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Uni-Siegen
14. März 2017

Die Theatralität der Revolution Georg Büchner Dantons Tod

Im Seminar widmen wir uns einer intensiven Lektüre und Analyse von Georg Büchners erster eigenständiger literarischer Arbeit und ihren Kontexten: Dantons Tod von 1834/35. Das Drama setzt sich mit den Ereignissen der Französischen Revolution im Frühjahr 1794 auseinander, einem Höhepunkt...

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Im Seminar widmen wir uns einer intensiven Lektüre und Analyse von Georg Büchners erster eigenständiger literarischer Arbeit und ihren Kontexten: Dantons Tod von 1834/35. Das Drama setzt sich mit den Ereignissen der Französischen Revolution im Frühjahr 1794 auseinander, einem Höhepunkt der -terreur- des sogenannten Wohlfahrtsausschusses. Insbesondere richtet sich unser Augenmerk auf Probleme der Theatralität. Wird hier doch ein Stoff auf die Bühne gestellt, der sich nicht wie im traditionellen Drama anhand von Personenkonflikten in z.B. der repräsentativen Welt der höheren Stände fassen lässt. Stattdessen dramatisiert Dantons Tod etwa den Massenauflauf auf der Straße, die Zufallsbegegnung im Bordell oder den vielfachen Tod unter der Guillotine. Die Frage nach der Theatralität scheint dem behandelten Stoff bereits innezuwohnen: In der Französischen Revolution soll das -Volk- an die Herrschaft kommen. Aber eine Volksherrschaft (-Demokratie-) bleibt ihrerseits auf die Delegation des Machtvollzugs an Stellvertreter angewiesen, welche für andere handeln und sprechen sollen als nur für sich alleine. Der politische Raum der Revolution ähnelt einer Bühne, auf der das -Volk- in den Rollen seiner Stellvertreter auftreten soll, aber gleichzeitig abwesend bleibt ­– und immer in Gefahr läuft, von der -Volksvertretung- ausgeschlossen zu bleiben. Entsprechend ist Dantons Tod ein Stück der politischen Redner und der politischen Handlungen, die diese Redner mit ihren Sprechakten im Namen des -Volks- vollziehen. Im Seminar wollen wir diese theatrale Dimension sowohl der dargestellten Revolution als auch ihrer Dramatisierung untersuchen: an den verwendeten historischen Quellen und den literarischen Techniken ihrer Verarbeitung, an den politischen und philosophischen Kontexten, anhand der historischen Vorbilder der französischen Revolution und diesbezüglichen Nachahmungsstrategien, anhand der unterschiedlichen vom Drama vorgeführten Sprechakte (Gerichtsreden, Zitate etc.). Ebenfalls ist die Beschäftigung mit mindestens einer Theaterinszenierung von Dantons Tod geplant. Germanistik - Neuere deutsche Literaturwissenschaft I Zulassung bei: - Anmeldung im LSF - Lektüre von Dantons Tod zur und Teilnahme an der ersten Sitzung (möglichst nach der Ausgabe des Deutschen Klassiker Verlags: Georg Büchner, Dichtungen. Frankfurt a.M. 1992 / Taschenbuch 13, 2006). - regelmäßiger Teilnahme und Vorbereitung. Es wird keine Zulassung während der vorlesungsfreien Zeit geben, sondern erst Anfang der Vorlesungszeit nach den genannten Kriterien. Universität Siegen WiSe 2011/12 Priv.-Doz. Dr. Schäfer Martin Jörg Priv Doz