Anforderungsanalyse und Interviews mit Migranten
Interviews und die anschließende Analyse der Anforderungen an die Applikation. Erste Schritte in Richtung Prototypen der App für Migranten.
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Meinen Studienplan erstellenInterviews und die anschließende Analyse der Anforderungen an die Applikation. Erste Schritte in Richtung Prototypen der App für Migranten.
Die Affordance der Applikation für Migranten. Die Affordance-Theorie nach James Jerome Gibson besagt, dass die Eigenschaften einer Umgebung den in ihr agierenden Organismen eine bestimmte Aktion und Handlung nahe legen. Beispielhaft wird hierfür der Stuhl genannt, der den Menschen durch sein Design vorgibt, dass man auf ihm entweder sitzen oder stehen kann (Vgl. Greeno, 1994).
Die Affordance kann man für unser Projekt auf Applikationen für Smartphones allgemein beziehen. Der Nutzer weiß durch die Gestaltung der App selber, dass diese als solche zu gebrauchen ist. Hierbei ist jedoch wichtig, dass die App so konzipiert wird, dass sie in ihren Funktionen einfach nachzuvollziehen und sich auf die Bedürfnisse der Nutzer ausrichtet. Da die App für Migranten gedacht ist, ist es sinnvoll die Funktionen der App nach den Bedürfnissen dieser Zielgruppe auszurichten. Um einen Eindruck von den Bedürfnissen kürzlich in die Bundesrepublik Deutschland zugezogener Studenten zu erhalten, führten wir qualitative Interviews durch.
Die Auswertung dieser Gespräche brachte uns Informationen darüber wie die Applikation genau gestaltet werden soll und über welche Funktionalitäten sie verfügen soll.
Wir handelten somit im Sinne der Ansätze Participatory Design, der das Involvieren der Benutzer am Entstehungsprozess beschriebt und User-Driven Innovation (Vgl. von Hippel 2005). Es entsteht somit ein aktiver Austausch zwischen Entwickler und Nutzer, bei dem beide Seiten von der gegenseitigen Partizipation an der jeweiligen Welt des anderen im Endeffekt profitieren.
Qualitative Interviews
Die qualitative Interviewmethode bietet sich vor allem zur „Aufstellung von Klassifikationen oder Typologien" (Winter, 2000) an, die es hierbei herauszufinden galt.

Die qualitativen Interviews zählen in der Ethnographie zu den Semistrukturierten Interviews, die offene Leitfragen voranstellen, die im Laufe des Interviews aber verändert oder ergänzt werden können. (Vgl. HCI Vorlesungsfolie 48). Durch diese Art der Methodenwahl erhofften wir uns ein vielseitiges Antwortspektrum, aus denen wir möglichst breit die Benutzerbedürfnisse der App abzudecken erhofften.
Im Vorfeld formulierten wir fünf offene Leitfragen, samt allgemeinen Auskünften über das Alter, das Geschlecht, die Herkunft und den Studiengang der Befragten. (Anhang A.1. „Leitfragen des qualitativen Interviews") Die Interviews führten wir mit insgesamt 15 ausländischen Studenten, die einen Migrationshintergrund haben. Jeder von uns führe Interviews mit 5 Personen. Die Fokusgruppe bestand aus 5 ausländischen Studierenden, die schon an der Universität Siegen eingeschrieben sind, 5 ausländische Studierende aus verschiedenen Universitäten, die währen der MUN Konferenz befragt wurden und schließlich 5 Migranten, die Interesse äußerten in der Zukunft an einer Universität zu studieren. Diese Aufteilung ermöglichte uns nicht nur auf die Wünsche der zukünftigen Studenten einzugehen, sondern auf die Erfahrungswerte der Studenten zuzugreifen, die den Weg in Richtung Hochschulbildung schon gegangen sind.
Die Auswertung der Interviews
Die Befragung ergab, dass die größte Problematik für die Befragten nach ihrer Einreise nach Deutschland die Sprachbarriere darstellt, aus der sich weitere Probleme ergeben. Oftmals war es den Befragten unklar, wie bestimmte Abläufe an der Universität von statten gehen oder auch wie behördliche Angelegenheiten zu regeln sind.
Aus diesen Erkenntnissen ergaben sich die ersten Kategorien, die die App enthalten sollte: eine Seite mit direkten Links zu den wichtigsten Webseiten der Universität, sowie eine weitere Unterseite, die eine Auflistung wichtiger Webseiten von Behörden enthält.

Aus den Gesprächen ließ sich ebenfalls schließen, dass eine Anbindung an Facebook und hier im Speziellen eine Verlinkung mit Gruppen, in denen ausländische Studenten vermehrt Mitglieder sind, hilfreich sein könnte. Dazu zählen die Universitätsprojekte MUN Siegen und ISIS (International Students in Siegen).
Durch die Interviews wurden uns auch ganz banale, alltägliche Probleme der ausländischen Studenten bewusst, beispielsweise gewünschte Hilfen beim Umzug. Unser schon Anfangs selbst auferlegter Anspruch die App wie eine OnlineCommunity zu gestalten, zeigte sich schon durch diesen Punkt als sinnvoll. Wenn die User untereinader vernetzt wären, könnten sie solche Dinge absprechen und sich gegenseitig helfen.
Wir konnten aus der Befragung auch Rückschlüsse über die Herkunftsländer der Studenten ziehen und sahen den Anspruch der internationalen Ausrichtung der Universität Siegen bestätigt. Von den 15 Befragten kamen 9 aus verschiedenen Herkunftsländern. Dies brachte uns zu den nächsten Frage für die Gestaltung der Applikation: in welchen Sprachen bieten wir die App an?
Wir entschlossen uns die Sprachauswahl der App auf Deutsch und Englisch zu reduzieren, da man davon ausgehen kann, dass Studenten der englischen Sprache mächtig sind und diese bilinguale Ausrichtung der App ausreichend sein würde. Darüber hinaus hat diese relativ kleine Befragung schon gezeigt, dass man bestimmte Sprachen und damit Nationalitäten unwissentlich ausgrenzen könnte, wenn man versuchen würde alle Herkunftsländer abzudecken.
Das Alter der Befragten liegt zwischen 24 und 31 Jahren. Diese Erkenntnis würden wir für bestimmte Kategorien brauchen, worauf wir im nächsten Kapitel näher eingehen werden.
 Außerdem erfassten wir die Aufenthaltsdauer in Deutschland, die bei den Befragten im Schnitt bei 3,7 Jahren lag.
Die Befragung half uns, die App auf die Bedürfnisse und Problemfelder der Studenten genau anzupassen und auf Basis der Ergebnisse die Kategorien der App festzulegen. Diese wurden anhand Problemfelder gebildet, die im weiteren Kapitel dieser Ausarbeitung aufgelistet werden.