Freelancer-Stundensatz berechnen
Wie kalkuliere ich meinen Stundensatz als Selbstständiger unter Berücksichtigung von Inflation und Sozialversicherung?
Wichtiger Hinweis: Dies ist keine Finanz- oder Anlageberatung. Alle Inhalte dienen nur zu Informationszwecken. Nutzung auf eigenes Risiko.
Projekt-Plan
Warum: Dein Stundensatz muss primär dein Leben finanzieren. Ohne diese Basis arbeitest du unter Wert.
Wie:
- Liste Miete, Lebensmittel, Versicherungen und Freizeitaktivitäten auf.
- Nutze Kontoauszüge der letzten 6 Monate für einen realistischen Durchschnitt.
- Addiere einen Puffer von 10 % für Unvorhergesehenes.
Erledigt, wenn: Eine Summe für den monatlichen Privatbedarf feststeht.
Warum: Geschäftskosten mindern deinen Gewinn und müssen vom Umsatz gedeckt werden.
Wie:
- Erfasse Software-Abos, Büromiete, Hardware-Abschreibungen und Marketingkosten.
- Berücksichtige Beiträge für Berufsverbände und Versicherungen (z.B. Betriebshaftpflicht).
- Rechne Fortbildungskosten (ca. 500–2.000 €/Jahr) mit ein.
Erledigt, wenn: Die jährlichen Gesamtkosten des Betriebs bekannt sind.
Warum: Dies ist der Betrag, der nach Steuern und Sozialversicherungen für Konsum und Vermögensaufbau übrig bleiben soll.
Wie:
- Gehe von deinen Lebenshaltungskosten aus.
- Addiere einen Betrag für den Vermögensaufbau (z.B. 15 % des Netto).
- Setze eine realistische Zahl fest, die deiner Erfahrung entspricht.
Erledigt, wenn: Ein konkreter monatlicher Wunsch-Nettobetrag fixiert ist.
Warum: Du kannst niemals 365 Tage im Jahr abrechnen. Überschätzung führt zu Liquiditätsengpässen.
Wie:
- Start: 365 Tage minus 104 (Wochenenden) minus ca. 10 (Feiertage) = 251 Tage.
- Abzug: 30 Tage Urlaub und 10-15 Tage Krankheit = ca. 210 Arbeitstage.
- Produktivitätsfaktor: Multipliziere mit 0,6 (60 %), da 40 % für Akquise, Buchhaltung und Admin draufgehen.
Erledigt, wenn: Eine realistische Anzahl an Jahresstunden (ca. 1.000–1.200 Std.) vorliegt.
Warum: Als Selbstständiger zahlst du die Beiträge (oft) komplett allein, was ca. 35–40 % deines Gewinns ausmacht.
Wie:
- Krankenversicherung (GKV): Plane mit ca. 14,6 % + ca. 2,9 % Zusatzbeitrag (Stand 2026).
- Pflegeversicherung: Ca. 3,4 % (mit Kindern) bis 4,0 % (kinderlos).
- Rentenvorsorge: Kalkuliere mindestens 18,6 % für die Altersvorsorge ein (ob gesetzlich oder privat).
Erledigt, wenn: Der prozentuale Aufschlag für Sozialabgaben in der Kalkulation steht.
Warum: Die Inflation (Prognose 2025/26 ca. 2 %) entwertet dein Honorar schleichend. Ein Puffer sichert deine Kaufkraft.
Wie:
- Schlage pauschal 3-5 % auf deine Gesamtkosten auf.
- Dies deckt steigende Kosten für Energie, Software und Lebenshaltung ab, ohne dass du jährlich neu verhandeln musst.
Erledigt, wenn: Der Inflationsausgleich in die Kostenbasis eingerechnet wurde.
Warum: Du musst wissen, wie viel Geld insgesamt reinkommen muss, bevor du Steuern zahlst.
Wie:
- Formel: (Privatbedarf + Betriebskosten + Sozialabgaben + Altersvorsorge) / (1 - durchschnittlicher Steuersatz).
- Da Steuern progressiv sind, nutze einen Online-Rechner für Einkommensteuer (ca. 25–35 % als Schätzwert).
Erledigt, wenn: Der benötigte Jahresumsatz als Zielwert feststeht.
Warum: Dies ist dein mathematisch korrekter Preis, unter dem du Verluste machst.
Wie:
- Formel: Benötigter Jahresumsatz / fakturierbare Stunden.
- Beispiel: 80.000 € Umsatz / 1.000 Stunden = 80 €/Std. (Netto).
- Runde das Ergebnis auf die nächsten 5 € auf, um Verhandlungsspielraum zu haben.
Erledigt, wenn: Ein konkreter Euro-Betrag pro Stunde feststeht.
Warum: Ein mathematisch richtiger Preis nützt nichts, wenn er völlig am Markt vorbeigeht.
Wie:
- Prüfe Portale wie GULP oder Freelancer-Kompass für deine Branche.
- Liegt dein Satz deutlich darunter? Erhöhe ihn sofort.
- Liegt er deutlich darüber? Prüfe, ob deine Spezialisierung den Aufpreis rechtfertigt.
Erledigt, wenn: Dein Satz innerhalb der marktüblichen Spanne liegt.
Warum: Ohne exakte Daten über deine unproduktiven Zeiten ist jede Kalkulation nur eine Schätzung.
Wie:
- Nutze kostenlose Open-Source-Tools oder einfache Tracker.
- Erfasse konsequent auch Admin-Zeiten, um deinen Produktivitätsfaktor (0,6) zu validieren.
Erledigt, wenn: Jede Arbeitsstunde einer Kategorie (fakturierbar/nicht fakturierbar) zugeordnet ist.
Warum: Kosten und Inflation ändern sich. Ein statischer Preis veraltet schnell.
Wie:
- Vergleiche am Quartalsende: Ist der Gewinn nach Abzug aller Kosten wie geplant?
- Wenn die Inflation oder Sozialabgaben steigen, passe den Satz für Neukunden sofort an.
Erledigt, wenn: Ein Termin im Kalender für die nächste Prüfung steht.