Uni-Kassel
14. März 2017Blockseminar mit Einführungssitzung Rom Zentrum der Welt im Mittelalter
Im Mittelalter war Rom die Stadt der Päpste, Pilger und Kaiser, die einen Anspruch auf Weltherrschaft entfaltete und im Mittelmeerraum mit Byzanz und Jerusalem konkurrierte. Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches im Jahr 476 und den Gotenkriegen im 6. Jh....
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Jetzt Lernplan erstellenIm Mittelalter war Rom die Stadt der Päpste, Pilger und Kaiser, die einen Anspruch auf Weltherrschaft entfaltete und im Mittelmeerraum mit Byzanz und Jerusalem konkurrierte. Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches im Jahr 476 und den Gotenkriegen im 6. Jh. hatten ganz im Gegensatz zum kaiserlichen Byzanz die Päpste die Ordnungsfunktionen übernommen. Die Karolinger machten den christlichen Wallfahrtsort zum Stätte der Kaiserkrönung und zur Hauptstadt des Kirchenstaates (Patrimonium Petri). Im Stadtgebiet siedelten damals höchstens noch 20.000 Einwohner, die im 9. Jh. Plünderungen von Arabern, Langobarden, Sarazenen und Normannen ausgesetzt waren. Drei Viertel des von der Aurelianischen Mauer umschlossenen Areals verwilderte und wurde später landwirtschaftlich genutzt. Dem dicht besiedelten abitato (Tiberufer, Marsfeld, Borgo) stand der unbewohnte disabitato mit Forum Romanum, Kapitol, Kaiserforen und Kolosseum gegenüber, den kleine Siedlungen u.a. um die Patriarchalbasiliken Lateran und Santa Maria Maggiore durchbrachen. In Anknüpfung an die antike Größe etablierte sich im 12. Jh. eine kommunale Stadtherrschaft mit eigener Verwaltung. Pilger aus ganz Europa, die in Heiligen Jahren von 1300 an außergewöhnliche Gnaden und Ablässe erhielten, besuchten die in Rom vermuteten Apostelgräber und Reliquien. Gesandtschaften der Päpste, die während des Großen Schismas in Avignon residierten, zogen bis Asien und Afrika. Das Erstarken der Stadt in der Renaissance wurde 1527 durch den Sacco di Roma unterbrochen, als die Söldnertruppen Karls V. Rom plünderten und verwüsteten. Ziel des Seminars ist es, diesen Diskrepanzen zwischen Anspruch und politischer Wirklichkeit, zwischen Mythos und Realität in der mittelalterlichen Geschichte Roms nachzugehen, die Positionen der verschiedenen Protagonisten anhand ausgewählter Quellen und Literatur aufzuzeigen und im Kontext aktueller Forschungsansätze zu Globalisierung, Interkulturalität, Religion und Herrschaft zu diskutieren.
Einführende Literatur: Steffen Bogen, Rom. Eine Stadt in Karten von der Antike bis heute, Darmstadt 2009; Klaus Herbers, Geschichte des Papsttums im Mittelalter, Darmstadt 2012; Jochen Johrendt / Romedio Schmitz-Esser, (Hg.), Rom Nabel der Welt. Macht, Glaube, Kultur von der Antike bis heute, Darmstadt 2010.
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
WiSe 2016/17
Europäische Geschichte
Prof. Dr.
Baumgärtner Ingrid