3.2.2 Kontextelemente für Teamkompetenz

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Abschnitt 3.2.2 beschreibt die Kontextelemente für Teamkompetenz. Dabei wird untersucht wie soll die Umgebung gestaltet werden, damit Kompetenzentwicklung in Teams (also in Gruppen) gelingt.

3.2.2 Kontextelemente für Teamkompetenz
Im Kapitel 3.1 dieser Arbeit wurden Muster vorgestellt, die sich herausbilden, wenn ein Individuum seine Kompetenzen entwickelt. Je mehr Menschen miteinander agieren, desto größere Komplexität entsteht, und je größer die Komplexität, desto wahrscheinlicher die Möglichkeit zur Erkennung von weiteren, kontextuellen Mustern.

Coaching
Nach Erpenbeck und Sauter erfolgt Kompetenzentwicklung durch Coaching innerhalb folgender fünf Phasen: Kontaktphase, Diagnosephase, Handlungsalternativenphase, Umsetzungsphase, Reflexions- und Auswertungsphase. (Vgl. Erpenbeck (2007), S. 106)

In der Kontaktphase werden die Grundinformationen über die Ziele und Erwartungen gesammelt. Dabei wird zwischen dem Ist- und dem Sollzustand differenziert.

In der Diagnosephase kommt es zu genauerem Kennenlernen der komplexen Wirklichkeiten des Gecoachten und des Coaches im Hinblick auf Entwicklung von Kompetenzen. Hier werden die ersten Gedanken über die Möglichkeiten und über die Schwierigkeiten gesammelt.

In der dritten Phase, Handlungsalternativenphase, handelt es sich um die Differenzierung von wahrscheinlichen Situationen. Für jede mögliche Situation werden Handlungsalternativen gebildet und auf Vorteilhaftigkeit abgewogen. Auch die Probleme und die Hindernisse werden in dieser Phase analysiert.

Die Umsetzungsphase wir von der Realisation der gewählten Handlungsalternativen gekennzeichnet. Die Verwirklichung von vorhin gewählten Alternativen wir dann den gecoachten überlassen. Dabei können sie Eigenverantwortung entwickeln.

Die letzte, Reflexions- und Auswertungsphase dient der Analyse des Verhaltens und der verwirklichten Handlungen. Es findet ein Abgleich zwischen den vorgenommenen Zielen und dem herbeigeführten Zustand.

Der Aufbau der oben beschriebenen Coachingphasen kann als eine solide Alternative für Kompetenzentwicklung bei Berufsanfängern bezeichnet werden. Im Vergleich mit dem Solution Cycle von Bergmann, fehlt es der Systematik von Erpenbeck und Sauter an expliziten Lernphasen. Hinzukommt, dass die fünf Prozessstuffen als ein geschlossenes System wirken. Nach der Reflexions- und Auswertungsphase folgen keine weiteren Alternativen, mit dem eben gewonnenen Erkenntnissen eine neue Wirklichkeit zu gestalten.

Eine weitere denkbare Alternative wäre es die Systematik von Erpenbeck und Sauter mit dem Solution Cycle von Bergmann zu verknüpfen. Die Fehlende Lernphase und die Abschluss-Loslassen Phase zu ergänzen. Schließlich die auf diese weise neuentstandene Systematik als Beobachter zweiter Ordnung anzuwenden.
Jeder Berufsanfänger kann in die Lage versetzt werden, sich selbst als ein Coach vorzustellen und sämtliche Coachingsphasen mit sich selbst durchlaufen zu lassen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse müssen nicht immer monoton oder monothematisch wirken. Denkbar ist in diese Systematik die Multiperspektivität von Edvard de Bono einzuschließen. Auf diese Weise kann Coaching abwechselnd aus verschiedenen, imaginären Perspektiven durchgeführt werden.

