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14. März 20178222 Taufe Salbung Eucharistie 8220 Die Initiation in der Alten Kirche und ihre neutestamentlichen Wurzeln
Im Bewusstsein vieler heutiger Christen ist die Taufe in erster Linie ein Familienereignis. Der Aspekt der Aufnahme des Täuflings in die Kirche, konkret in die Ortsgemeinde, wird kaum noch wahrgenommen. Dass ursprünglich Taufe, Firmung und Eucharistie eine Einheit der -Initiation-...
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Jetzt Lernplan erstellenIm Bewusstsein vieler heutiger Christen ist die Taufe in erster Linie ein Familienereignis. Der Aspekt der Aufnahme des Täuflings in die Kirche, konkret in die Ortsgemeinde, wird kaum noch wahrgenommen. Dass ursprünglich Taufe, Firmung und Eucharistie eine Einheit der -Initiation- damit einen zusammenhängenden rituellen Prozess bildeten, ist nicht mehr erkennbar. Und in der Taufe das -Eintreten- in die Christusgemeinschaft bewusst zu erleben und zu feiern ist durch die volkskirchliche Praxis der Säuglingstaufe nahezu unmöglich.
Der Unterschied zur altkirchlichen Praxis könnte kaum größer sein. Sie spiegelt sich eindrücklich in den uns erhaltenen Taufkatechesen aus dem 4. und 5. Jhd. wider. Es handelt sich um Liturgiekommentare in Predigtform zu Taufe, Salbungen und Eucharistie sowie zu den vor- und nachbereitenden Vollzügen. In den Taufkatechesen werden diese Initiationsriten beschrieben und gedeutet. Aber nicht nur das – sie zeigen, dass der Taufgottesdienst von allen Beteiligten intensiv erlebt und erfahren wurde. Taufkatechesen (aber auch Texte anderer Gattungen wie Kirchenordnungen, Predigten, Briefe) deuten, akzentuieren, übersetzen und vertiefen diese individuellen und gemeinschaftlichen Erfahrungen. Das Anliegen der Prediger war es, die Riten der Taufliturgie für den Täufling, aber auch für die anderen Hörer zu erschließen. Die Taufkatechesen waren Mystagogie, eine Hinführung zum Erleben und zum Verstehen der Mysterien der Kirche.
In dem Seminar werden ausgewählte, exemplarische Quellen zur altkirchlichen Initiationsfeier gelesen und analysiert. Im Zentrum stehen die Taufkatechesen, die wir für den lateinischen Westen von Ambrosius v. Mailand, für Jerusalem von Cyrill v. Jerusalem und für Antiochien von Johannes Chrysostomos erhalten haben. Mithilfe dieser und anderer Texte werden die grundlegenden rituellen Vollzüge der Initiation identifiziert, die mit ihnen verbundenen Erfahrungen verdeutlicht sowie ihre Deutungen insbesondere durch den Bezug auf neutestamentliche Aussagen analysiert.
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Weidemann, Hans-Ulrich, Univ.-Prof. Dr.
Universität Siegen
SoSe 2012
Katholische Theologie - Historische Theologie
Univ.-Prof. Dr.
Hoffmann Andreas