Uni-Kassel
14. März 2017Einführungsstudio Autofreies
Die Automobilisierung hat wesentliche Beiträge zu unserer heutigen Lebensweise geleistet und unsere Städte vor allem im 20. Jahrhundert grundlegend verändert. Nicht erst seit der Diskussion über die Energiewende, sondern bereits seit Anfang der 1970er Jahre wird über Alternativen zum Individualverkehr...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Automobilisierung hat wesentliche Beiträge zu unserer heutigen Lebensweise geleistet und unsere Städte vor allem im 20. Jahrhundert grundlegend verändert. Nicht erst seit der Diskussion über die Energiewende, sondern bereits seit Anfang der 1970er Jahre wird über Alternativen zum Individualverkehr mit Verbrennungsmotor nachgedacht. Doch bislang hat dies dem Siegeszug des Automobils kaum etwas anhaben können. Erst sehr zögerlich entfalten sich technische Alternativen wie die Elektromobilität, die sich aber bislang kaum durchsetzen konnten. Parallel werden inzwischen aber auch vielfältige Ansätze einer autoreduzierten oder gar autofreien Lebensweise erprobt. Die sich mit ihnen verbindenden Chancen sind enorm, erlauben sie doch einen gänzlich anderen Umgang mit dem städtischen Raum, von der Schonung endlicher Ressourcen einmal ganz abgesehen.
Doch lassen sie sich mit dem allgegenwärtigen Bedürfnis nach individueller Mobilität und Flexibilität überhaupt vereinbaren? Und welche Chancen haben wir eigentlich, kleinere oder größere Teile unserer Städte auf eine alternative, autoreduzierte Lebensweise umzurüsten, wenn die jährlichen Investitionen nur auf einen Promillebereich der städtischen Gebäudesubstanz beziehen? Wer würde überhaupt mitmachen und unter welchen Umständen? Überwiegen die Vorteile oder gar die Nachteile? Welche Voraussetzungen bestehen, und welche Schritte wären zu gehen, damit autoreduzierte Lebensweisen von den Bewohnerinnen und Bewohnern einer Stadt nicht als Bürde, sondern vielleicht sogar als Befreiung empfunden werden? Und wie sähen schließlich die geeigneten Stadtquartiere sowie die Organisationsformen einer alternativen Mobilität aus, die in einer mittleren Großstadt einsetzbar sind?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich das konzeptionell-strategisch angelegte Einführungsstudio am Beispiel von Kassel, einer in der Nachkriegszeit autogerecht wieder aufgebauten Großstadt, deren Verkehrstrassen sich seit Jahrzehnten – verteidigt von vielen Kasselern - hartnäckig einer Zivilisierung im Rahmen eines stadtverträglichen Um- oder Rückbaus widersetzen.
Ziele des Einführungsstudios sind die gründliche Durchdringung des Themas in seiner ganzen Breite sowie die Erarbeitung von Handlungsprogrammen für die Stadt Kasel sowie baulich-räumlichen Lösungen für ausgewählte Teilbereiche. Zur Vorbereitung wollen wir uns im Rahmen einer Exkursion in einer der berühmtesten autofreien Städte, der Altstadt von Venedig, auf das Thema einstimmen, dabei außerdem klassische Höhepunkte der Stadtbaukunst kennen lernen und überdies die Chance wahrnehmen, dort auch noch auf die Architekturbiennale zu gehen.
FB 06 Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung
Uni Kassel
WiSe 2014/15
Architektur
Univ.-Prof. Dr.-Ing.
Altrock Uwe Ing