Uni-Essen
14. März 2017Blockseminar Nils Niemann Von der Beredsamkeit des Körpers Rhetorik und Schauspielkunst des 17 und 18 Jahrhunderts
Die Rede wie das Drama rechnet mit einem bestimmten Gebrauch des Körpers. Dieser Gebrauch ist barocken und klassischen Texten gleichermaßen eingeschrieben - teils durch explizite Anweisungen, mehr aber noch durch die kanonisierten Techniken der Aufführungspraxis. Viele Techniken aus dem Theater...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Rede wie das Drama rechnet mit einem bestimmten Gebrauch des Körpers. Dieser Gebrauch ist barocken und klassischen Texten gleichermaßen eingeschrieben - teils durch explizite Anweisungen, mehr aber noch durch die kanonisierten Techniken der Aufführungspraxis. Viele Techniken aus dem Theater ergaben sich aus den damaligen Bühnengegebenheiten. Der Einsatz von Mimik und Gestik basiert hingegen zum großen Teil auf antiken Regeln zur -Elocutio-, dem Teil der Redekunst also, der darauf abzielt, die strukturierten und memorierten Inhalte überzeugend und wirkungsvoll mit Körper und Stimme darzustellen. Der aufführungspraktische Teil der Rhetorik lieferte nicht nur Regeln für Schauspieler, sondern für jeden, der sich öffentlich zu produzieren hatte, wie etwa Juristen oder Prediger. Das Vortragen von Reden und die Aufführung von Dramen gehörten daher zum Ausbildungsprogramm adliger wie bürgerlicher Bildungseinrichtungen.
Auf der Basis der überlieferten Rhetorik- und Schauspielschulen, angefangen von antiken Autoren wie Quintilian und Cicero bis hin zu -modernen- Schauspiellehren des 18. Jahrhunderts [Franciscus Lang (1727) Gilbert Austin (1806) und Johann Wolfgang von Goethe (1803)] möchte ich die grundsätzlichen klassischen Prinzipien von Körperhaltung, Gang, Gestik und Mimik vermitteln und zeigen, wie klassische Übungstexte, sowie Szenen und Monologe aus Dramen der Frühaufklärung auf diese Weise stilgerecht umgesetzt werden können.
Ziel des Kurses ist - nach barockem Vorbild - die erlernten Fähigkeiten abschließend in einem theatralischen Actus auf einer Barockbühne zu erproben und vorzuführen. Abgesehen von dem historischen Erkenntnisgewinn ermöglicht der Kurs den TeilnehmerInnen die Erfahrung, dass die Prinzipien der klassischen Schauspielkunst auch heute noch hilfreich sind, um eine klare Körpersprache und sichere Bühnenpräsenz zu entwickeln. Je nach Größe und Zusammenstellung des Workshops wird es sich bei der Präsentation um eine Abfolge von choreographierten Monologen, Dialogen oder sogar um ein kleines Dramolett handeln (z. B. ein Teil aus Anton Ulrichs -Regier-Kunst Schatten-).
Germanistik
Universität Duisburg-Essen
WS 2013/14
Niemann Nils