Uni-Siegen
14. März 2017Das Verb im Deutschen
Themenplan (1) Einführung und Überblick; das Verb im Wortartensystem; -Verb- und -Prädikat-; Personenformen; Verbformen im Satz/Text; ein (und nur ein) finitum pro -Satz-; [-Zeitstabilität] als distinktives Merkmal?; (2) Syntaktische Klassifizierung I: Relationalität und Rektion; das Verb als -Prädikatsspezialist-; Verben binden...
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(1) Einführung und Überblick; das Verb im Wortartensystem; -Verb- und -Prädikat-; Personenformen; Verbformen im Satz/Text; ein (und nur ein) finitum pro -Satz-; [-Zeitstabilität] als distinktives Merkmal?;
(2) Syntaktische Klassifizierung I: Relationalität und Rektion; das Verb als -Prädikatsspezialist-; Verben binden Argumente; Vollverben, Kopulaverben und Hilfsverben (Verhältnis zum Prädikat); Modalverben und -echte- Hilfsverben; /sei schlau, hab keine Angst und werd Linguist!/ - Können Hilfsverben keinen Imperativ bilden?;
(3) Syntaktische Klassifizierung II: Intransitiva, Transitiva, Reflexiva (Verhältnis zu Subjekt/Objekt); persönliche, unpersönliche, Impersonalia;
(4) Syntaktische Klassifizierung III: Valenz oder /Frauen vergessen Männer schnell/ (Ágel 2000: 32ff); Typen von Objekten (direkte, indirekte, präpositionale); Valenzarten; Ergänzungen und Angaben; Adverbiale; Stelligkeit und -Ausreißer- wie /wohnen – LOC/, /wiegen – MASS/, /dauern – TEMP/, die semantisch, nicht formal bestimmt sind; sind die adverbalen Kasus Diakritika oder -bedeuten- sie etwas? (Eisenberg II 3.2.2); Intentionalität und Konversen: /X mag Y/ - /Y gefällt X/, /X hat Y/ - /Y gehört X/
(5) Morphologische Klassifizierung 0: Formenbildung allgemein; Finite und infinite Formen (Infinitiv, Partizip II, Gerundia; wohin mit dem Partizip I? Wohin mit dem Imperativ?); Person/Präsens, Person/Praeteritum; Wahl des Perfektauxiliars: /haben/ oder /sein/?, /sein/ und /bleiben/ als intransitiv/durative Ausnahmen zu perfektiv/Nachzustand; Bildung des Partizip II (Helbig & Buscha 1984: 111f)
(6) Morphologische Klassifizierung I: Schwache, starke, unregelmäßige Verben; Bildung der Flexionsformen; Frequenz und Analogie bei starken und schwachen Verben;
(7) Morphologische Klassifizierung II: Präfixverben; Formenbildung; /be-/-Verben und /ver-/-Verben als Beispiel; der Zusammenhang von hoher Tokenfrequenz und Lexikalisierung/Idiomatisierung; Übergang zu den Partikelverben (/durch-, über-, unter-, um-/);
(8) Morphologische Klassifizierung III: Partikelverben und ihre Äquivalente
(9) Semantische Klassifizierung: activity – process – state (Tätigkeitsverben, Vorgangsverben, Zustandsverben bzw. –prädikate); Ereignisprädikate; Aspekt und Aktionsarten im Deutschen? Syntaktische Reflexe der Aktionsarten: (a) Perfekt mit /haben/ oder /sein/, (b) Attribuierung des Partizip II, (c) Bildung eines Zustandspassiv (Vergleich Helbig & Buscha (1984) mit Eisenberg); grammatikalisierte Aktionsarten: kursiv/durativ, transformativ/inchoativ, kausativ (alle drei haben Hilfsverbparaphrasen für Adjektive und auch einfache Verben: /Schlafen, krank sein/, /einschlafen, krank werden/, einschläfern, krank machen/; Helbig & Buscha 1984: 78f);
(9) Semantische Klassifizierung: activity – process – state (Tätigkeitsverben, Vorgangsverben, Zustandsverben bzw. –prädikate); Ereignisprädikate; Aspekt und Aktionsarten im Deutschen? Syntaktische Reflexe der Aktionsarten: (a) Perfekt mit /haben/ oder /sein/, (b) Attribuierung des Partizip II, (c) Bildung eines Zustandspassiv (Vergleich Helbig & Buscha (1984) mit Eisenberg); grammatikalisierte Aktionsarten: kursiv/durativ, transformativ/inchoativ, kausativ (alle drei haben Hilfsverbparaphrasen für Adjektive und auch einfache Verben: /Schlafen, krank sein/, /einschlafen, krank werden/, einschläfern, krank machen/; Helbig & Buscha 1984: 78f);
