Präfrontaler Kortex, ein Gehirn Teil zum Lernen, Denken und Entscheiden.

Veröffentlicht am: in der Kategorie: Gehirn und Neurologie

Präfrontaler Kortex ist ein mächtiges Teil des Gehirns, das aber sehr schnell an Grenzen stößt, wenn es mit zu vielen Informationen gleichzeitig zugehauen wird. Unter „zu viel gleichzeitig" meine ich mehr als 2 Sachen die entscheiden, gelernt oder durchdacht werden sollen. Dieser Teil des Gehirns kommt hervorragend mit Einzelaufgaben klar. Das ist sein Hauptkompetenz.

Die komplexen Aufgaben wie Denken, Entscheiden und auch Lernen finden überwiegend im präfrontalen Kortex. Auf dem Bild habe ich das präfrontale Kortex mit seinen verschiedenen Teilen farblich markiert. Das sieht zwar, als ob es sich dabei um den gesamten Ausschnitt des Gehirns, handeln würde.
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Die neuronalen Verbindungen die für die Entscheidungsfindung, Denken und Lernen zuständig sind, bilden eine 2,5 Millimeter ! dünne Schicht, die das Gehirn wie ein Lappen überdecken.

Die dünne Schicht wird unter den Neurologen als Kortex genannt, nicht die Inneren Bereiche tief im Gehirn. Das ist relevant, denn im inneren des Gehirns, im Verborgenen, schlummern andere Regionen. Sie alle besitzen ihre eigene Namen und sind für unterschiedliche Aufgaben zuständig. Dabei handelt es ich unter anderem um Gyrus, Corpus Callosum, Entorhinal Kortex, Hipocampus. Manche von diesen Regionen werden unter dem Begriff: das Limbische System zusammengefasst.

Dieser Post soll allgemein und in einfacher Sprache erklären welche Aufgaben von dem präfrontalen Kortex bewältig werden.
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Präfrontaler Kortex macht nur 4, maximal 5 Prozent des Gehirns aus.

Obwohl das präfrontale Kortex auf dem Bild ziemlich viel Platz einnimmt. Handelt es sich bei dieser Gehirnregion nur um 4 bis 5 Prozent der gesamten Gehirnvolumens. Wie oben schon erwähnt es ist nur eine dünne Schicht. Diese Schicht hat sich in den letzten Tausenden von Jahren Entwickelt - so die Biologen und Neurobiologen. Die Entwicklung wurde von dem Zwang stimuliert unterschiedliche Aufgaben zu lösen wie Planung, Vorausdenken und das wichtigste: Entscheidungsfindung.

Präfrontaler Kortex verarbeitet die bewussten Reaktionen auf Situationen.


Die Rolle des präfrontalen Kortex zeichnet eine Eigenschaft aus: das Gehirnteil befasst sich mir Sachen, die bewusst verarbeitet werden. Dank dieser Gehirnregion agieren wir anstatt nur zu reagieren. (Fürs reagieren sind andere Bereiche zuständig, die wiederum bewusstes Handeln nicht bewältigen können - nur Reaktionen werden dort gesteuert.

„Der präfrontale Kortex enthält den Inhalt des Geistes zu jedem Beliebigen Zeitpunkt. Dort entstehen die Gedanken, die nicht von externen Quellen oder von unseren Sinneswahrnehmungen gespeist werden. Wir selbst erschaffen sie." Amy Arnsen, Professorin für Neurobiologie an der Yale Medical School.

Präfrontaler Kortex verarbeitet nur eine Sache, ein Problem, eine Aufgabe gleichzeitig.


