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Uni-Düsseldorf
14. März 2017

Aufbauseminar 8222 Ohne dass sie merken dass sie durchtränkt werden 8220 Musikpraxis im Nationalsozialismus

Im Nationalsozialismus bildet die Filmproduktion unter Josef Goebbels ein wesentliches Fundament der NS-Propaganda. Die Inszenierung des gemeinschaftlichen Musizierens und Singens ist dabei eine zentrale Strategie, Propaganda zu vermitteln. Dies geschieht einerseits durch die Darstellung der nationalsozialistischen Musizier- und Rezeptionspraxis, zum...

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Im Nationalsozialismus bildet die Filmproduktion unter Josef Goebbels ein wesentliches Fundament der NS-Propaganda. Die Inszenierung des gemeinschaftlichen Musizierens und Singens ist dabei eine zentrale Strategie, Propaganda zu vermitteln. Dies geschieht einerseits durch die Darstellung der nationalsozialistischen Musizier- und Rezeptionspraxis, zum Beispiel wie in -Das Wunschkonzert- vermittelt. Darin werden im NS vereinnahmte Stücke wie z.B. Beethovens 9. Sinfonie am Klavier gespielt und in Gemeinschaft rezipiert. Andererseits wird der gemeinsame Gesang in Filmen wie -Stuka- ideologisch aufgeladen und dient einer mobilisierenden Kraft der Militarisierung. So wird das so genannte -Stuka-Lied- als Teil des NS-Musikkanons inszeniert. Medial vermittelte -Wirklichkeiten- gemeinschaftlichen Singens und Musizierens machen also im Film konkrete soziale Identitätsangebote und sollen die Massen durch den erhöhten Einsatz musikalisch-akustischer Mittel mobilisieren. Einige Beispiele hierfür sind die filmische Darstellung des Volksliedes, des Schlagergesanges (z.B. -Die große Liebe-) oder auch die im Marschrhythmus marschierenden Soldatentruppen, wie zum Beispiel in den -Wochenschauen- inszeniert. Im späten NS-Film erfolgt schließlich eine programmatische Rhythmisierung einer an die Masse gerichteten zunehmend militarisierenden Gemeinschaftsideologie u.a. durch die Darstellung des gemeinsamen Gesanges. Dabei lässt sich noch eine weitere, zentrale Strategie der Goebbelschen Filmproduktionen feststellen: Im Film gezeigte und im Medienverbund mit dem Rundfunk gespielte Lieder und Schlager werden oft so populär, dass sie den Rezipienten zum mitsingen animieren und auf diese Weise Propaganda verinnerlichen lassen. Gemeinschaftlicher Gesang wird auf diese Weise zweifach ideologisch aufgeladen und zielt dabei auf die Inszenierung der -Volksgemeinschaft-. In diesem Seminar gehen wir davon aus, dass die filmische Darstellung des gemeinschaftlichen Gesangs und der Musizierpraxis im NS ein zentral eingesetztes Mittel der NS-Medienpolitik ist, um den Rezipienten -ideologisch zu durchtränken-. Insbesondere der durch den Film inszenierte gemeinschaftliche Gesang ließ die -Volksgemeinschaft- als medial-soziales Konstrukt zu einer sozialen Wirklichkeit wirken. Darin lag ihre imaginäre, aber auch politische Kraft der Mobilisierung, so die These. Behandelt werden kulturtheoretische und -philosophische Konzepte der -Gemeinschaft-, -Identität- sowie Fragen nach Medientheorien, die nach dem Zusammenhang von -Körper- und Aneignungspraktiken und ihrer spezifischen Medialität fragen. Institut für Medien- und Kulturwissenschaft Universität Düsseldorf WiSe 2016/17 Dreckmann Kathrin