Erste Forschungsfrage: Grundvoraussetzungen und Rahmen für Kompetenzentwicklung
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In diesem Teil wird die erste Forschungsfrage erläutert. Sie beschäftigt sich überwiegend mit den Grundvoraussetzungen und den Rahmenbedingungen für nachhaltige und erfolgreiche Kompetenzentwicklung.
„Was sind die Grundvoraussetzungen, die eine nachhaltige Kompetenzentwicklung ermöglichen, die zeitlebens fortgeführt werden kann und zwar so, dass für alle Beteiligten neue Handlungsalternativen entstehen?" Der erste Akt: Die Katalysatoren der individuellen Kompetenzentwicklung.
Anthropologen versuchen seit Jahrhunderten die Grundmerkmale menschlichen Verhaltens immer wieder neu zu definieren. Im neunzehnten Jahrhundert erklärte Karl Marx, dass die menschliche Entwicklung ein Produkt der natürlichen Evolution sei. Laut Marx produziert der Mensch materielle Güter ausschließlich um Bedürfnisse wie: „Essen, Trinken, Wohnung, Kleidung und einiges mehr..." (Esser, (1993) S.163) zu befriedigen. Der Mensch begegnet Problemen und versucht sie mit unterschiedlichen Werkzeugen zu lösen. Die Notwendigkeit Probleme zu lösen, war nach Marx ursprünglich für die Entwicklung von besonderen Fähigkeiten wie Werkzeuggebrauch oder Sprache.
Fast ein Jahrhundert später begründete Arnold Gehlen die Grundlage der menschlichen Entwicklung nicht mehr mit der Notwendigkeit Probleme zu lösen sondern mit der Handlungsfähigkeit des Menschen. Die mangelnde Überlebensfähigkeit mit der der Mensch geboren wird, bewegt ihn zu Entwicklung von bestimmten Handlungsfähigkeiten die sein Überleben sichern sollen. (Vgl. Gehlen, (1993), S. 416).
Diese beiden oben genannten Theorien wurden von George Herbert Mead mit dem Gedanken ergänzt, dass problemlösendes Handeln eines Menschen immer im sozialen Zusammenhang und unter Berücksichtigung der einzelnen Teile, die einen Handlungsakt bilden. Diese Bestandteile: Aufmerksamkeit, Rückempfindung, Hemmung, ermöglichen ein selbstreferentielles Handeln das mit Hilfe von Sprache koordiniert wird. (Vgl. Mead (1934), Mind, Self and Society, zit. nach Esser (1993), S. 176)
Mit einem noch stärkeren Nachdruck auf die Notwendigkeit der sozialen Kooperation hat Richard Dowkins im Werk „Das egoistische Gen" aufmerksam gemacht. (Vgl. Dowkins (2006), S. 26-31) Dieses werk wurde in der Literatur häufig mit dem Satz zusammengefasst: „Der wahre Egoist kooperiert" (Bergmann (2006), S.297).
Schließlich hat Niklas Luhmann die Theorie der Sozialen Systeme entwickelt, die auf Kommunikation basieren. Diese auf Basis von Erkenntnissen von Francisco Varela und Humberto Maturana entwickelte Theorie beschreibt die verbale und nonverbale Kommunikation als ein unverzichtbares Bestandteil des zwischenmenschlichen Daseins.
Die Analyse der historischen Entwicklung der oben genannten Theorien weist auf die Relevanz des Kontextes sowie der sozialen Aspekte die für die Entwicklung der menschlichen Problemlösefähigkeiten ausschlaggebend sind. Jede weitere Theorieentwicklung kann gleichzeitig als Kritik der früheren Theorie sowie als deren Ergänzung interpretiert werden. Die aktuellsten neurobiologischen Erkenntnisse bauen auf den bisherigen Erkenntnissen auf und verlagern den Schwerpunkt für Entwicklung von stabilen Persönlichkeiten auf die Gestaltung von günstigen Kontexten und Bedingungen. Die menschlichen Bedürfnisse, die in früheren Theorien als ausschlaggebend für die Entwicklung von Fähigkeiten dargestellt wurden, scheinen an Präzision verloren zu haben. Laut Hüther sind Bedürfnisse nach Unabhängigkeit und Verbundenheit fest im Gehirn verankert. (Vgl. Hüther (2011) S.140-144). Diese potenziell gegenseitige, sich ausschließende Bedürfnisse, bilden aus neurobiologischer Sicht die Basis für kohärente Persönlichkeitsentwicklung.
Unabhängigkeit ist notwendig um eigenen Neigungen, Vorlieben und Interessen folgen zu dürfen. Diese Interessen spiegeln unsere Persönlichkeit wider, weil sie auf Grundlage des Erlebten sich herausgebildet haben und zeitlebens weiterentwickelt werden. Das Bedürfnis nach Verbundenheit wiederum wird fest im Gehirn auf Basis menschlicher, biologischer Entwicklung verankert. Schon vor der Geburt sind Menschen aufs Engste verbunden. Nach der Geburt wiederum erkennen sie sich selbst dank der sozialen Verbundenheit in anderen.
Dabei stellt sich die Frage wie die Berufsanfänger ihr Wissen und Kompetenzen vor dem Hintergrund der sozialen und kommunikativen Komplexität der Wirtschaftswelt innerhalb von Gruppen entfalten können. Und zwar auf kooperative und nicht auf kompetitive, wettbewerbbasierte Art und Weise. Nach Bergmann streben die Menschen zeitlebens nach Imitation, Kooperation und Akzeptanz (im Sinne von Anerkennung). (Vgl. Bergmann (2009), S.14-16 ). Dieses Verhaltensmuster kann als Resultat von bewusster und vor allem unbewusster, gegenseitiger Wirkung von Akteuren in einem sozialen System dargestellt werden.
Hieraus folgt die zweite Forschungsfrage:Forschungsfrage.