Uni-Kassel
14. März 2017Blockseminar Alte Konflikte und neue Kriege
Dass viele der aktuellen gewaltsamen Auseinandersetzungen auf den ersten Blick entlang eth-nischer und religiöser Konfliktlinien ausgetragen werden, scheint die in den 1990er Jahren viel diskutierte These Samuel Huntingtons (1993, 1996) vom Kampf der Kulturen als Grundlage des Kriegsgeschehens nach Wegfall...
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Jetzt Lernplan erstellenDass viele der aktuellen gewaltsamen Auseinandersetzungen auf den
ersten Blick entlang eth-nischer und religiöser Konfliktlinien
ausgetragen werden, scheint die in den 1990er Jahren viel diskutierte
These Samuel Huntingtons (1993, 1996) vom Kampf der Kulturen als
Grundlage des Kriegsgeschehens nach Wegfall der Systemkonkurrenz
zwischen Ost und West zu bestäti-gen. Doch auf den zweiten Blick zeigt
sich oftmals, dass Kultur, Religion und Ethnizität als originäre
Kriegsursachen nur bedingt taugen und die Konfliktparteien sich dieser
Kategorien in erster Linie zum Zwecke der Mobilisierung von
Unterstützung und Ressourcen bedienen. Dies gilt für viele der seit
Jahren anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen in Afrika, Asien
und Lateinamerika.
Als tragfähiger für eine Analyse der weltweit zu beobachtenden
kriegerischen Auseinander-setzungen erscheint auf den ersten Blick das
Konzept der Neuen Kriege, wie es von Autoren wie Kaldor (2000) oder
Münkler (2003) vertreten wird. Der Blick richtet sich hier unter
ande-rem auf die Frage nach den veränderten Rahmenbedingungen
staatlicher Handlungsfähigkeit in Zeiten fortschreitender
Globalisierung. Die Aushöhlung staatlicher Autonomie, die in
Ex-tremfällen bis zur völligen Auflösung staatlicher Strukturen führen
kann, bildet dabei den Hin-tergrund, vor dem die Neuartigkeit aktueller
Gewaltkonflikte analysiert wird.
In dem Seminar werden strukturelle Beziehungen zwischen alten
Konfliktlinien und neuen Kriegen in verschiedenen Regionen der Welt
diskutiert. Im Zentrum steht die Frage, ob und inwiefern aktuelle
Konflikte in unterschiedlichen Regionen unter dem Gesichtspunkt neuer
Kriege betrachtet werden können: Was ist neu an den gewaltsamen
Auseinandersetzungen der letzten Jahren und welche Rolle spielen
Veränderungen der staatlichen Strukturen? Und wel-che wirtschaftlichen
Strukturen bedingen die Konflikte und ermöglichen es den
Konfliktpar-teien, die gewaltsamen Auseinandersetzungen oftmals über
Jahre hinweg auszutragen?
Dazu werden in der Veranstaltung grundlegende Arbeiten zu den Ursachen
und Strukturbe-dingungen aktueller Kriege ebenso aufgegriffen, wie
empirische Studien zu einzelnen Konflikten und zentralen Aspekten
gewaltsamer Auseinandersetzungen weltweit.
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
WS 2008/2009
Politikwissenschaften
Jordan Rolf