Uni-Hannover
14. März 2017Das Ende der Welt Apokalypsen
Das Seminar versteht Apokalypsen in einem weiten Sinn als Weltuntergang, Zeitenwende bzw. als Welt, die mit der uns bekannten nichts mehr gemeinsam hat. In diesem Sinn stellt apokalyptische Literatur eine nicht immer randscharfe Schnittstelle zwischen literaler Apokalypse (also einer -Offenbarung-),...
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Jetzt Lernplan erstellenDas Seminar versteht Apokalypsen in einem weiten Sinn als Weltuntergang, Zeitenwende bzw. als Welt, die mit der uns bekannten nichts mehr gemeinsam hat. In diesem Sinn stellt apokalyptische Literatur eine nicht immer randscharfe Schnittstelle zwischen literaler Apokalypse (also einer -Offenbarung-), Dystopie (einem negativen Gesellschaftsentwurf) und Postapokalypse (der Welt nach der Apokalypse) dar. Diese Schnittstelle möchte das Seminar abbilden.
Entwürfe des Weltuntergangs hat es früh gegeben, ob in den Kalendarien der Maya oder der Johannes-Offenbarung in der Bibel. Doch verfolgt das Seminar weniger die theologischen Hintergründe als vielmehr die narrative und ästhetische Vielfalt des Weltenendes. Diese setzt für den gegebenen Zusammenhang ein mit Jean Pauls -Rede des toten Christus vom Weltengebäude herab, daß kein Gott sei- (1796). Von da an ist es besonders die Idee des -letzten Menschen-, welche in der europäischen Literatur Fuß fasst, etwa inJean-Baptiste Cousin de Grainvilles -Der letzte Mensch- (1805), Lord Byrons Gedicht -Darkness- (1816) oder Mary Shellys umfangreichen Roman -The Last Man- (1825).
Im 20. und 21. Jahrhundert sind es hauptsächlich Ängste vor Krieg und Technik, vor atomaren und biologischen Katastrophen, sowie vor der totalen Ich-Isolation, die in apokalyptischen Texten Ausdruck gewinnen. Auf Basis dieser Kernthemen werden für das (deutschsprachige) 20. Jahrhundert Arno Schmidts -Schwarze Spiegel- (1951), Marlen Haushofers -Die Wand- (1963) und Friedrich Dürrenmatts -Der Winterkrieg in Tibet- (1981) gelesen, für das frühe 21. Jahrhundert -42- (2005) von Thomas Lehr und -Die Arbeit der Nacht- (2006) von Thomas Glavinic. Ratsam ist, die Texte vor Seminarbeginn zu lesen.
Die Narrativität und Ästhetik der Apokalypse hat aber nicht nur in der Literatur prägend gewirkt, auch durch den Film wurde das apokalyptische und postapokalyptische Denken des 20. und insbesondere des frühen 21. Jahrhunderts nachhaltig beeinflusst, sei es als Reflexion des Krieges (-Apokalypse Now-, 1979), als Folge von Bioterrorismus bzw. unkontrollierter Infektionsgefahr (-12 Monkeys-, 1996; -Contagion-, 2011), im Zusammenhang mit Glaubenslinien (-2012-, 2009; -The Book of Eli-, 2010) oder allgemeinen Nachkriegsszenarien (-Die Straße-, 2009, nach dem Roman von Cormac McCarthy, 2006; -Im Am Legend-, 2007, nach dem Roman von Richard Matheson, 1954). Auch dieser Themenkomplex wird Berücksichtigung finden.
(verpflichtend)
Dürrenmatt, Friedrich: Der Winterkrieg in Tibet. In: ders.: Labyrinth. Stoffe I–III. Zürich 1998.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht. München 2008.
Grainvilles, Jean-Baptiste Cousin de: Der letzte Mensch (wird bei Stud.IP zur Verfügung gestellt). Haushofer, Marlen: Die Wand. Berlin 2004.
Jean Paul: Rede des toten Christus vom Weltengebäude herab, daß kein Gott sei (wird bei Stud.IP zur Verfügung gestellt).
Lehr, Thomas: 42. München 2013.
Lord Byron: Darkness (wird bei Stud.IP zur Verfügung gestellt).
Schmidt, Arno: Schwarze Spiegel. In: ders.: Leviathan und Schwarze Spiegel. Frankfurt am Main 1987.
(zur weiteren Beschäftigung):
McCarthy, Cormac: Die Straße. Berlin 2008.
Matheson, Richard: Ich bin Legende. München 2008.
Zweitfach Deutsch, MA Lehramt Sonderpädagogik
Teilnehmerzahl: 30.
Universität Hannover
SoSe 2015
Deutsches Seminar
Dr. phil.
Bode Philipp phil