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Uni-Siegen
14. März 2017

Die Medienpraktik des Patentierens Neue medientheoretische Ansätze zu einer Mediengeschichte technischer juristischer und bürokratischer Prüfungen

Die Medienpraktik des Patentierens: Neue medientheoretische Ansätze zu einer Mediengeschichte technischer, juristischer und bürokratischer Prüfungen Lenkt man die Aufmerksamkeit auf das Labor der Industrieforschung, zeichnet sich dieser Ort in zweifacher Hinsicht als Emergenzraum neuer technischer Medien aus. Zum einen wird...

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Die Medienpraktik des Patentierens: Neue medientheoretische Ansätze zu einer Mediengeschichte technischer, juristischer und bürokratischer Prüfungen Lenkt man die Aufmerksamkeit auf das Labor der Industrieforschung, zeichnet sich dieser Ort in zweifacher Hinsicht als Emergenzraum neuer technischer Medien aus. Zum einen wird man angeregt, das Labor als Produktionsort ernst zu nehmen, wenn man die Mediengeschichte von Innovationen wie Telefon, Telegraph, Fotokamera oder Phonograph zu lokalisieren versucht. Zum anderen werden gerade dort orts- und situationsgebundene Praktiken sichtbar, die für die Konstitution dieser heute universell erscheinenden Medientechnologien verantwortlich waren. Eine dieser Medienpraktiken ist die wirkmächtige Größe des Patentierens. Nach der Etablierung von unternehmensinternen Industrieforschungslaboren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörte die massenhafte Fabrikation von Patenten zu den wichtigsten und zeitintensivsten Aktivitäten der Forscher. Diese Aktivität erforderte enorme organisatorische Bemühungen, wie etwa die Kopplung von firmeninternen Patentabteilungen und Forschungslaboren. Die enge Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen diente der Überprüfung individueller Leistungen des wissenschaftlichen Personals, womit sie gleichermaßen eine Innovationskontrolle darstellte, in der Absicht, Patentierungen voranzutreiben. Die Patentanwälte, die zumeist über ingenieur- und naturwissenschaftliche Expertise verfügten, analysierten Labornotizbücher und Reporte, um weitere ertragreiche Patente ausfindig zu machen. So erkannten die Anwälte z.B. in Zufallslösungen patentierbare Erfindungen. Um neue Einsichten in die Medienpraktik des Patentierens zu erlauben, wird sich das Seminar mit dem Verfahren auch außerhalb des Labors auseinandersetzten. Das Patentamt und der Gerichtssaal können als zentrale Orte verstanden werden, die über die Karriere des Mediums und seiner Fürsprecher entscheiden. Technische, juristische und bürokratische Prüfungen nahmen enormen Einfluss auf die Ausprägung der Medienpraktik des Patentierens und sollen deshalb medientheoretisch betrachtet und in der Folge medienhistorisch (zum Teil) neu verortet werden. Medienwissenschaftliches Seminar Universität Siegen 20142 WiSe 2014/15 Dipl.-Medienw. Taha Nadine Dipl Medienw