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Uni-Hannover
14. März 2017

Afrikaner innen unterwegs Mobilität als wirtschaftliche und kulturelle Ressource im subsaharischen Afrika

Eines von vielen Klischees, denen wir im Hinblick auf (unsere) Geschichte anhängen, ist die gängige Vorstellung, historische Wirtschafts- und Lebensweisen seien durch kleinräumig organisierte Sesshaftigkeit bestimmt gewesen. Entsprechend verkürzte Wahrnehmungen und Bewertungen liegen auch politischen und Medienmeinungen zugrunde, welche die...

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Eines von vielen Klischees, denen wir im Hinblick auf (unsere) Geschichte anhängen, ist die gängige Vorstellung, historische Wirtschafts- und Lebensweisen seien durch kleinräumig organisierte Sesshaftigkeit bestimmt gewesen. Entsprechend verkürzte Wahrnehmungen und Bewertungen liegen auch politischen und Medienmeinungen zugrunde, welche die aktuelle internationale Migration von Afrikaner/inne/n mit Ziel Europa vorrangig als Ausdruck gegenwärtiger Krisen- bzw. anhaltender Elendsphänomene deuten und somit als Abweichung von der Norm – mit unerwünschten Folgeerscheinungen wie Überfremdung und zusätzliche sozialpolitische Belastungen hierzulande– definieren. Solche Szenarien klammern aus, dass Sesshaftigkeit weltweit keineswegs der historische Regelfall, sondern eher eine Ausnahme gewesen ist. Das zeigt sich vor allem auch am Beispiel zahlreicher Gesellschaften des afrikanischen Kontinents, die im Verlauf ihrer Geschichte durch verschiedenste Formen von Mobilität geprägt wurden. Darunter fallen Wanderfeldbau, Viehhaltung, saisonale Arbeitsmigration, Fernhandelsaktivitäten und Pilgerreisen ebenso wie der Exodus größerer Menschengruppen infolge ökologischer und politischer Krisen im Kontext von Sklavenhandel, Kolonisation und postkolonialen Problemkonstellationen. Im Seminar werden wir am Beispiel Westafrikas untersuchen, wie sich mobile Wirtschafts- und (Über)Lebensstrategien sowie die sie ermöglichenden transregionalen und internationalen Netzwerke von Menschen, die temporär und längerfristig unterwegs sind, seit Mitte des 19. Jahrhunderts verändert haben. Besonderes Augenmerk gilt dabei zum einen der kritischen Auseinandersetzung mit Ansätzen der Migrationsforschung; zum anderen sollen jedoch auch die von Menschen in Bewegung entwickelten Strategien und Zielsetzungen von Mobilsein stärker berücksichtigt werden. Im Lichte der hier gewonnenen Einsichten werden wir uns schließlich mit Erfahrungsberichten derjenigen beschäftigen, die sich von Westafrika aus auf den langen, gefährlichen Weg nach Europa machen. de Brujin, Mirjam, Rijk van Dijk & Dick Focken (Hg.innen) 2001. Mobile Africa. Changing patterns of movement in Africa and beyond. Leiden, Boston & Köln: Brill. (FBSBB) Hahn, Hans Peter & Georg Klute (Hg.) 2007. Cultures of Migration. African Perspectives. Berlin: LIT. (FBSBB) Sonderpädagogik, Master LA Sonderpädagogik Für die Lektüre von Forschungsliteratur und Quellentexten sind englische oder französische Sprachkenntnisse erforderlich. Das Seminar ist auf 25 Teilnehmer begrenzt. Universität Hannover SoSe 2015 Geschichte, Master LA Gymnasium Prof. Dr. Reinwald Brigitte