(10) Kategorien I: Tempus und Tempusgebrauch; Sprechzeit/Origo, Aktzeit/Referenz, Betrachtzeit (/Bis Samstag habe ich meine Arbeit abgeschlossen/); der Gebrauch des Praeteritums in der gesprochenen und geschriebenen Sprache; Futur: Tempus und/oder Modus?; das Praesens als unmarkierte Form (atemporales, aktuelles, futurisches, historisches Praesens); zum Verhältnis von Praeteritum und Perfekt; /Er wird die Stadt besichtigt haben/ oder warum sich das Futur II (horribile dictu) auf die Vergangenheit bezieht;
(11) Kategorien II: Modus und Modalität; Konjunktiv I und II und deren Verwendung; zunehmende Normunsicherheit; die /würde/-Form als Ersatzbildung; die Modalverben und ihre Verwendung (deontisch, epistemisch, evidentiell);
(12) Kategorien III: Passiv, Diathesen; Vorgangspassiv, Zustandspassiv, unpersönliches Passiv, Rezipientenpassiv oder /bekommen/-Passiv, /gehören/-Passiv; Vorgangspassiv (an Transitivität gebunden, dynamisch, täterabgewandt); Unpersönliches Passiv (argumentlose, -globale- Ereignisprädikate); Zustandspassiv (-prädizierbarer Nachzustand-, Grenzen zum adjektivierten Partizip II, statisch, Grenzen zum aktiven /ist/-Pefekt; Helbig & Buscha 1984: 175; /Sind Sie serviert/bedient/gefrühstückt?/)
(13) Funktionsverbgefüge: /unter Beschuss kommen, geraten, sein, haben, halten, nehmen, bleiben, sich befinden, stehen, …/ (Helbig & Buscha 1984: 79ff); die nominalen Elemente sind meist deverbal oder deadjektivisch;
(14) Infinitivkonstruktionen: mit /zu/ und ohne /zu/; /ist zu INF/ und /hat zu INF/ als modale Diathese; der Infinitiv als Verbalnomen; /um zu, ohne zu, anstatt zu/ als freie adverbiale Konstruktionen;
Literatur
Ágel, Vilmos (2000): Valenztheorie. Tübingen: Narr.
DUDEN (2005): Die Grammatik, 7. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut. (darin: -Das Verb- von C. Fabricius-Hansen, S. 395-572).
Eisenberg, Peter (2003): Grundriss der deutschen Grammatik II: Der Satz. 3. Aufl. Stuttgart: Metzler (Kap. 3 und 4).
Fabricius-Hansen, Cathrin (1986): Tempus fugit. Über die Interpretation temporaler Strukturen im Deutschen. Düsseldorf: Schwann.
Fritz, Thomas A. (2001): Wahr-Sagen. Futur, Modalität und Sprecherbezug im Deutschen. Hamburg: Buske.
Helbig, Gerharg & Buscha, Joachim (1984): Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den Ausländerunterricht. Leipzig: VEB Enzyklopädie. (oder neuere Auflage)
Kaznelson, S.D. (1974): Sprachtypologie und Sprachdenken. München: Hueber.
Kühnold, Ingeburg & Wellmann, Hans (1973): Deutsche Wortbildung I: Das Verb. Düsseldorf: Schwann.
Leirbukt, Oddleif, ed. (2004): Tempus/Temporalität und Modus/Modalität im Sprachvergleich. Tübingen: Stauffenburg.
Leiss, Elisabeth (1992): Die Verbalkategorien des Deutschen. Berlin: de Gruyter.
Mater, Erich (2007): Gesamtverzeichnis deutscher Verben der Gegenwartssprache. Frankfurt/M.: Lang.
Olsen Susan, ed.(1998): Semantische und konzeptuelle Aspekte der Partikelverbbildungen mit ein-. Tübingen: Stauffenburg:
Rothstein, Björn (2007): Tempus. Heidelberg: Winter.
Thieroff, Rolf (1992): Das finite Verb im Deutschen. Modus, Tempus, Distanz. Tübingen: Narr.
Thieroff, Rolf et al., eds. (2000): Deutsche Grammatik in Theorie und Praxis. Tübingen: Niemeyer.
Germanistik - Sprachwissenschaft I
Leistungen
Am Ende der Vorlesung steht eine für alle Teilnehmer obligatorische Klausur (2KP). Wer mehr als 2 KP erwerben möchte, muss zusätzlich eine Ausarbeitung zu einem Vorlesungsthema übernehmen. Vorausgesetzt wird, dass sich die Teilnehmer neben der Vorlesung mit einer grammatischen Darstellung des deutschen Verbs gründlich beschäftigen (entweder in DUDEN 2005, Eisenberg 2003 oder Helbig & Buscha 1984).
Universität Siegen
WiSe 2012/13
Univ.-Prof. Dr.
Knobloch Clemens