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Uni-Essen
14. März 2017

Blockseminar E3 IOS Schuld und Schulden über monetäre und ethische Aspekte des Schuldbegriffs Cr 3-4

Inhalte: (1) Verbund von naturwissenschaftlich orientierten Wissenschaften: insbes. Psychologie, Anthropologie, Religionssoziologie, Soziologie, Wirtschaftswissenschaften; Kontextualisierung und Dynamik der the­ma­tisierten Phänomene in ideologiekritischer und historischer Hinsicht; (2) Schon MAUSS (Die Gabe, dt. 1990) untersuchte u.a. Bräuche in Melanesien: Geschenke wurden von Stämmen...

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Inhalte: (1) Verbund von naturwissenschaftlich orientierten Wissenschaften: insbes. Psychologie, Anthropologie, Religionssoziologie, Soziologie, Wirtschaftswissenschaften; Kontextualisierung und Dynamik der the­ma­tisierten Phänomene in ideologiekritischer und historischer Hinsicht; (2) Schon MAUSS (Die Gabe, dt. 1990) untersuchte u.a. Bräuche in Melanesien: Geschenke wurden von Stämmen ihren Nachbarstämmen überreicht und diese Übergabe gefeiert; aber: Der beschenkte Stamm -schuldete- nun dem schenkenden ein Gegengeschenk, das die Großzügigkeit noch übertreffen sollte etc.; dieser friedliche Austausch führte in der Regel einen der Beteiligten in den Ruin oder beide in eine kriegerische Auseinandersetzung; diese soziale Problematik mit ihrer spezifischen Ethik ist jüngst von GRAEBER (Schulden, die ersten 5.000 Jahre, 2011, TB 2013) aufgegriffen und weiter aufgefächert worden: aus Schulden in sozialer Verpflichtung von Stämmen entwickelten sich die aus unserer Zeit bekannten Phänomene von Verpflichtungen Einzelner (mit der psychologisch-psychoanalytischen Dimension im zwischenmenschlichen Kontakt, insbes. wenn solche Schulden nicht abgegolten werden können) und ganzer Volkswirtschaften (Infragestellung des Kreditsystems). (3) Dass Schenken und damit Sich-Verschulden ein besonders geartetes Macht-Verhältnis (mit Komponenten der Gewalt) darstellt und – obwohl vielleicht -ursprünglich- der positiven Festigung nachbarschaftlicher Hilfe gedient haben mag – zu einer globalen Verelendung beiträgt, ist spätestens seit der sog. -Derivatenkrise- von 2007 deutlich geworden. Dass auch der private Bereich, wie es soziologische Untersuchungen zeigen, zusätzlich zu einer psychischen Verelendung beiträgt (z.B.: Kinder werden angehalten, ihre Schuld gegenüber ihren Eltern, die -unter Schmerzen und Verzicht- ihre Kinder gebaren und aufzogen, abzutragen), ist auch in unserem Kulturkreis bekannt. Dass beides jedoch einer gemeinsamen Quelle entspringt, die positiv konnotierte nachbarschaftsfreundliche Be­ziehung zu pflegen ist erschreckend und paradox. Methodik: Überwiegend ein -Arbeitsseminar-, in dem an Hand von Beispielen aus der Literatur, -hl. Schriften-, Gemälden etc. die Wechselwirkung ökonomischer mit sozialen, psychischen und Denk­mustern – in ihrer Geschichte auf heute – erarbeitet werden. Materialien werden in dem elektronischen Semesterapparat bereitgestellt. Lernziele: Studierende sind in der Lage, für bestimmte Phasen der Gattungsgeschichte typische Wechsel­wir­kun­gen (s.o.) zu erkennen und selbständig darzustellen sowie in einem Transfer auf unsere Gegenwart zu be­werten, zu diskutieren und schriftlich zu fixieren. SemApp. Nr. 227, Standort Essen, GW/GSW, 2. OG. Studium liberale (E3) Die Veranstaltung ist im fachfremden Modul E3 nicht geeignet für 2-Fach Studierende der Fak. GeiWi. Regelmäßige Teilnahme und 3 bzw. 4 Credits für ein Essay bzw. eine wissenschaftliche, umfangreichere Hausarbeit (in Absprache mit dem Dozenten). In E3 ist die regelmäßige, aktive Teilnahme mit Vor-/Nachbereitung neben dem erfolgreichen Bestehen Voraussetzung zum Scheinerwerb. Geduldet wird eine entschuldigte (!) Fehlzeit von 3 Zeitstunden bei Blockveranstaltungen. Nachträgliche Entschuldigungen können nicht berücksichtigt werden. Universität Duisburg-Essen SoSe 2014 Bachelor, Bachelor Dr. Redlich Dieter