Dank dem präfrontalen Kortex können wir also unsere Gedanken selbst schaffen. Wie erschaffen sie aus dem nichts - oder besser gesagt aus unseren bisherigen Erfahrungen und Erlebnissen. Ob die Gedanken aus dem Nichts entstehen können, kann ich selbst nicht beurteilen. Dazu müsste man einen Menschen untersuchen, dem keine Ressourcen also keine Erfahrungen und keine Erlebnisse zur Verfügung stehen. Vermutlich geht das nicht mit dem „aus dem nichts" Gedanken zu erschaffen. Es beginnt immer mit Reizen, diese werden weiter verarbeitet und enden als Gedanken. So wäre das glaube ich richtiger.

Um etwas lernen oder entscheiden zu können, muss die Information strukturiert sein.


Beim Lernen oder bei der Entwicklung eigener Kompetenzen ergeben sich dadurch wichtige Schlussfolgerungen. Man kann schlicht weg nicht lernen, wenn man mit Informationen zugehauen wird. Der Stoff muss in Einzelteile strukturiert werden damit es von präfrontalem Kortex verarbeitet werden kann. Wer anders denkt, dem empfehle ich folgendes Experiment. Versuche folgendes zu tun:
- an zwei Sachen gleichzeitig denken - beispielsweise zwei analytische Aufgaben gleichzeitig zu lösen: 2+2 und 9-4. (Bitte gleichzeitig, nicht nacheinander!)
- sich mit zwei Personen gleichzeitig zu unterhalten, oder zwei Personen gleichzeitig hören: einer die im Raum präsent ist und einer andern am Telefon. (schwierig oder?)
- mit der einen Hand etwas zeichnen, und mit der anderen Hand beispielsweise im Topf rühren.

Und ? schwierig ? oder sogar unmöglich nicht wahr?

Die Aufgaben die gleichzeitig ablaufen sollen, können gelernt werden.


Allerdings ohne vorheriges mühsames Wiederholen und Lernen wird man zwei Sachen auf einmal nicht machen können. Zumindest nicht gut genug.
Ein Pianist beispielsweise kann gleichzeitig verschiedene Rhythmen und Melodien auf einem Klavier spielen - aber nur deshalb weil er es gelernt hat und mühsam geübt hat. Ein Mensch der niemals Klaviergespielt hat, wird Schwierigkeiten haben alleine verschiedene Rhythmen mit beiden Händen zu koordinieren.
Das liegt daran, dass das gelernte wiederum unter Zuhilfenahme von weiteren Teilen des Gehirns verarbeitet, eingeprägt und verfestigt wird.
Es gibt nämlich ein Bereich im Gehirn, das speziell dafür zuständig ist, gelerntes automatisch ausführen. Dieses Gehirnteil heißt Basalganglien. Aber darüber ein anderes mal.

Präfrontaler Kortex ist wie ein Schreibtisch, der ständig aufgeräumt werden muss.


Am besten kann ich den präfrontalen Kortex als ein Schreibtisch darstellen, der nur dann gut seinen Zweck erfüllt, wenn er gut aufgeräumt ist. Befindet sich nur das nötigste auf dem Schreibtisch - also nur die eine Aufgabe an der man gerade arbeitet, so ist es am wahrscheinlichsten, dass man die Aufgabe auch konzentriert und vernünftig erledigt. Wenn ich jetzt Biologie lerne oder Mathematik oder vielleicht meine Geburtstagsfeier vorbereiten will, ist es besser sich nur mit einer dieser drei Aufgaben hier und jetzt zu beschäftigen. Wenn ich auf meinem Schreibtisch zu viele Biologie Bücher oder Mathe-Hefte oder aber Party und Catering-Angebote ablege, kann ich kaum entscheiden was ich als erstes machen soll. Und wenn ich es schon entschieden habe, dann sehe ich ständig die anderen Sachen, denn die sind ja im Blickfeld immer da. Und kann mich einfach nicht richtig konzentrieren.

Ein gehirngerechter Lerntipp zum Schluss : Beschäftige Dich immer mit nur einer Sache hier und jetzt und Dur wirst die Möglichkeiten des präfrontalen Kortex gut ausnutzen. Nur dann kann es nämlich vernünftig denken, lernen und entscheiden.