Multiperspektivität
Die Methode der "Denkhüte" von De Bono bietet eine Möglichkeit der multiperspektivistischen Betrachtung von Chancen und von Problemen der Kompetenzentwicklung. De Bono beschreibt die Denkhüte als unterschiedliche Denkweisen. Dabei wird jeder Hut in unterschiedlicher Farbe dargestellt um die Differenzierung zwischen den einzelnen wohl unterschiedlichen Denkweisen zu verdeutlichen. Es wird zwischen 6 Denkweisen, Denkhüten unterschieden: (Vgl. De Bono (2010) S. 57-80).
Weiß - der weiße Hut Symbolisiert den tatsächlichen Zustand, das was ist, so wie es wahrgenommen wird. Rot - der rote Hut bildet die Emotionale Perspektive ab. Hier wird der Fokus auf Gefühle, Empfindungen, Gemütszustände gelegt. Schwarz - der schwarze Hut symbolisiert einen Widerspruch, aus dieser Perspektive wird möglichst häufig hinterfragt. Diese kritische Betrachtung bringt Risiken, Probleme, Ängste und Kritik zum Vorschein. Gelb - der gelbe Hut steht für eine optimistische Perspektive. Aus dieser Sicht wird das möglichst beste Ergebnis präsentiert. Sämtliche Vorteile werden dabei angedeutet und in Aussicht gestellt. Grün - der grüne Hut symbolisiert Entwicklung und Wachstum in der Natur. Diese Perspektive kann als die kreative, schöpferische Sichtweise beschrieben werden. Aus der Sicht des Trägers mit einem grünen Hut wird nach weiteren Möglichkeiten, Ideen und Vorschlägen gesucht. Es werden Analogien gebildet und Alternativen entwickelt. Blau - letztendlich symbolisiert der blaue Hut das Gesamtbild. Diese Perspektive dient den gewonnenen Ideen Ordnung und Struktur zu verleihen.

Die Methode der "Denkhüte" nach De Bono bezieht alle wichtigen Perspektiven der Betrachtung mit ein. Vor allem die Emotionale Ebene, die bei den Menschen so stark ausgeprägt ist, wird explizit benannt und in die Systematik mit einbezogen. Jeder Berufsanfänger kann auf diese Weise seine eigene Kompetenzen, und die Entwicklung von einzelnen Fähigkeiten auf diese Weise durchspielen. Die Anzahl der dadurch gewonnenen Erkenntnisse und Sichtweisen ist enorm. Mit Hilfe dieser Methode kann sich jeder Teilnehmer in eine bestimmte Rolle versetzen. Die Ideengewinnung, die auf der "Denkhüte" Methode basiert ähnelt daher einem Spiel oder einer Theatervorstellung. Durch das Spielen eröffnen Menschen einen Zugang zu ihren unbewussten Potenzialen. Spielen ist eine der wenigen Möglichkeiten das wahre Ich zu offenbaren. Dadurch werden die individuellen und im inneren verwurzelten Fähigkeiten bewusst. Erst wenn sie bewusst werden, können sie gezielt aber auch auf spielerische Weise weiterentwickelt werden.
Die multiperspektive Betrachtungsweise schützt vor Eingebildetheit und vor Festklammerung an eine bestimme "Wahrheit" und sensibilisiert, dass es andere Sichtweisen geben kann und dass sie auch legitim sein können.

Das kombinierte System: Coachingmodell von Erlenbach und Sauter, Colution Cycle von Bergmann und die "Denkhüte" Methode von De Bono bietet somit ein umfangreiches Instrumentarium, das zur Entwicklung von individuellen Kompetenzen wie auch von Team-Kompetenzen angewendet werden kann. Die Struktur des Coachingsmodells, die Lernorientierung und Offenheit (Kein Regelkreis, sondern ein offenes System) des Colution Cycle und die Multiperspektivität der Denkhüte ermöglichen eine ganzheitliche, holistische Kompetenzentwicklung. Dank diesen Methoden werden neue Möglichkeiten erschaffen, die für Entwicklung von Kompetenzen und der Persönlichkeit eines jeden Berufsanfängers (und nicht nur) zu fördern. Die Entwicklung kann individuell, in der Gruppe oder auch kombiniert erfolgen.

act4teams
Unter act4teams versteht man ein umfangreiches Instrument, bzw. ein prozessanalytisches Verfahren, das zur Messung und Entwicklung von Teamkompetenzen genutzt werden kann (Vgl.Kauffeld / Grote (2009), S. 193-209)

3.2.3 Probleme, Grenzen und Gefahren: Kompetenzentwicklung in Teams

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Autor: Krzysztof