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Uni-Siegen
14. März 2017

Der Sprachwandel im metaprachlichen Diskurs des Siglo de Oro

Im 16. und 17. Jahrhundert vollziehen sich in Spanien bedeutende politische, religiöse und kulturelle Veränderungen. Nicht umsonst wird diese Epoche in der spanischen Historiographie auch als die Siglos de Oro bezeichnet. Spanien wird während des 16. und in der ersten...

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Im 16. und 17. Jahrhundert vollziehen sich in Spanien bedeutende politische, religiöse und kulturelle Veränderungen. Nicht umsonst wird diese Epoche in der spanischen Historiographie auch als die Siglos de Oro bezeichnet. Spanien wird während des 16. und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts die erste europäische Macht. Mit dem politischen Aufstieg geht auch ein stärkeres Bewusstsein für die Sprache und Kultur einher, ein Gedanke, den Antonio de Nebrija mit seinem Topos von der lengua compañera del imperio 1492 antizipiert. Angestoßen durch die humanistischen Strömungen im Italien des 14. und 15. Jahrhunderts, entwickelte sich auch in Spanien ein nationalsprachlicher Humanismus, der -unter Berufung auf das griechisch-römischeVorbild die theoretische Verteidigung und praktische Pflege der eigenen, sich formierenden nationalen Hoch- oder Standardsprache als zentrale Aufgabe betrachtete- (Bahner 1984: 95). Im Rahmen der contentio de primatu linguarum und im Zusammenhang mit einem nationalen Geschichtsbild, das zu jener Zeit im Entstehen begriffen war, kam der sprachhistorischen Betrachtung entscheidende Bedeutung zu. Mit dieser sprachhistorischen Perspektive tauchte auch die Frage nach den allgemeinen Ursachen für Sprachwandel auf. Die Vorstellung, sich in einer Zeit des Neubeginns zu befinden, war unter den Renaissancephilologen weit verbreitet und ist eng verknüpft mit der Auffassung geschichtlicher Prozesse als einer Abfolge von zyklischem Auf und Ab. Diese Vorstellung schlägt sich in einer anthropomorphen Betrachtung von Sprachentwicklung (Geburt und Kindheit, Jugend, Reife, Alter und Tod) nieder. Das Seminar setzt sich das Ziel, vor dem Hintergrund des geistesgeschichtlichen Kontextes eine Übersicht über die Argumente zu geben, die im Rahmen der metasprachlichen Diskussion zum Sprachwandel im Spanien des 16. und 17. Jahrhunderts vorgebracht wurden. Es soll gezeigt werden, dass diese nicht ex nihilo entstanden sind, sondern auf antike und mittelalterliche Vorläufer zurückgeführt werden können. Einen ersten Einblick in die Thematik können die folgenden Publikationen vermitteln: BAHNER, Werner (1956): Beitrag zum Sprachbewußtsein in der spanischen Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts. Berlin: Rütten & Loening. BAHNER, Werner (1997): -Geschichtsbewusstsein und Sprachgeschichte im Siglo de Oro. Zur Spezifik spanischer Sprachbetrachtung-. In: Lieber, Maria/Hirdt, Willi (eds.): Kunst und Kommunikation: Betrachtungen zum Medium Sprache in der Romania. Tübingen: Stauffenburg. 13-24. BOSSONG, Georg (1990): Sprachwissenschaft und Sprachphilosophie in der Romania. Von den Anfängen bis August Wilhelm Schlegel. Tübingen: Narr. READ, Malcolm K. (1977): -The renaissance concept of linguistic change”. Archivum Linguisticum VIII, 1. 60-69. SARMIENTO, Ramón (1992): -Los grandes temas de la tradición filológica española (1500-1800)”. In: Bartol, J.A. et al. (eds.): Estudios filológicos en homenaje a Eugenio Bustos Tovar. Bd. 2. Salamanca: Universidad de Salamanca. 903-923 Romanisches Seminar Beachten Sie, dass Sie diesen Kurs nach den Prüfungsordnungen ab 2011 nicht besuchen dürfen, wenn Sie die für dieses Modulelement laut Fachspezifischen Bestimmungen und Modulhandbuch notwendigen Voraussetzungen noch nicht erfüllen. • Sie sollten die Bereitschaft mitbringen, sich sowohl mit Primär- als auch mit Sekundärtexten auseinanderzusetzen (d.h. gleichzeitig, dass gute Spanisch-und Lateinkenntnisse von Vorteil sind). Kommentar Im 16. und 17. Jahrhundert vollziehen sich in Spanien bedeutende politische, religiöse und kulturelle Veränderungen. Nicht umsonst wird diese Epoche in der spanischen Historiographie auch als die Siglos de Oro bezeichnet. Spanien wird während des 16. und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts die erste europäische Macht. Mit dem politischen Aufstieg geht auch ein stärkeres Bewusstsein für die Sprache und Kultur einher, ein Gedanke, den Antonio de Nebrija mit seinem Topos von der lengua compañera del imperio 1492 antizipiert. Angestoßen durch die humanistischen Strömungen im Italien des 14. und 15. Jahrhunderts, entwickelte sich auch in Spanien ein nationalsprachlicher Humanismus, der -unter Berufung auf das griechisch-römischeVorbild die theoretische Verteidigung und praktische Pflege der eigenen, sich formierenden nationalen Hoch- oder Standardsprache als zentrale Aufgabe betrachtete- (Bahner 1984: 95). Im Rahmen der contentio de primatu linguarum und im Zusammenhang mit einem nationalen Geschichtsbild, das zu jener Zeit im Entstehen begriffen war, kam der sprachhistorischen Betrachtung entscheidende Bedeutung zu. Mit dieser sprachhistorischen Perspektive tauchte auch die Frage nach den allgemeinen Ursachen für Sprachwandel auf. Die Vorstellung, sich in einer Zeit des Neubeginns zu befinden, war unter den Renaissancephilologen weit verbreitet und ist eng verknüpft mit der Auffassung geschichtlicher Prozesse als einer Abfolge von zyklischem Auf und Ab. Diese Vorstellung schlägt sich in einer anthropomorphen Betrachtung von Sprachentwicklung (Geburt und Kindheit, Jugend, Reife, Alter und Tod) nieder. Das Seminar setzt sich das Ziel, vor dem Hintergrund des geistesgeschichtlichen Kontextes eine Übersicht über die Argumente zu geben, die im Rahmen der metasprachlichen Diskussion zum Sprachwandel im Spanien des 16. und 17. Jahrhunderts vorgebracht wurden. Es soll gezeigt werden, dass diese nicht ex nihilo entstanden sind, sondern auf antike und mittelalterliche Vorläufer zurückgeführt werden können. Universität Siegen SoSe 2014 Dr. Sälzer Sonja