Psychologische Erste Hilfe
Anleitung: Wie beruhige ich Menschen unter Schock nach einem Unfall oder einer Katastrophe (Akut-Intervention)?
Projekt-Plan
Bevor du psychologische Hilfe leistest, muss die physische Sicherheit gewährleistet sein.
- Trage eine Warnweste (nach EN ISO 20471).
- Sichere die Unfallstelle mit einem Warndreieck in ausreichendem Abstand (50m innerorts, 150m Autobahn).
- Achte auf Gefahren wie auslaufende Betriebsstoffe oder instabile Strukturen.
- Eigenschutz geht vor Fremdschutz. Erledigt, wenn: Die Unfallstelle physisch gesichert ist und du selbst außer Gefahr bist.
Dies ist der Standard-Leitfaden für die Akut-Intervention in Deutschland:
- Abschirmen: Bringe die Person aus dem Sichtfeld von Gaffern oder der direkten Gefahrenquelle. Nutze Decken oder stelle dich als Sichtschutz auf.
- Ansprechen: Gehe auf Augenhöhe, stelle dich namentlich vor und sage: 'Ich bin bei Ihnen, ich bleibe hier, Hilfe ist unterwegs.'
- Abfragen: Stelle einfache Ja/Nein-Fragen, um die Orientierung zu prüfen (Name, Ort, Geschehen). Erledigt, wenn: Kontakt hergestellt ist und die Person räumlich/visuell isoliert wurde.
In der Schockphase sind bestimmte Sätze kontraproduktiv. Streiche folgende Aussagen:
- 'Beruhigen Sie sich!' (wirkt wie ein Befehl und stresst mehr).
- 'Es wird alles wieder gut.' (unwahre Versprechung, zerstört Vertrauen).
- 'Ich weiß, wie Sie sich fühlen.' (nein, weißt du nicht).
- 'Sie haben Glück gehabt, dass...' (relativiert das Leid).
- 'Hätten Sie mal lieber...' (Schuldzuweisungen). Erledigt, wenn: Du während der gesamten Interaktion keine dieser Phrasen verwendet hast.
Nutze diese Technik, um das parasympathische Nervensystem der betroffenen Person zu aktivieren:
- 4 Sekunden lang tief durch die Nase einatmen.
- 7 Sekunden lang den Atem anhalten.
- 8 Sekunden lang hörbar durch den Mund ausatmen.
- Mache die Übung synchron mit der Person vor. Erledigt, wenn: Die Atemfrequenz der betroffenen Person spürbar gesunken ist.
Hilf der Person, aus dem 'Tunnel' oder einer Dissoziation zurück in die Realität zu finden. Bitte sie, laut zu benennen:
- 5 Dinge, die sie gerade sieht.
- 4 Dinge, die sie gerade fühlt (z.B. den Stoff der Jacke, den Boden unter den Füßen).
- 3 Dinge, die sie gerade hört.
- 2 Dinge, die sie gerade riecht.
- 1 Sache, die sie gerade schmeckt (oder eine positive Eigenschaft an sich selbst). Erledigt, wenn: Die Person wieder voll im Hier und Jetzt orientiert ist.
Gaffer stören die Intimsphäre und erhöhen den Stresspegel. Werde pragmatisch:
- Sprich Personen direkt an: 'Sie im blauen Hemd, halten Sie bitte diese Decke als Sichtschutz!'
- 'Sie dort, weisen Sie bitte den Rettungsdienst an der Kreuzung ein!'
- Durch Aufgaben werden Unbeteiligte zu Helfern oder verlassen den Ort, wenn sie keine Aufgabe wollen. Erledigt, wenn: Keine Schaulustigen mehr freien Blick auf das Opfer haben.
Sichere die Kontinuität der Betreuung bei Eintreffen der Profis (Notfallsanitäter/Notarzt):
- S (Situation): Was ist passiert?
- I (Intervention): Was hast du psychologisch/physisch getan?
- T (Transfer): Besondere Reaktionen der Person (z.B. Panikattacke, Sprachbarriere).
- Verabschiede dich kurz von der betroffenen Person, damit sie nicht das Gefühl hat, 'verlassen' zu werden. Erledigt, wenn: Der Rettungsdienst alle relevanten Infos erhalten hat und die Betreuung übernimmt.
Psychologische Erste Hilfe ist emotional belastend.
- Trinke ein Glas Wasser.
- Sprich mit einer Vertrauensperson über das Erlebte (Fakten, nicht nur Gefühle).
- Achte in den nächsten 48h auf Anzeichen von Belastung (Schlafstörungen, Flashbacks).
- Kontaktiere bei Bedarf die Telefonseelsorge (0800 1110111) für ein anonymes Entlastungsgespräch. Erledigt, wenn: Du deine eigene psychische Verfassung reflektiert und stabilisiert hast.
Pragmatische Vorbereitung für Deutschland:
- Installiere die NINA-App (Bundesamt für Bevölkerungsschutz).
- Speichere 112 (Notruf), 116117 (Ärztlicher Bereitschaftsdienst) und 0800 1110111 (Telefonseelsorge) als Favoriten.
- Aktiviere die Standorterkennung für Notrufe (AML - Advanced Mobile Location). Erledigt, wenn: App installiert und Nummern im Schnellzugriff gespeichert sind.
Vertiefe dein Wissen mit dem deutschen Standardwerk (6. Auflage, Stumpf + Kossendey Verlag).
- Fokus auf Kapitel 'Akutintervention' und 'Kommunikation mit traumatisierten Menschen'.
- Das Buch bietet konkrete Handlungsschemata für verschiedene Szenarien (Verkehrsunfall, Suizid, Großschadenslage). Erledigt, wenn: Die Kernstrategien des Buches verinnerlicht sind.
Wissen über Notfallpsychologie verblasst schnell.
- Erstelle eine wiederkehrende Kalendererinnerung (alle 3 Monate).
- Gehe in 15 Minuten die Checkliste (3A-Schema, 5-4-3-2-1 Methode) im Kopf durch.
- Prüfe, ob deine Notfallausrüstung (Warnweste, Decke) noch im Auto/Rucksack ist. Erledigt, wenn: Der Serientermin im Google/Outlook-Kalender aktiv ist.