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Uni-Siegen
14. März 2017

E und U hohe und niedere Kultur

Die Vorlesung geht der Unterscheidung von ernster und unterhaltender, hoher und niederer Kultur sowie Versuchen zu ihrer Überwindung nach. Schwerpunkte sind dabei der deutsche Idealismus und die internationale Postmoderne. Die Vorlesung ist als traditioneller Vortrag konzipiert, bei dem es Ihnen...

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Die Vorlesung geht der Unterscheidung von ernster und unterhaltender, hoher und niederer Kultur sowie Versuchen zu ihrer Überwindung nach. Schwerpunkte sind dabei der deutsche Idealismus und die internationale Postmoderne. Die Vorlesung ist als traditioneller Vortrag konzipiert, bei dem es Ihnen größtenteils selbst überlassen ist, welche Notizen Sie sich machen. Auf die Präsentation von Folien wird (auch auf Moodle) weitgehend verzichtet. Was man für die Leistungs- oder Kreditpunkte tun muss: 3 LP für modulbegleitende Einzelleistungen (bzw. 2 KP) gibt es für die kontinuierliche Teilnahme und die Abfassung eines Essays. Umfang des Essays: 3 Seiten; späteste Abgabe: 19. Juni. Aufgabe: An einem Gegenstand Ihrer Wahl zeigen Sie begründet auf, weshalb er zur hohen oder niederen Kultur gehört oder weshalb eine oder beide dieser Kategorien darauf keine definitive Anwendung finden können oder sollen. Ziehen Sie dafür u.a. historische Kriterien, die Sie in der Vorlesung kennengelernt haben, heran. Besonders wichtig ist aber insgesamt, dass Ihre Meinung, Ihre Einschätzung klar wird und ausführlich dargelegt wird (eine bloße Anwendung historischer Kriterien reicht also nicht aus. Mindestens müssen Sie ausführlich begründen, weshalb Sie ein historisches Kriterium - sei es von Schiller oder Marinetti etc. - überzeugt und Sie mit seiner Hilfe hohe von niederer Kultur trennen möchten). 3 LP für modulabschließende Einzelleistungen (bzw. 7 KP [oder im alten Lehramt: 4 KP]) gibt es für die Abfassung einer schriftlichen Hausarbeit (mindestens 15 Seiten; späteste Abgabe der Hausarbeit: 30. Oktober 2012; Voraussetzung für die Anfertigung einer Hausarbeit ist die Erfüllung der zuvor genannten Punkte: Teilnahme und Abfassung eines Essays). 5 KP gibt es für die Abfassung eines längeren Essays (ca. 9 S.). Voraussetzung für die Anfertigung dieses längeren Essays ist die Erfüllung der zuvor genannten Punkte: Teilnahme und Abfassung des kürzeren Essays. Historische Kriterien zur Unterscheidung hoher und niederer Kultur: Herder: Volkskultur: -leicht, einfach, aus Gegenständen und in der Sprache der Menge, so wie der reichen und für alle fühlbaren Natur- [positiv] Aber: -Volk heißt nicht, der Pöbel auf den Gassen, der singt und dichtet niemals, sondern schreit und verstümmelt- [negativ] Schiller: -Volksdichter-, wahre -Popularität-: den -rohen, gestaltlosen, oft tierischen Ausbruch noch auf den Lippen des Volks veredeln-; -Geheimnis des Denkers in leicht zu entziffernder Bildersprache-; -Idealisierkunst-; -Schönheit der Form- [positiv] Bloße -Sinnlichkeit-, -Materie-, ein -Zusammenwurf von Bildern, eine Kompilation von Zügen, eine Art Mosaik- [negativ] Kant: -Originalität- [positiv]; sich eine -bestimmte Regel- vorgeben lassen [negativ] -Reiz der Farben-, -angenehme Töne- [problematisch]; -Form-, -Komposition- [weitaus zuträglichere Gegenstände für ein reines ästhetisches Urteil] Flaubert: Es gibt -weder schöne noch hässliche Themen-; entscheidend für die Kunst ist vielmehr der -Stil-, der eine -absolute Weise ist, die Dinge zu sehen- [positiv] Moralisierende, erbauliche Kunst; aber auch Verpflichtung der Kunst auf Wirklichkeitsdarstellung [negativ] José Ortega y Gasset: Kunst der Masse, der Demokratie: Realismus. Publikum erkennt sich selbst und das, was es für wirklich und normal hält, wieder und kann darum einfachen, praktischen Genuss empfinden und sich identifizieren [bedenklich] Neue Kunst der Abstraktion und Verfremdung, der Trennung von Kunst und Leben: -volksfeindlich-, für Masse unverständlich [positiv] Filippo Tommaso Marinetti (Futurismus) Grundsatz: Kunst soll im intensiven (nicht alltäglichen) Leben aufgehen [positiv] Beispiel Theater: Heutiges Theater: -verinnerlichtes Leben-, -schulmeisterliche Meditation-, -monotone Gewissenskämpfe-, -Bibliothek-, -Museum- [negativ] Futuristisches Theater (Varieté): -Psychotollheit-, -Aktualität-, Zuschauer reizvoll -zerstreuen-, -unterhalten-, -schockieren-; Medieneinsatz; griechische Tragödien nur in -Kurzform oder in einer komischen Mischung-; die Werke von Beethoven, Wagner, Bach -werden durch Einfügen neapolitanischer Lieder belebt- [positiv] Harold Rosenberg Pop-Art (1960er Jahre ff.): Adaption von Motiven der Populärkultur mit modernen künstlerischen Mitteln; dadurch schließe und überlagere die Pop-Art den Abstand zwischen -high- und -low- Leslie Fiedler Postmoderne Popliteratur: soll die Kluft zwischen -high culture and low- überwinden - nämlich durch a) Parodie und groteske Überformung der Klassiker, b) durch Verwendung von Pop-Formen des Westerns, der Pornografie, der Scíence Fiction durch moderne Schriftsteller, c) durch Hinwendung zu den neuen Bildwelten von TV, Comics, Illustrierten Kulturkonzeptionen, die alter Auffassung von Hochkultur (und der weitgehenden Idenfikation von Kultur mit Kunstwerken, Ideen, Bildung) widerstreben: a) Massenkultur - positiv gesehen als Kultur, die kulturelle Teilhabe ermöglicht und sinnlich/verständlich unterschiedliche Schichten anspricht (deshalb eine demokratische Kultur ist) b) Unterhaltungskultur - positiv gesehen als angenehme Form, die die Extreme von elitärer, ernster Kunst und vulgärem Schund vermeidet c) Kultur als Lebensform, als -whole way of life- - positiv gesehen als Kultur, die auch in ihren modernen, künstlich gestifteten (nicht traditionell, angeblich natürlich aus dem Volk hervorgegangenen Formen) einen Zusammenhang etabliert zwischen bestimmten Weisen des Essens, Kleidens, Sprechens, Bewegens etc. und schon in dieser Zusammengsstiftung (auch ohne anerkannte Kunstwerke gervorgebracht zu haben) oft bedeutende Kultur ist (auch oder gerade in subkulturellen oder gegenkulturellen Ausprägungen) Germanistik - Neuere deutsche Literaturwissenschaft II Universität Siegen SoSe 2012 Univ.-Prof. Dr. Hecken Thomas