Offizielle Vorlage

Freelancer-Stundensatz berechnen

A
von @Admin
Finanzen & Geld

Wie kalkuliere ich meinen Stundensatz als Selbstständiger unter Berücksichtigung von Inflation und Sozialversicherung?

⚠️

Wichtiger Hinweis: Dies ist keine Finanz- oder Anlageberatung. Alle Inhalte dienen nur zu Informationszwecken. Nutzung auf eigenes Risiko.

Projekt-Plan

11 Aufgaben
1.

Warum: Dein Stundensatz muss primär dein Leben finanzieren. Ohne diese Basis arbeitest du unter Wert.

Wie:

  • Liste Miete, Lebensmittel, Versicherungen und Freizeitaktivitäten auf.
  • Nutze Kontoauszüge der letzten 6 Monate für einen realistischen Durchschnitt.
  • Addiere einen Puffer von 10 % für Unvorhergesehenes.

Erledigt, wenn: Eine Summe für den monatlichen Privatbedarf feststeht.

2.

Warum: Geschäftskosten mindern deinen Gewinn und müssen vom Umsatz gedeckt werden.

Wie:

  • Erfasse Software-Abos, Büromiete, Hardware-Abschreibungen und Marketingkosten.
  • Berücksichtige Beiträge für Berufsverbände und Versicherungen (z.B. Betriebshaftpflicht).
  • Rechne Fortbildungskosten (ca. 500–2.000 €/Jahr) mit ein.

Erledigt, wenn: Die jährlichen Gesamtkosten des Betriebs bekannt sind.

3.

Warum: Dies ist der Betrag, der nach Steuern und Sozialversicherungen für Konsum und Vermögensaufbau übrig bleiben soll.

Wie:

  • Gehe von deinen Lebenshaltungskosten aus.
  • Addiere einen Betrag für den Vermögensaufbau (z.B. 15 % des Netto).
  • Setze eine realistische Zahl fest, die deiner Erfahrung entspricht.

Erledigt, wenn: Ein konkreter monatlicher Wunsch-Nettobetrag fixiert ist.

4.

Warum: Du kannst niemals 365 Tage im Jahr abrechnen. Überschätzung führt zu Liquiditätsengpässen.

Wie:

  • Start: 365 Tage minus 104 (Wochenenden) minus ca. 10 (Feiertage) = 251 Tage.
  • Abzug: 30 Tage Urlaub und 10-15 Tage Krankheit = ca. 210 Arbeitstage.
  • Produktivitätsfaktor: Multipliziere mit 0,6 (60 %), da 40 % für Akquise, Buchhaltung und Admin draufgehen.

Erledigt, wenn: Eine realistische Anzahl an Jahresstunden (ca. 1.000–1.200 Std.) vorliegt.

5.

Warum: Als Selbstständiger zahlst du die Beiträge (oft) komplett allein, was ca. 35–40 % deines Gewinns ausmacht.

Wie:

  • Krankenversicherung (GKV): Plane mit ca. 14,6 % + ca. 2,9 % Zusatzbeitrag (Stand 2026).
  • Pflegeversicherung: Ca. 3,4 % (mit Kindern) bis 4,0 % (kinderlos).
  • Rentenvorsorge: Kalkuliere mindestens 18,6 % für die Altersvorsorge ein (ob gesetzlich oder privat).

Erledigt, wenn: Der prozentuale Aufschlag für Sozialabgaben in der Kalkulation steht.

6.

Warum: Die Inflation (Prognose 2025/26 ca. 2 %) entwertet dein Honorar schleichend. Ein Puffer sichert deine Kaufkraft.

Wie:

  • Schlage pauschal 3-5 % auf deine Gesamtkosten auf.
  • Dies deckt steigende Kosten für Energie, Software und Lebenshaltung ab, ohne dass du jährlich neu verhandeln musst.

Erledigt, wenn: Der Inflationsausgleich in die Kostenbasis eingerechnet wurde.

7.

Warum: Du musst wissen, wie viel Geld insgesamt reinkommen muss, bevor du Steuern zahlst.

Wie:

  • Formel: (Privatbedarf + Betriebskosten + Sozialabgaben + Altersvorsorge) / (1 - durchschnittlicher Steuersatz).
  • Da Steuern progressiv sind, nutze einen Online-Rechner für Einkommensteuer (ca. 25–35 % als Schätzwert).

Erledigt, wenn: Der benötigte Jahresumsatz als Zielwert feststeht.

8.

Warum: Dies ist dein mathematisch korrekter Preis, unter dem du Verluste machst.

Wie:

  • Formel: Benötigter Jahresumsatz / fakturierbare Stunden.
  • Beispiel: 80.000 € Umsatz / 1.000 Stunden = 80 €/Std. (Netto).
  • Runde das Ergebnis auf die nächsten 5 € auf, um Verhandlungsspielraum zu haben.

Erledigt, wenn: Ein konkreter Euro-Betrag pro Stunde feststeht.

9.

Warum: Ein mathematisch richtiger Preis nützt nichts, wenn er völlig am Markt vorbeigeht.

Wie:

  • Prüfe Portale wie GULP oder Freelancer-Kompass für deine Branche.
  • Liegt dein Satz deutlich darunter? Erhöhe ihn sofort.
  • Liegt er deutlich darüber? Prüfe, ob deine Spezialisierung den Aufpreis rechtfertigt.

Erledigt, wenn: Dein Satz innerhalb der marktüblichen Spanne liegt.

10.

Warum: Ohne exakte Daten über deine unproduktiven Zeiten ist jede Kalkulation nur eine Schätzung.

Wie:

  • Nutze kostenlose Open-Source-Tools oder einfache Tracker.
  • Erfasse konsequent auch Admin-Zeiten, um deinen Produktivitätsfaktor (0,6) zu validieren.

Erledigt, wenn: Jede Arbeitsstunde einer Kategorie (fakturierbar/nicht fakturierbar) zugeordnet ist.

11.

Warum: Kosten und Inflation ändern sich. Ein statischer Preis veraltet schnell.

Wie:

  • Vergleiche am Quartalsende: Ist der Gewinn nach Abzug aller Kosten wie geplant?
  • Wenn die Inflation oder Sozialabgaben steigen, passe den Satz für Neukunden sofort an.

Erledigt, wenn: Ein Termin im Kalender für die nächste Prüfung steht.

0
0

Diskussion

Melde dich an, um an der Diskussion teilzunehmen.

Lade Kommentare...