Uni-Kassel
14. März 2017Blockseminar Rechtspopulismus Soziale Arbeit
Soziale Arbeit ist immer schon Teil gesellschaftlicher Praxis. Sie ist Soziale Arbeit in Gesellschaft und daher immer auch ein Feld, in dem unterschiedliche gesellschaftliche Entwicklungen zusammentreffen, sich große gesellschaftliche Tendenzen manifestieren. Ein Feld auch, in dem Auseinandersetzungen darüber stattfinden, was...
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Jetzt Lernplan erstellenSoziale Arbeit ist immer schon Teil gesellschaftlicher Praxis. Sie ist Soziale Arbeit in Gesellschaft und daher immer auch ein Feld, in dem unterschiedliche gesellschaftliche Entwicklungen zusammentreffen, sich große gesellschaftliche Tendenzen manifestieren. Ein Feld auch, in dem Auseinandersetzungen darüber stattfinden, was die -richtige-, -gute-, -professionelle- Soziale Arbeit eigentlich sei, und in den einzelnen Positionierungen enthalten sind wiederum – mal sedimentiert und implizit, mal offensiv und explizit – Vorstellungen über die -gute- Gesellschaft und das (-richtige-) Zusammenleben.
Praktikerinnen und Praktiker der Sozialen Arbeit sind in vielfältigen Zusammenhängen mit einer sich stetig verändernden Gesellschaft konfrontiert. Moderne demokratische Gesellschaften zeichnen sich dabei (zumindest der Idee nach) durch die Akzeptanz und Anerkennung kultureller, religiöser und sozialer Vielfalt aus. In Bereichen wie der Kinder- und Jugendarbeit, der Erwachsenenbildung, der Einzelfall- und Gemeinwesenarbeit und anderen Feldern finden sich jene -großen- gesellschaftlichen Entwicklungen, Vorstellungen und Ansprüche auf der Meso- und Mikroebene wieder.
Gerade in den Bereichen Familie, Sexualität, und kulturelle Diversität prallen in den letzten Jahren verstärkt verschiedene Vorstellungen eines -guten- Zusammenlebens, einer -guten- Gesellschaft aufeinander, und gerade auch die europaweit erstarkenden rechtspopulistischen Bewegungen verstehen sich in ihrer Mehrzahl explizit als Reaktion auf Modernisierungs- und Diversifizierungstendenzen, deren rechtliche Kodifizierung und gesellschaftliche Akzeptanz. Die Kontroverse um den Baden-Württembergischen Bildungsplan 2015 oder die (teils gewalttätigen) Auseinandersetzungen um die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen in Frankreich sind hier nur zwei von vielen Beispielen. Ist durch die Einstellungsforschung längst belegt, dass es auch in Deutschland ein großes rechtspopulistisches Potential in der Bevölkerung gibt, so versuchen Einzelpersonen und Initiativen dieses Spektrums verstärkt, Einfluss (auch) auf (sozial-)pädagogische und universitäre Felder auszuüben – dies teils mit Diffamierungen, Anfeindungen und Drohungen.
Im Seminar soll ein vertiefter Einblick in diese Konfliktlage erarbeitet werden. Gelesen und diskutiert werden sollen anfangs rechtspopulistische Primärtexte, um einen Einblick in entsprechende Positionen und Weltbilder zu bekommen. Im weiteren Verlauf wird es darum gehen, mit gesellschaftstheoretischer Lektüre (u.a. Leo Löwenthal, Zygmunt Bauman, Judith Butler) einen begrifflichen Rahmen für das Verständnis dieser Tendenzen zu erarbeiten und mit empirischen Studien zu unterfüttern. Anschließend wird es darum zu tun sein, mögliche Konsequenzen für die disziplinäre und professionelle Praxis Sozialer Arbeit zu diskutieren.
Vorausgesetzt wird die Bereitschaft (nicht unbedingt: eine bereits vorhandene Fähigkeit), sich gemeinsam, in Einzel- und Gruppenarbeit mit komplexen gesellschaftlichen Problemlagen auseinanderzusetzen und Texte zu lesen und zu diskutieren, die jener Komplexität begrifflich gerecht zu werden versuchen.
Zick, Andreas/Küpper, Beate/Hövermann, Andreas (2011): Die Abwertung der Anderen. Eine europäische Zustandsbeschreibung zu Intoleranz, Vorurteilen und Diskriminierung. Online verfügbar unterhttp://library.fes.de/pdf-files/do/07905-20110311.pdf(Zugriff 20.8.2014)
FB 01 Institut für Sozialwesen
Uni Kassel
WiSe 2014/15
Soziale Arbeit
Dr.
Milbradt Björn