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Uni-Kassel
14. März 2017

Blockseminar Industrielle Arbeitsbeziehungen in Deutschland Frankreich und Polen Vergleichendes Seminar und Exkursion nach Polen Juni Juli 2008

Ausgehend von den Ereignissen in Frankreich im Mai 1968, den Streiks und politischen Bewegungen in Deutschland 1966-1969 (Proteste der Ruhrbergarbeiter, Proteste gegen die Notstandsgesetze, Septemberstreiks etc.) und den Demonstrationsbewegungen in Polen im Frühjahr 1968 soll die Perspektive auf die grundlegenden...

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Ausgehend von den Ereignissen in Frankreich im Mai 1968, den Streiks und politischen Bewegungen in Deutschland 1966-1969 (Proteste der Ruhrbergarbeiter, Proteste gegen die Notstandsgesetze, Septemberstreiks etc.) und den Demonstrationsbewegungen in Polen im Frühjahr 1968 soll die Perspektive auf die grundlegenden Unterschiede, Vergleichbarkeiten und die gegenseitigen Beeinflussung der industriellen Arbeitsbeziehungen der angesprochenen Länder gelegt werden. Im Vergleich mit Frankreich werden zunächst die Unterschiede im Gewerkschaftswesen, in den betrieblichen Vertretungsorganen und im Tarifvertragswesen betrachtet werden. Dabei sind die deutschen Eigenheiten (Industrieverbandsprinzip und Einheitsgewerkschaft sowie der Flächentarifvertrag mit den singulär niedrigen Arbeitskampfzahlen) herauszuarbeiten und mit dem französischen Model der Richtungsgewerkschaften, der direkten Einflussnahme auf politische Entscheidungen (z.T. über Streiks und Demonstrationen, „heißer Herbst“), der Tendenz zu spontanen Arbeitsniederlegungen und dem tariflichen Übergewicht des öffentlichen vor dem industriellen Sektor zu vergleichen. Das polnische Beispiel kommt zum einen unter dem Aspekt der intergewerkschaftlichen Solidarität bei großen nationalen Arbeitskämpfen (1956, 1970, 1980ff.) ins Spiel. Andererseits hatte die 1980 gebildete Solidarno auch eine ungemein programmatische Vorbildfunktion für Ostmitteleuropa wie auch für Teile der westeuropäischen Gewerkschaften unter Führung der christlichen bzw. der CFDT-Gewerkschaft zur Folge. Diese Dimensionen sind unter dem Aspekt des Zusammenwachsen Europas schon während der Zeit der Konfrontation der Blöcke herauszuarbeiten. Andererseits soll die Analyse der Entwicklung ab 1990 die Dimension für die Problematik der Transformationsgesellschaften und der dabei entwickelten Arbeitsbeziehungen klären. Unter methodischen Aspekten des Vergleichs gesellschaftlicher Strukturen wird eine Einführung in die europäische Typologie von Arbeiterbewegungen/Arbeitsbeziehungen geboten, wobei gleichzeitig durch Vergleich und gegenseitige Beeinflussung transnationale Prozesse herausgehoben werden. Dabei wird das Prinzip der Multiperspektivität von Geschichte ein wichtiges Lernziel darstellen. Das Seminar wird zunächst als Blockseminar in Kassel (oder in der Umgebung) und dann als Exkursion nach Polen durchgeführt. In Polen werden die Städte Breslau, die Internationale Stiftung Kreisau (Ort des von James Graf von Moltke gegründeten Widerstandskreises), Kattowitz, Auschwitz, Nova Huta (stalinistische Modellstadt), Krakau und Warschau berührt. Vorgesehen sind Begegnungen mit Vertretern der polnischen Gewerkschaftern und Gespräche mit ehemaligen Solidarno-Leuten und ein gemeinsames Seminar mit polnischen, französischen und deutschen Studierenden. Dazu werden auch Vorträge polnischer Experten vorbereitet, die das Gewerkschaftsreferat der Friedrich-Ebert-Stiftung Warschau vermittelt. Ebenfalls einbezogen werden einige zentrale Erinnerungsorte der polnischen bzw. der deutsch-polnischen Geschichte und des osteuropäischen Judentums. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel SS 2008 Politikwissenschaften Western European History Prof. Dr. Boll Friedhelm