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Psychologische Erste Hilfe

K
von @Krzysztof
Sicherheit & Notfallvorsorge

Anleitung: Wie beruhige ich Menschen unter Schock nach einem Unfall oder einer Katastrophe (Akut-Intervention)?

Projekt-Plan

11 Aufgaben
1.

Bevor du psychologische Hilfe leistest, muss die physische Sicherheit gewährleistet sein.

  • Trage eine Warnweste (nach EN ISO 20471).
  • Sichere die Unfallstelle mit einem Warndreieck in ausreichendem Abstand (50m innerorts, 150m Autobahn).
  • Achte auf Gefahren wie auslaufende Betriebsstoffe oder instabile Strukturen.
  • Eigenschutz geht vor Fremdschutz. Erledigt, wenn: Die Unfallstelle physisch gesichert ist und du selbst außer Gefahr bist.
2.

Dies ist der Standard-Leitfaden für die Akut-Intervention in Deutschland:

  1. Abschirmen: Bringe die Person aus dem Sichtfeld von Gaffern oder der direkten Gefahrenquelle. Nutze Decken oder stelle dich als Sichtschutz auf.
  2. Ansprechen: Gehe auf Augenhöhe, stelle dich namentlich vor und sage: 'Ich bin bei Ihnen, ich bleibe hier, Hilfe ist unterwegs.'
  3. Abfragen: Stelle einfache Ja/Nein-Fragen, um die Orientierung zu prüfen (Name, Ort, Geschehen). Erledigt, wenn: Kontakt hergestellt ist und die Person räumlich/visuell isoliert wurde.
3.

In der Schockphase sind bestimmte Sätze kontraproduktiv. Streiche folgende Aussagen:

  • 'Beruhigen Sie sich!' (wirkt wie ein Befehl und stresst mehr).
  • 'Es wird alles wieder gut.' (unwahre Versprechung, zerstört Vertrauen).
  • 'Ich weiß, wie Sie sich fühlen.' (nein, weißt du nicht).
  • 'Sie haben Glück gehabt, dass...' (relativiert das Leid).
  • 'Hätten Sie mal lieber...' (Schuldzuweisungen). Erledigt, wenn: Du während der gesamten Interaktion keine dieser Phrasen verwendet hast.
4.

Nutze diese Technik, um das parasympathische Nervensystem der betroffenen Person zu aktivieren:

  • 4 Sekunden lang tief durch die Nase einatmen.
  • 7 Sekunden lang den Atem anhalten.
  • 8 Sekunden lang hörbar durch den Mund ausatmen.
  • Mache die Übung synchron mit der Person vor. Erledigt, wenn: Die Atemfrequenz der betroffenen Person spürbar gesunken ist.
5.

Hilf der Person, aus dem 'Tunnel' oder einer Dissoziation zurück in die Realität zu finden. Bitte sie, laut zu benennen:

  • 5 Dinge, die sie gerade sieht.
  • 4 Dinge, die sie gerade fühlt (z.B. den Stoff der Jacke, den Boden unter den Füßen).
  • 3 Dinge, die sie gerade hört.
  • 2 Dinge, die sie gerade riecht.
  • 1 Sache, die sie gerade schmeckt (oder eine positive Eigenschaft an sich selbst). Erledigt, wenn: Die Person wieder voll im Hier und Jetzt orientiert ist.
6.

Gaffer stören die Intimsphäre und erhöhen den Stresspegel. Werde pragmatisch:

  • Sprich Personen direkt an: 'Sie im blauen Hemd, halten Sie bitte diese Decke als Sichtschutz!'
  • 'Sie dort, weisen Sie bitte den Rettungsdienst an der Kreuzung ein!'
  • Durch Aufgaben werden Unbeteiligte zu Helfern oder verlassen den Ort, wenn sie keine Aufgabe wollen. Erledigt, wenn: Keine Schaulustigen mehr freien Blick auf das Opfer haben.
7.

Sichere die Kontinuität der Betreuung bei Eintreffen der Profis (Notfallsanitäter/Notarzt):

  • S (Situation): Was ist passiert?
  • I (Intervention): Was hast du psychologisch/physisch getan?
  • T (Transfer): Besondere Reaktionen der Person (z.B. Panikattacke, Sprachbarriere).
  • Verabschiede dich kurz von der betroffenen Person, damit sie nicht das Gefühl hat, 'verlassen' zu werden. Erledigt, wenn: Der Rettungsdienst alle relevanten Infos erhalten hat und die Betreuung übernimmt.
8.

Psychologische Erste Hilfe ist emotional belastend.

  • Trinke ein Glas Wasser.
  • Sprich mit einer Vertrauensperson über das Erlebte (Fakten, nicht nur Gefühle).
  • Achte in den nächsten 48h auf Anzeichen von Belastung (Schlafstörungen, Flashbacks).
  • Kontaktiere bei Bedarf die Telefonseelsorge (0800 1110111) für ein anonymes Entlastungsgespräch. Erledigt, wenn: Du deine eigene psychische Verfassung reflektiert und stabilisiert hast.
9.

Pragmatische Vorbereitung für Deutschland:

  • Installiere die NINA-App (Bundesamt für Bevölkerungsschutz).
  • Speichere 112 (Notruf), 116117 (Ärztlicher Bereitschaftsdienst) und 0800 1110111 (Telefonseelsorge) als Favoriten.
  • Aktiviere die Standorterkennung für Notrufe (AML - Advanced Mobile Location). Erledigt, wenn: App installiert und Nummern im Schnellzugriff gespeichert sind.
10.

Vertiefe dein Wissen mit dem deutschen Standardwerk (6. Auflage, Stumpf + Kossendey Verlag).

  • Fokus auf Kapitel 'Akutintervention' und 'Kommunikation mit traumatisierten Menschen'.
  • Das Buch bietet konkrete Handlungsschemata für verschiedene Szenarien (Verkehrsunfall, Suizid, Großschadenslage). Erledigt, wenn: Die Kernstrategien des Buches verinnerlicht sind.
11.

Wissen über Notfallpsychologie verblasst schnell.

  • Erstelle eine wiederkehrende Kalendererinnerung (alle 3 Monate).
  • Gehe in 15 Minuten die Checkliste (3A-Schema, 5-4-3-2-1 Methode) im Kopf durch.
  • Prüfe, ob deine Notfallausrüstung (Warnweste, Decke) noch im Auto/Rucksack ist. Erledigt, wenn: Der Serientermin im Google/Outlook-Kalender aktiv ist.
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