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Uni-Siegen
14. März 2017

Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten C W Müller

C. Wolfgang Müller -Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten ...- Soziale Arbeit hat eine helle und eine eher dunkle Seite. Die helle, die Sonnenseite wird von der

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C. Wolfgang Müller -Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten ...- Soziale Arbeit hat eine helle und eine eher dunkle Seite. Die helle, die Sonnenseite wird von der 'Sozialpädagogik' bevölkert, also jener allgemeinen und umfassenden Sozialerziehung neben und ausserhalb von Elternhaus und Schule - also dort, wo, nach PISA gesprochen - die non-formalen Lehr und Lernprozesse stattfinden (sollten). Die dunkle Seite ist gemeinhin der Schauplatz an dem Sozialarbeiter-innen (früher: Armenpfleger und Wohlfahrtspflegerinnen) Menschen und Menschengruppen (meist: Familien) beraten und unterstützen sollen, die sich in individuell erfahrenen meist aber gesellschaftlich hergestellten Lebenskrisen befinden. Diese Form der Sozialarbeit im engeren Sinne hat sich im Laufe der letzten hundert Jahre (durch die unmenschliche Herrschaft der Nationalsozialisten unterbrochen) von einer 'Kontrollinstanz', die Armut verwaltete, in eine Hilfeeinrichtung entwickelt, die Menschen wieder den Zugang zu lebenswerten Ressourcen ebnen soll, der ihnen verloren gegangen ist oder über den sie bisher in ihrem Leben nicht verfügen konnten. Abstrakt gesprochen nenne ich diese Entwicklung die 'Vergesellschaftung von Reproduktionsrisiken' (nach Sachße / Tennstedt). Diese eigentlich positive Entwicklung hat eine negative Schlagseite: Sie richtet das Augenmerk von Sozialarbeiter-innen auf die 'Defizite' menschlichen Lebens, menschlichen Überlebens und menschlichen Kraftanstrengungen, ihr Leben selber zu meistern. Dabei geht die Sichtweise auf die 'Benefite' verloren: auf die Selbsthilfekräfte, die einzelnen Menschen (nicht allen) die Möglichkeit gegeben haben, ihr Leben trotz aller Widrigkeiten in die eigenen Hände zu nehmen und produktiv zu gestalten. Der Roman 'Das verlorene Wort' von Ulla Hahn zeigt in seiner Hauptfigur Hildegard Palm (sie trägt Züge der Autorin) die Entwicklung eines kleinen Mädchens, das sich (mit Hilfe eines verständnisvollen Großvaters, eines hilfreichen Dorfschullehrers und eines humanen Gemeindepfarrers) 'allen Gewalten zum Trutz' sich rappelt und bildet. Die Entwicklung solcher inneren und äusseren Widerstandskräfte nennen wir 'Resilienz'. Die Geschichte dieser Entdeckung menschlicher Selbsthilfekräfte soll nachgezeichnet und in die Zukunft verlängert werden. Bildung und Soziale Arbeit, Master, PO 2006 Universität Siegen WiSe 2011/12 Bildung und Soziale Arbeit, Master , Teilzeit, PO 2008 Sozialpädagogik und Sozialarbeit, Diplom II, PO 2000 Dr. Frey Cornelia