. Gerade bei Missbrauchsfällen, wo es oft keine Zeugen oder Beweise gibt, finden die Gerichte den Ausweg nur darin, Psychologen zu fragen, wie realitätsnah die Aussagen der Beteiligten sind. Dabei werden in der Regel immer die „Opfer" und nicht die „Täter" befragt, weil die, die als Täter gelten sich oft kaum zu den Anschuldigungen äußern oder alles abstreiten. Sind die „Opfer" bereit mit den Gerichtspsychologen zu reden, so sind sie diejenigen, bei denen man weiterkommt. Die „kriteriumsorientierte Inhaltsanalyse" nämlich basiert auf erstens der Annahme, dass derjenige der wahrheitsgemäß etwas schildert was wirklich geschehen ist, viele Details in lebendiger Art und Weise berichtet.
Es fehlt zwar an Struktur in dem Gesagten, trotzdem wird aber über Gespräche, Handlungen und innere Gefühle erzählt. Zweitens sind die Aussagen, die nicht der Wahrheit entsprechen meist so unglaubwürdig, wie als würde ein Tauber über das Zwitschern der Vögel erzählen. Außerdem ist er bemüht sich stets als Heiliger darzustellen. Diese zwei Annahmen sind meiner Meinung nach nachvollziehbar, jedoch nicht hundert Prozent anwendbar.
Es stellt sich mir die Frage, was wenn jemand so viel Übung beim Lügen hat, dass es diese Tricks und Kniffe schon kennt und eingeübt hat? Was ist, wenn sich Menschen darin üben in den entscheidenden Momenten zu improvisieren? Kann man nur hoffen, dass die Gerichtspsychologen auch die Improvisation aufdecken können.
Der Autor schildert die Auffassung der Psychologin Renate Volbert von der Charitè in Berlin: Diese meint, dass das Lügen Schwerstarbeit für den Menschen sei. Sie begründet ihre Aussage damit, dass der Mensch der gerade lügt, sich eine logische Geschichte ausdenken muss, sich diese ausgedachten Ausführungen merken muss und auf spontane Nachfragen der Psychologen, Polizisten etc. genauso spontan eine passende Antwort finden muss, die zu der Gesamtgeschichte passt.
Diese Tatsache hat belastenden Einfluss auf den Berichtenden, so die Psychologin, dass er kaum noch die Möglichkeit hat, sich auf die glaubwürdige, widerspruchslose Beschreibung des Geschehenen zu fokussieren. Dadurch lassen sich erlogene Schilderungen herauskristallisieren. Hier kommt bei mir der Gedanke auf, dass es auch möglich ist, dass der Erzähler vielleicht nur Teile seiner Story erfindet, die aber so minimal sind, dass sie nicht eindeutig identifizierbar sind. Was ist, wenn er alles wahrheitsgemäß rüberbringt, die entscheidenden Tatsachen aber zu seinem Gunsten dreht. In dem Artikel geht die Argumentation so weiter, dass die tatsächlich erlebten Sachen tiefere Eindrücke im Menschen hinterlassen, als irgendwelche ausgedachten Geschichten. Das Ausgedachte beschränkt sich auf akustisch und visuell eingeprägte Eindrücke, dahingegen sind beim wahrheitsgemäßen Bericht, auch Eindrücke wie Gefühle, Körperkontakt und Gerüche vorhanden.
Die Menschen sind sozusagen betroffener, bringen mehr Emotionen und komplexere Eindrücke mit in ihre Schilderung ein. Der Lügner ist damit beschäftigt, seine Erzählung als so wahrheitsgemäß wie möglich zu schildern. Er ist bestrebt, sich als gutes Charakter darzustellen, ohne Schwächen aufzuzeigen und Imageverluste zu riskieren. Im Gegensatz dazu sind Opfer von Misshandlungen angetan die Geschehnisse nochmals im Kopf durchzuspielen, sich selbst zu kritisieren und Reue aufzuzeigen nicht anders gehandelt zu haben.
Diese Tatsachen sind beim Lügner nicht vorzufinden, er ist weder selbstkritisch noch geht er seine eigenen Aussagen nochmals durch. Er stellt sich als unschuldig dar und tut so als wäre seine Aussage die einzig Richtige. Das Geschehen an sich wird jedoch nicht hinterfragt oder kritisiert. Zum Abschluss hoffe ich, dass dieser Artikel nicht als Ratgeber für chronisch veranlagte Lügner dient, die sich die Verhaltensweisen von „die Wahrheit Sagern" in ihren Lügengeschichten aneignen.